Ein Richter holt mit seinem Hammer aus. Unter ihm liegt ein Demonstrant auf dem Boden. Auf seinem Plakat ist kein Slogan zu lesen, nur ein roter Blutspritzer. Die Szene hatte Banksy per Schablone an die Fassade des Royal Courts of Justice in London angebracht. Ein Coup. Der Künstler verwandelt eine Insignie zivilisierter staatlicher Gewalt – das Hämmerchen, mit dem sich ein Richter Gehör verschafft, bevor er das Urteil verkündet – zurück in eine barbarische Waffe. Dass Judikative und Exekutive in der ehrwürdigen britischen Demokratie längst voneinander getrennt wurden, wird dabei schon an der recht unpraktischen Perücke sichtbar.

London

Banksy im Visier der Justiz: Streetart-Künstler könnte Enttarnung und Gefängnis drohen

Aber gut, es gibt ja Fälle, in denen die Errungenschaft der Gewaltenteilung verletzt wurde, die Mahnung mag gerechtfertigt sein. Das Entstehungsdatum (September 2025) deutet auf einen konkreten Anlass: Wenige Tage zuvor waren bei einer Demonstration gegen das Verbot der Organisation Palestine Action fast 900 Menschen festgenommen worden.

Das von Banksy verifizierte Bild wurde zunächst abgedeckt und anschließend von der Fassade entfernt. Begründet wurde dies mit dem Denkmalschutz, nun ist bekannt geworden, was die Entfernung gekostet hat: Laut einem Bericht der Zeitschrift Art Newspaper gab das britische Justizministerium insgesamt 85.300 Pfund (ca. 100.000 Euro) aus. 50.000 Pfund entfielen auf die Entfernung der Farbe mit Chemikalien, 35.300 Pfund auf Sicherheitsmaßnahmen und Überstunden.