Seit dem vergangenen Freitag kommt der Vulkan Ätna auf Sizilien nicht zur Ruhe. Europas aktivster Vulkan stößt große Mengen Asche und glühende Gesteinsbrocken aus. Nach Angaben des italienischen Instituts für Geophysik und Vulkanologie drangen aus zwei Schloten in über 2000 Meter Höhe dicke Lavaströme nach draußen. Mit weitreichenden Folgen mitten in der Hauptreisezeit: Der Flughafen in Catania an der Ostküste Siziliens bleibt bis mindestens Freitag gegen zwei Uhr morgens geschlossen. Tausende Urlauber sind auf der Insel gestrandet und versuchen, nach Palermo oder aufs Festland zu gelangen, um von dort aus einen Flug nach Hause zu erreichen.„Das ist das Problem des Flughafens und der Airlines, weil sie einfach nicht vorbereitet sind“, sagt Joana Maria Piolo, Inhaberin von Trails of Sicily. Das Unternehmen bietet geführte Touren an, unter anderem auf den Ätna. „Es ist sehr ärgerlich, wenn Menschen am Flughafen warten und keine Informationen erhalten. So wie vor ein paar Tagen: Leute, die eigentlich von Catania nach Krakau fliegen sollten, erhielten etwa drei Stunden vor dem Boarding die Mitteilung, dass ihr Flug von Palermo aus startet. Aber es ist unmöglich, in drei Stunden von Catania nach Palermo zu kommen, um einzuchecken und all das zu erledigen.“„Für uns Einheimische ist der Vulkan eine Attraktion“: Joana Piolo führt das Unternehmen Trails of Sicily und bietet geführte Touren auf den Ätna an.PrivatFür die Einheimischen dagegen sei der jüngste Ausbruch des Vulkans nichts Besonderes. Das größte Problem der Sizilianer sei, dass sie ihre Balkone und Autos sauber machen müssten, so Piolo. „Für uns Einheimische ist der Vulkan eine Attraktion. Wir schauen auf Mama Ätna und denken: Wow, ist das schön!“„Viele Aussichtspunkte auf dem Ätna kann man allein erreichen“Das scheinen sich allerdings auch viele der Touristen auf der Insel zu denken. In den sozialen Medien kursieren unzählige Bilder und Videos von den glühenden Lavaströmen im Dunkeln, aufgenommen aus nächster Nähe. Auch die italienische Fernsehmoderatorin Diletta Leotta, Ehefrau von Schalke-Torwart Loris Karius, zeigte sich auf Bildern nahe an der Lava. Verboten ist das Besteigen des Vulkans trotz des Ausbruchs zurzeit nicht. „Man darf auch ohne Bergführer auf den Ätna, da man den Lavastrom eigentlich gar nicht erreichen kann. Es ist schwierig, dorthin zu gelangen“, sagt Piolo. „Viele Aussichtspunkte auf dem Ätna kann man allein erreichen und aus sicherer Entfernung die Vulkanaktivität beobachten.“Jedes Mal anders: Lava und Eruptionen auf dem ÄtnaPrivatDie Lage am Ätna sei allerdings dynamisch, die Gefahren und Zugangsregeln hingen von verschiedenen Faktoren ab und könnten sich schnell ändern, fügt Piolo an. Laut den offiziellen Bestimmungen können Besucher zurzeit allein bis auf etwa 2400 Meter aufsteigen. Darüber hinaus müssen sie sich in die Obhut eines Bergführers wie Piolo begeben. Nach eigener Aussage hat sie zurzeit zahlreiche Kunden, die sie zu den Lavaströmen hinaufführt.„Es ist immer ein überwältigendes Erlebnis, auch wenn man es schon oft gesehen hat“, sagt sie. Lava und Eruptionen seien jedes Mal anders. Und wirklich heiß sei es so nah an der Lava auch nicht, eher warm.„Es ist nicht gefährlich, wenn man einen sicheren Abstand einhält“: Im Dunkeln sind die Lavaströme besonders gut zu sehen.Privat„Gestern haben wir einen Aussichtspunkt erreicht, der in gerader Linie vielleicht zwei- oder dreihundert Meter vom Lavastrom entfernt liegt, also ziemlich weit weg. Aber man hat einen wunderschönen Ausblick“, berichtet Piolo. „Es ist nicht gefährlich, wenn man einen sicheren Abstand einhält. Die Lavafront befindet sich gerade knapp über 1000 Metern. Man kann also tatsächlich sehr nah an die Lavafront herankommen.“ Sie halte aber immer einen Abstand von etwa 50 bis 100 Metern ein – allein und mit ihren Kunden, um Unfälle zu vermeiden.Berichte über Unfälle gibt es bisher nicht, wohl aber über Menschen, die sich im Dunkeln auf dem Ätna verirrten. Piolo kann nachvollziehen, dass die Menschen gerade im Dunkeln die Lavaströme auf dem Vulkan besichtigen wollen. Das Problem sei aber, dass vor allem Einheimische nicht vorbereitet seien und sich dann im Dunkeln verirrten. Sie empfehle daher immer, eine geführte Tour zu nutzen, wenn man sich nicht sicher sei, den richtigen Weg zu finden.Für sie ist der jüngste Ausbruch des Ätnas jedenfalls kein Problem. Sie sei allerdings verärgert darüber, dass Flughafen und Airlines nicht vorbereitet und unorganisiert seien. Denn: „Den Ätna gibt es schon seit Ewigkeiten. Es ist nicht das erste Mal, dass er ausbricht und es wird auch nicht das letzte Mal sein.“ Die Behörden sollten einen Plan haben und diesen dann auch umsetzen.
Bergführer bringen Besucher trotz Ausbruchs auf den Ätna
Keine Flüge, Tausende gestrandete Urlauber: Europas aktivster Vulkan bereitet dem Tourismus auf Sizilien Probleme. Gleichzeitig bringen Bergführer wie Joana Piolo Besucher nah an die Lava. Wie gefährlich ist das?










