Man muss sich das mal vorstellen: Die beiden SPD-Chefs Bärbel Bas und Lars Klingbeil hauen Kanzler Friedrich Merz ein ums andere Mal übers Ohr und ziehen die Union regelmäßig in politischen Verhandlungen so weit über den Tisch, dass Merz und seine Partei über die Monate so schlecht wie noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik dastehen. Und dann meckern die Sozis auch noch über ihre Führung und wollen Bas und Klingbeil wegputschen?! Verrückte Welt.
Billionen neue Schulden und Sondervermögen, muntere Rentenerhöhungen, Bürgergeld wird nur umbenannt, Ausweitung der Tariftreue, lahme Sozialreformen, Steuerentlastung für Geringverdiener – was wollen die Genossen denn noch, um die sozialdemokratische Seele zu beruhigen?
Den einzig üblen Reformbrocken, den Klingbeil und Bas bislang schlucken mussten, war die Abschaffung der „Rente mit 63“. Und den würgen nun ausgerechnet die CDU-Ministerpräsidenten aus dem Osten wieder hervor. Dennoch wollen einige den Sturz des erfolgreichen SPD-Duos. Und aus einigen wurden mittlerweile viele.
„Massive Irritation hinsichtlich der Sozialdemokratie“
Der Juso-Vorsitzende Philipp Türmer läuft seit Wochen nur noch mit geballter Faust in der Tasche herum, mahnt den Schutz der geschundenen „sozialdemokratische Seele“ an und warnt Bas und Klingbeil regelmäßig vor einem „Basisaufstand“ oder einer „Revolution“. Der Unterbezirksvorstand Bielefeld und sein Vorsitzender Markus Kollmeier bezeichnete die Koalitionskompromisse neulich als „sozial unausgewogen, politisch und fachlich falsch und innerparteilich unzureichend legitimiert“. Und das „Forum Demokratische Linke“ in der SPD mit seinem Vorstand Jan Dieren sieht „die Glaubwürdigkeit der SPD als Interessenvertretung der arbeitenden Menschen“ in Gefahr und möchte endlich mehr Sozialismus wagen.







