Der Ausbruch des Vulkans Ätna in Italien lockt zahlreiche Besucher an – und nicht alle begeben sich unter Anleitung von Profis in das potenziell gefährliche Gebiet. Bergführer berichten von überfüllten Wegen und Besuchern in Sandalen.Er erhalte derzeit 300 Anfragen pro Tag, sagte Daniele Perricelli am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Das seien drei Mal so viel wie gewöhnlich. Jeden Abend führe er aber nur einige Dutzend Besucher den Vulkan hinauf. Jeden Abend steigen bis zu 2000 Menschen den Ätna hinauf. Die Wege sind überfüllt.Daniele Perricelli, Bergführer„Alle kommen und wollen den Lavastrom sehen“, sagte Perricelli. Viele, die keine Führung buchen wollten oder keinen Platz bekämen, machten sich auf eigene Faust auf den Weg. Das sei riskant. „Jeden Abend steigen bis zu 2000 Menschen den Ätna hinauf. Die Wege sind überfüllt“, sagte Perricelli. „Gestern haben wir einige in Flip-Flops gesehen.“ Der Bergführer Ernesto Maria Magri sagte, teils komme es am Berg zu Gedränge. Unter anderem die italienische Fernsehmoderatorin Diletta Leotta, die Ehefrau von Schalke-Torwart Loris Karius, sah sich in Onlinediensten Kritik ausgesetzt, weil sie Bilder nahe an der glühenden Lava aufnahm. Nach Angaben der Bergführer können Besucher in den niedrigeren Bereichen, in denen die Lava bereits abgekühlt ist, bis auf wenige Meter an den Lavastrom herangehen.Laut den offiziellen Bestimmungen können Besucher allein bis auf etwa 2400 Meter aufsteigen. Darüber hinaus müssen sie sich in die Obhut eines Bergführers begeben. Der Gipfel liegt auf 3324 Metern. Der Zivilschutz hat für den Ätna die zweite Warnstufe auf einer vierteiligen Skala ausgegeben. Flughafen bleibt geschlossen Mitten in der Hauptreisezeit bleibt der Flughafen von Catania wegen des jüngsten Ausbruchs des Vulkans Ätna weiter dicht. Der Airport auf der italienischen Mittelmeerinsel Sizilien ist wegen der Sperre des Luftraums mindestens bis 18.00 Uhr geschlossen – zunächst hatte die Sperre bis 11.00 Uhr gegolten. Tausende Urlauber, auch aus dem Ausland, sind davon betroffen.Europas aktivster Vulkan stößt bereits seit Freitag große Mengen Asche und glühende Gesteinsbrocken aus. Aus zwei Schloten in 2360 Metern und 2750 Metern Höhe dringen nach Angaben des italienischen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV) dicke Lavaströme nach draußen. Zuletzt bildeten sich zwei weitere neue Lavaströme, die aus dem Vulkan herausflossen. Viele wollen nun den Zug nehmen Seit Freitag ist der Flugbetrieb bereits beeinträchtigt. Komplett gesperrt ist der Luftraum erst seit wenigen Tagen. Jetzt im Hochsommer, mitten in der Urlaubszeit, wenn auch viele Urlauber aus dem Ausland auf der Insel sind, sorgt das für große Probleme. Bei der Abreise versuchen nun viele, auf den Flughafen der Inselhauptstadt Palermo oder auf den Zug auszuweichen. Viele Sizilien-Touristen mussten ihren Aufenthalt verlängern.Allerdings sind die Unterkünfte auf der Insel voll, weshalb manche die Nacht auch am Flughafen verbringen mussten. Dort kam es zu chaotischen Szenen. Viele Passagiere berichteten, dass das Personal überfordert sei. Ein Urlauber sagte der Tageszeitung „La Repubblica“: „Man hat uns unserem Schicksal überlassen. Wäre ich in ein Schlauchboot gestiegen, wäre ich mit Sicherheit früher angekommen.“ 700 Euro für 200 Kilometer Busfahrt nach Palermo Hinzu kommt, dass die Not der Touristen von Geschäftemachern ausgenutzt wird. Der italienische Schauspieler Filippo Laganà berichtete auf Instagram, dass für die Fahrt in einem Shuttle-Bus von Catania nach Palermo 700 Euro verlangt würden – und das für eine Strecke von etwa 200 Kilometern. Laganà kam schließlich mit einem Mietwagen zurück nach Rom. Die Fernzüge in die Hauptstadt, von wo aus internationale Flüge leichter zu bekommen sind, sind überfüllt.Auf dem Rollfeld in Catania stehen zahlreiche Flugzeuge, die mit Abdeckungen vor dem Ascheregen geschützt werden. Insbesondere die Triebwerke werden geschützt. Die Start- und Landebahnen müssen immer wieder von Vulkanasche gereinigt werden. Pro Jahr werden am Flughafen Catania mehr als zwölf Millionen Passagiere abgefertigt. (dpa)
„Gestern haben wir einige in Flip-Flops gesehen“: Besucheranstrum nach Ätna-Ausbruch – viele Urlauber sitzen fest
Mitten in der Hauptreisezeit sorgt Europas aktivster Vulkan für Probleme. Der Flughafen ist dicht. Urlauber müssen umplanen. Derweil berichten Bergführer von Touristen, die gefährlich nahe an den Lavastrom gelangen.










