Beim großen Waldbrand in dem mit Weltkriegsmunition belasteten Hürtgenwald in Nordrhein-Westfalen hat es fünf Verletzte gegeben. Eine ältere Person habe Herzprobleme bei der Evakuierung bekommen, sagte Landrat Ralf Nolten (CDU) der dpa. Außerdem seien vier Einsatzkräfte leicht verletzt. Darunter seien eine Schnittverletzung und Kreislaufprobleme.Nach der Evakuierung des Ortsteils Hürtgenwald-Gey könnten die betroffenen Menschen noch nicht zurück in ihre Häuser. Die Gebäude seien derzeit zwar nicht akut bedroht. Doch könnte der Wind gefährlich wechseln, erläuterte der Landrat. Die Betroffenen seien meist bei Verwandten und Freunden untergekommen. Auch sei eine Schule als Notunterkunft hergerichtet worden. Kampf gegen Feuer soll in der Nacht weitergehen „Gey ist im Augenblick aus unserer Sicht sicher, solange eben kein entsprechender Windwechsel, kein starker Wind aufkommt“, sagte der Landrat des Kreises Düren. Es sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, dass es bei der Räumung bleibe. Alle Bewohner von Gey hätten ihre Häuser und Wohnungen verlassen, teilte eine Sprecherin des Kreises Düren am Freitagmorgen mit. Dort leben etwa 2300 Menschen. Die Gemeinde hat insgesamt etwa 9000 Einwohnerinnen und Einwohner.Es seien zurzeit rund 400 Kräfte von Feuerwehr, Polizei, THW und dem Landesbetrieb Wald und Holz im Einsatz. Je nachdem, wie sich die Wetterlage und der Wind entwickelten, „werden wir dann an den unterschiedlichen Fronten auch in der Nacht angreifen“, erklärte der Landrat weiter. Die Fahrzeuge hätten eine Beleuchtung und das THW baue „Lichtbäume“. Das Feuer sei an bestimmten Punkten eingedämmt.Rund 300 Hektar Wald stehen in Flammen. Das entspricht etwa 420 Fußballfeldern. Die Brandursache ist bisher unklar. Die Polizei hat ein Hinweisportal eingerichtet.Einsatzleiter Winfried Thelen ergänzte: Es gehe darum, ein Ausbreiten des Feuers auch in der Nacht zu verhindern. Der Brand im Hürtgenwald bestehe aus einer Mischung von Boden- und Wipfelfeuern, die sich immer wieder ausbreiteten oder Feuer krieche unter dem Boden weiter. Thelen hob die spontane Hilfe von Landwirten und Forstwirten hervor. Diese Unterstützung etwa mit Ackergeräten helfe ungemein. Ein Polizeihubschrauber mit Löschwasser startet Richtung Hürtgenwald in der Eifel. © dpa/Christoph Driessen Nach Angaben der „Bild“ sind Polizeihubschrauber aus Rheinland-Pfalz, Hessen, der Bundeswehr, der Bundespolizei und weiteren Städten auf dem Weg nach Hürtgenwald, um die Brände aus der Luft zu bekämpfen. Ein Einsatz dieser Art sei in Nordrhein-Westfalen erstmalig.Die Hubschrauber könnten am Samstag wieder zum Einsatz kommen. Bei Dunkelheit könnten sie nicht fliegen. „Also den Wald kriegen wir nicht gelöscht ohne Helikopter oder ohne Wasser aus der Luft“, betonte Thelen. Hauptaugenmerk sei im Moment, ein Ausbreiten des Feuers zu verhindern. Größter Waldbrand in Geschichte NRWs Nach Einschätzung der Landesregierung ist der Waldbrand der größte in der Geschichte von Nordrhein-Westfalen. „Wir wüssten zumindest nicht, dass es einen Waldbrand gab, der daran herangereicht hat“, sagte NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) bei einem Besuch der Einsatzkräfte.Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können. NRW-Umweltminister Oliver Krischer (Grüne) äußerte sich bestürzt über das Ausmaß des Waldbrands. „Ich komme ja aus der Region hier, bin hier aufgewachsen und kenne diesen Wald. Und das ist schon bitter, wenn man das hier sieht, was der Brand alles weggefressen hat in einer Dimension, wie ich das nie mir hätte vorstellen können“, sagte Krischer der Deutschen Presse-Agentur. „Es hat hier immer mal kleinere Waldbrände gegeben, aber das war dann maximal Gartengröße. Und das, was wir jetzt hier sehen, ist schon erschreckend.“ Experten planen Gegenfeuer Um den Großbrand einzudämmen, sollen auch Gegenfeuer eingesetzt werden, wie Feuerwehrsprecher Peter Berndgen der Agentur dpa sagte. „Wir haben Expertenteams vor Ort, die genau diese Taktik gerade einsetzen“, sagte er. Neben der aus Kanada und Südeuropa bekannten Methode kämen auch Panzer der Bundeswehr und Motorsägen zum Einsatz, um für meist fünfzehn Meter weite Schneisen zu sorgen.Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können. Der Löscheinsatz könne noch Tage dauern, sagte Berndgen. „Wir haben heute sehr ungünstige Bedingungen für eine Waldbrandbekämpfung“, erklärte er. Es handele sich um einen sogenannten „Red Flag Day“: Hohe Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wind erschweren die Arbeit der Einsatzkräfte.Wenn Sie die Feuerwand gesehen haben (. . . ), dann gehen Sie schon und fangen nicht an zu diskutieren.Ralf Nolten, Landrat im Kreis DürenDer Waldbrand rückte im Laufe des Freitags weiter auf die Gemeinde zu. Die Flammen seien aktuell nur noch 150 Meter vom Hürtgenwalder Ortsteil Gey entfernt, sagte Landrat Nolten am Mittag. Ein Problem bei den Löscharbeiten ist die Munition aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden. Am Donnerstag war es bereits zu Explosionen gekommen. Mutmaßliche Detonationen sind auch in Beiträgen in den sozialen Medien zu hören.Stephan Cranen, Bürgermeister der Gemeinde Hürtgenwald, sagte dem WDR am Freitagmorgen, am Donnerstag habe es insgesamt drei Brände gegeben. „Zwei haben wir in den Griff bekommen, einer hat sich in der Nacht leider noch weiter ausgebreitet, Richtung Gey und auch Richtung des alten Munitionslagers in Düren. Deswegen mussten wir Gey vorsichtshalber evakuieren.“Auch der Landrat machte die Probleme für die Einsatzkräfte deutlich: „Das Gelände ist doch sehr schwierig und durch die hohe Munitionsbelastung können wir auch keine einzelnen Feuerwehrleute mit Löschrucksäcken reinschicken“, sagte Nolten. Im Laufe der Nacht sei auf dem Brandgelände bereits Munition hochgegangen. „Wir haben auch die Schläge gehört.“ Flammen sind am Rand eines Waldwegs im Hürtgenwald zu sehen. © dpa/Jan Ohmen Zu den bisherigen Löscharbeiten sagte er: „Wir mussten uns streckenweise zurückziehen, damit einzelne Einheiten nicht eingekesselt wurden.“ Das Feuer in Hürtgenwald sei so groß, dass es noch Tage dauern werde, bis es gelöscht sein werde.Mit Blick auf die Evakuierung des Ortsteils Gey berichtete Nolten von relativ gelassenen Reaktionen und vollem Verständnis der Einwohnerinnen und Einwohner. „Wenn Sie die Feuerwand gesehen haben – die Bäume haben ja schon ihre Höhe und dann brennt es noch mal ein paar Meter über der Krone –, wenn Sie das gesehen haben, dann gehen Sie schon und fangen nicht an zu diskutieren.“ Landesregierung in NRW warnt vor Waldbränden Aufgrund der akuten Trockenheit kommt es derzeit an mehreren Orten in Nordrhein-Westfalen zu Waldbränden. Die Minister für Inneres und für Landwirtschaft, Herbert Reul und Silke Gorißen (beide CDU), appellierten eindringlich an die Bevölkerung, Wälder derzeit nicht zu betreten. „Brände können sich rasant schnell ausbreiten und Fluchtwege abschneiden“, mahnten sie.Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) dankte Feuerwehr, Polizei und Hilfsorganisationen. Viele von ihnen seien im Hürtgenwald seit Donnerstagnachmittag ohne Pause im Einsatz gewesen. „Unser Land hält zusammen!“, hob er auf der Plattform X hervor. Auch Kanzler Friedrich Merz äußerte sich. „In vielen Teilen des Landes wüten Waldbrände“, schrieb er auf X. Er werde laufend über die Entwicklung unterrichtet. „Ich danke allen Einsatzkräften für ihren unermüdlichen und oft bis zur Erschöpfung reichenden Einsatz“, schrieb der CDU-Chef. (mit dpa/AFP)