Herr Stephan Cranen, Sie sind parteiloser Bürgermeister von Hürtgenwald in der Nordeifel. In der vergangenen Nacht wurde der Ortsteil Gey evakuiert, 1800 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Wie haben Sie das erlebt?Wir hatten am Donnerstag drei Brände hier in der Nähe, von denen wir zwei gut im Griff hatten. Der dritte weitete sich weiter aus, wir hatten aber gehofft, dass er nicht in Richtung der Ortschaft zieht. Aber in der Nacht hat der Wind gedreht. Also mussten wir um drei Uhr die Entscheidung treffen, zu evakuieren.Wie lief das ab?Die Polizei und die Feuerwehr haben das organisiert, die haben an jedem Haus geklingelt, angefangen im Norden des Ortes, wo der Brand am nächsten war. Es wurde eine Großschadenswarnung ausgerufen, die Warn-App Nina ausgelöst, zusätzlich gab es Sirenen-Alarm. Das hat schon jeder mitbekommen, und es hatten auch alle Verständnis. Es gab aber mehr als 20 Menschen mit Gehbehinderungen, die wurden dann mit Krankenwagen in Sicherheit gebracht.Im Dauereinsatz: Bürgermeister Stephan CranenPrivatWohin konnten die Menschen?Zunächst in eine Grundschule und ein Schützenheim. Mittlerweile sind viele privat untergekommen. Wir haben die Notunterkünfte aber jetzt noch etwas weiter weg von den Bränden verlegt, weil der Rauch für viele ältere Menschen zu belastend wurde.Der Brand ist in der Nacht bis zu 200 Meter an die ersten Häuser herangerückt. Im Laufe dieses Nachmittags soll wegen der steigenden Temperaturen mit einer Thermik zu rechnen sein, die die Feuer wieder anfachen könnte. Wie schätzen Sie die Lage ein?Ich hoffe, wir kriegen es hin, dass keine Häuser zu Schaden kommen. Und ich hoffe, dass der Ortsteil Großhau nicht auch noch evakuiert werden muss. Entscheidend wird sein, wie sich der Wind entwickelt. Der Wald, das ist ärgerlich, aber die Orte, das wäre noch mal eine ganz andere Dimension.Der Hürtgenwald ist mit Weltkriegsmunition belastet. Ist das ein Problem?Ja, deswegen konnten wir da gestern auch nicht einfach so Feuerwehrleute reinschicken. Das ist einfach sehr gefährlich, wenn es da zu Detonationen kommt. Ich habe Explosionen gehört. Aber wir haben jetzt mehrere Hubschrauber, auch von der Bundeswehr, die die Brände von oben bekämpfen, es ist sehr viel Feuerwehr da, es werden Schneisen in den Wald geschlagen, Panzer und Forstunternehmer helfen.Haben Sie vergangene Nacht geschlafen?Nein, ich bin seit Donnerstagnachmittag an Ort und Stelle. Eigentlich wollte ich mich um halb drei schlafen legen, aber dann hat der Wind gedreht. Ich hätte auch keine Minute schlafen können. Ich hatte schon immer Angst bei diesen Temperaturen, dass etwas passiert. Wir hatten hier zuletzt immer wieder kleinere Brände. Aber das ist jetzt eine ganz andere Gefahrenlage.