Mitten in der Hauptreisezeit sorgt Europas grösster Vulkan mit seinen Ausbrüchen für grosse Probleme. In Catania kann am Dienstagmorgen nur eine einzige Maschine starten. Touristen sind verzweifelt.11.08.2026, 12.53 Uhr3 LeseminutenTrotz Ausbruch anziehend für die Touristen.Imago(dpa) Auf Sizilien ist der Ätna ein Touristenmagnet – jetzt sorgt Europas aktivster Vulkan allerdings dafür, dass mancher Urlaub leidet. Wegen des jüngsten Ausbruchs, der seit Freitag dauert, sitzen auf der italienischen Mittelmeerinsel mehrere Tausend Urlauber fest. Infolge der Aschewolken am Himmel können auf dem Flughafen Catania kaum noch Flugzeuge starten und landen. Mehr als 200 Flüge mussten umgeleitet oder ganz gestrichen werden.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Damit wird vor allem die Heimreise für viele Urlauber zur Tortur. Auf dem Flughafen der 300 000-Einwohner-Stadt Catania, am Fuss des Ätna gelegen, kommt es zu chaotischen Szenen. Manche Familien mussten dort auch übernachten. Zudem sind die Flüge von anderen Flughäfen und die Züge weg von der Insel ausgebucht.Ätna schon seit fünf Tagen wieder schwer aktivDer Ätna stösst nun schon den fünften Tag in Folge grosse Mengen Asche und glühende Gesteinsbrocken aus. Aus zwei Schloten in 2360 Metern und 2750 Metern Höhe dringen laut Angaben des italienischen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV) dicke Lavaströme nach draussen. In der Nacht öffnete sich auf einer Höhe von etwa 1900 Metern Höhe ein neuer Schlot. Solche Ausbrüche des mehr als 3300 Meter hohen Vulkans sind keine Seltenheit, deshalb wird der Ätna seit Jahrzehnten aufs Gründlichste überwacht.Für Flugzeuge gelten hohe Sicherheits-Standards. Die Behörden entscheiden je nach Windrichtung und Aschekonzentration über Sperrungen, oft auch sehr kurzfristig. Aktuell gilt für Catania die höchste Warnstufe Rot. Das bedeutet, dass eine Eruption mit erheblichem Ausstoss von Asche unmittelbar bevorsteht oder bereits in Gang ist. Am Morgen konnte nur eine einzige Maschine für einen Inlandflug abheben. Alle Landungen wurden bis 19 Uhr ausgesetzt.Urlauber: «Man hat uns unserem Schicksal überlassen»Jetzt im Hochsommer, wenn auch viele Ausländer auf der Insel sind, sorgt das für grosse Probleme. Viele versuchen, auf den Flughafen der Inselhauptstadt Palermo oder den Zug auszuweichen. Nach Schätzungen sind etwa 30 000 Menschen betroffen. Viele Touristen mussten ihren Aufenthalt auf der Insel verlängern. Allerdings sind die Unterkünfte voll, weshalb manche die Nacht am Flughafen verbringen mussten.Viele gestrandete Passagiere beschwerten sich, dass das Personal dort überfordert sei. Immer wieder gebe es widersprüchliche Ansagen. Einer sagte der Zeitung «La Repubblica»: «Man hat uns unserem Schicksal überlassen.»Hinzu kommt, dass die Not der Touristen von Geschäftemachern ausgenutzt wird. Der italienische Schauspieler Filippo Laganà berichtete auf Instagram, dass für den Shuttlebus von Catania nach Palermo – etwa 200 Kilometer – ein Preis von 700 Euro verlangt werde. Die Intercity-Züge von der Insel nach Rom – etwa zehn Stunden, auch über eine Fähre – sind auf Tage ausgebucht. Zudem gibt es in solchen Zügen keinen Speisewagen und nicht einmal Trinkwasser im Verkauf. Aus Rom gehen viele internationale Flüge ab.Asche klebt bei Temperaturen um 35 Grad auf der HautUnklar ist nach wie vor, wann der Flugbetrieb in Catania wieder halbwegs normal laufen wird. Auf dem Rollfeld stehen inzwischen zahlreiche Flugzeuge, die mit Abdeckungen vor dem Ascheregen geschützt werden. Insbesondere die Triebwerke werden penibel geschützt. Die Start- und Landebahnen müssen immer wieder von Vulkanasche gereinigt werden. Pro Jahr werden hier mehr als zwölf Millionen Passagiere abgefertigt.Der Ascheregen belastet aber auch den Alltag von Inselbewohnern und Touristen, die nicht reisen müssen. In der Sommerhitze bildet der Schweiss auf der Haut für die feinen Partikel einen wunderbaren Kleber: Die Haut ist dann schwarz gesprenkelt. Auf den Strassen reicht schon ein vorbeifahrender Bus, um den grauen Staub aufzuwirbeln. Zudem ist der Blick auf den Ätna – einen sehr imposanten Berg – bei eigentlich perfekt blauem Himmel durch die Rauchwolken getrübt.Trotz aller Probleme zieht der Vulkan aber weiterhin die Touristen an. Bei Einbruch der Dunkelheit pilgern Schaulustige nun abends zu den Aussichtspunkten, um die rotglühenden Lavaströme vor dem Nachthimmel zu fotografieren. Auf dem Nachhauseweg verlor ein junges italienisches Paar die Orientierung. Die beiden mussten einen Notruf absetzen und konnten dann gerettet werden.Passend zum Artikel
Ätna-Ausbruch legt Flughafen lahm – Tausende Touristen gestrandet
Mitten in der Hauptreisezeit sorgt Europas grösster Vulkan mit seinen Ausbrüchen für grosse Probleme. In Catania kann am Dienstagmorgen nur eine einzige Maschine starten. Touristen sind verzweifelt.










