85.300 Pfund für einen Banksy: Soviel kostete den britischen Steuerzahler nach Informationen der BBC, dass ein im vergangenen September aufgetauchtes Graffito an einer Wand der Royal Courts of Justice in London kurz darauf entfernt wurde.Das in typischer Banksy-Technik mithilfe von Schablonen aufgesprühte Bild zeigte einen Richter mit traditioneller Perücke, der auf einen am Boden liegenden Demonstranten einschlägt. Gemeint war es wahrscheinlich als kritischer Kommentar auf die Festnahme von 890 Teilnehmern einer Protestkundgebung gegen das Verbot der propalästinensischen Gruppe Palestine Action. Banksy hat sich ohne weitere Erläuterungen auf Instagram zu dem Werk bekannt.Wandbild des Anstoßes: Banksys Werk an den Royal Courts of JusticeReutersSo begeistert die Öffentlichkeit generell auf Banksys Nacht-und-Nebel-Eingriffe in den öffentlichen Raum reagiert (bis hin zum Diebstahl von Werken), so wohlwollend Kommunen und Hauseigentümer normalerweise über seinen als kulturell aufwertend eingestuften „Vandalismus“ hinwegsehen, in diesem Fall lagen die Dinge wohl etwas anders. Dass das Gericht sich am eigenen Haus nicht als Prügelinstitution wider das Grundrecht der Meinungsfreiheit darstellen lassen wollte, liegt auf der Hand. Außerdem steht das Gebäude unter Denkmalschutz. So wurde das Banksy-Werk erst abgedeckt, dann unter Einsatz von Chemikalien abgeschrubbt.Die Kosten für die Bereinigung könnten die immer wieder aufflackernde Debatte über Guerillakunst und Sachbeschädigung befeuern, zumal das konservativ geführte Westminster City Council außerdem 60.000 Pfund für Absperrungen und die Sicherung einer Statue ausgegeben hat, die von Banksy im April am Waterloo Place in London aufgestellt wurde. Die Figur stellt einen Flagge tragenden Anzugträger dar, dem das Banner ins Gesicht weht. Blind geworden, droht der schreitende Mann mit dem nächsten Schritt vom Sockel zu stürzen, ein Opfer seiner Ideologie. Bis Ende des Sommers solle entschieden werden, ob das Werk vor Ort bleiben darf, hat „The Art Newspaper“ aus der Verwaltung erfahren.Signiert „Banksy“: Statue am Waterloo Place in LondonAPWelchen Wert Banksy, der berühmteste Street-Art-Künstler der Welt, als subversiv-sozialkritischer Botschafter des britischen Humors für sein Heimatland hat, lässt sich freilich kaum beziffern. Im Vergleich zu diesem Geschenk erscheinen die nun entstandenen Kosten klein, auch die 2200 Pfund für den Abbau eines Wachhäuschens der Londoner Stadtpolizei, das Banksy mit Piranhas verziert hatte. Von November an soll es im London Museum ausgestellt werden.Banksys Anonymität wurde von vielen Mitwissern in den vergangenen zwei Jahrzehnten geschützt. Auch nachdem 2008 das Boulevardblatt „The Mail on Sunday“ die Story gebracht hatte, Banksy sei ein Mann namens Robin Cunningham aus Bristol, wollten viele davon nichts wissen. Ein Phantom, das Kunst für alle und gegen die Mächtigen schafft, war und bleibt poetischer als jede gesicherte Identität: Street-Art wirkt nur als Kunst ohne Auftraggeber und bekannten Urheber authentisch. Dennoch legten Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters kürzlich nach, bestätigten die alte Recherche und ergänzten sie damit, dass Cunningham alias Banksy offiziell inzwischen David Jones heiße, also einen Allerweltsnamen trage.Erkaltet die Liebe zu Banksy deshalb? Die Stadtpolizei von London hat Berichten zufolge Ermittlungen in Sachen Richter-Graffito aufgenommen. Sollte Anklage erhoben werden, wäre die Anonymität Banksys gefährdet. Aber bisher kam es nie so weit. Auktionspreise von Werken Banksys sind seit dem Hype um das bei seiner Versteigerung geschredderte Bild „Girl with Balloon“, das 2021 mehr als 25 Millionen Dollar brutto erlöste, zwar zusammengebrochen und bewegen sich wieder auf vorpandemischem Niveau. Das gilt aber für viele Gegenwartskünstler nach der auf die Covid-Überhitzung folgenden Marktkorrektur und dürfte nur auf Wertsteigerung bedachte Kunstsammler oder Händler bekümmern.Banksy selbst verdient sein Geld auf dem Primärmarkt, vor allem mit von seiner „Pest Control“ verkauften Unikaten und authentifizierten Druckeditionen, mit Tantiemen, Büchern und einem Film. Neue Kunstwerke zu kaufen gibt es auf der Website übrigens derzeit nicht.
85.300 Pfund für keinen Banksy: Teure Entfernung des Kunstwerks sorgt für Aufsehen
Ein Kunstwerk von Banksy wurde für die Royal Courts of Justice zum kostspieligen Ärgernis. Dabei kommt ein weiteres Werk des Street-Artisten ins Museum.












