Hitze in der Schweiz und in Deutschland: Welche Faktoren zu dem extremen Sommer beigetragen habenIm Zuge des Klimawandels steigt die Wahrscheinlichkeit neuer Temperaturrekorde. Auch der Regenmangel im Frühjahr hat diesen Hitzesommer begünstigt. Unklar ist, ob das Pazifikphänomen El Niño eine Rolle gespielt hat.13.08.2026, 13.56 Uhr4 LeseminutenDurch Trockenheit freigelegte Uferzone am Bodensee bei Wasserburg.Wolfgang Maria Weber / ImagoDieser Sommer geht wirklich in die Vollen. Seit Mai folgt in der Schweiz und Deutschland eine Hitzewelle auf die nächste. Reihenweise purzeln die Rekorde: 39,7 Grad in Basel ist der neue Rekord für die Alpennordseite in der Schweiz, 39,9 Grad lautet die neue Höchstmarke für Berlin, 41,8 Grad in Möckern-Drewitz, Sachsen, ist der neue Rekord für Deutschland.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Auch die Trockenheit nimmt historische Ausmasse an. Viele Gemeinden rufen zum Wassersparen auf, und die Flusspegel fallen und fallen: Frachtschiffe auf dem Rhein erreichen Basel derzeit nur noch mit stark verringerter Ladung.Dabei liegen die Schweiz und Deutschland nicht einmal im Zentrum der grössten Hitze und Trockenheit: Noch stärker ist Frankreich betroffen. Im Juni und Juli klettert das Thermometer dort immer wieder weit über 40 Grad. Nachts kühlt sich die Luft oft nicht unter 25 Grad ab, manchmal nicht einmal unter 30 Grad. Extreme Trockenheit bereitet den Boden für katastrophale Waldbrände bei Bordeaux und in anderen Gebieten.Wer nach Gründen für die enorme Hitze und Trockenheit dieses Sommers in weiten Teilen Europas sucht, erhält von Fachleuten typischerweise zwei sich ergänzende Antworten: Zum einen liegt es am Zufall des Wetters, dass anhaltend heisses Sommerwetter herrscht und der Regen ausbleibt. Zum anderen ist der Einfluss des Klimawandels unübersehbar. Ohne den Klimawandel wäre der Sommer zwar auch heiss und trocken, aber mit geringerer Intensität. Auch wären nicht reihenweise Rekorde gebrochen worden. Der Einfluss des Pazifikphänomens El Niño hingegen ist noch Gegenstand der Forschung.Hitzewellen werden heute drei bis vier Grad heisserIm weltweiten Durchschnitt ist die Lufttemperatur seit vorindustrieller Zeit um rund 1,4 Grad gestiegen, verursacht durch die Nutzung fossiler Brennstoffe, bei der Treibhausgase wie Kohlendioxid und Methan freigesetzt werden. Die Schweiz hat sich aber stärker erwärmt – um rund 3 Grad. Der Unterschied liegt daran, dass das Land weitab vom kühlenden Meer liegt, das anderswo einen Teil der Wärme aufnimmt.Wegen des Klimawandels können Hitzewellen in der Schweiz heute drei bis vier Grad wärmer werden, als dies im 18. oder 19. Jahrhundert zu erwarten gewesen wäre. Das heisst konkret: Wurde früher mehrere Tage hintereinander eine Höchsttemperatur von 32 Grad erreicht, sind es heute 35 oder 36 Grad. Der Sommer 2026 bietet für diese Entwicklung eine Menge Anschauungsmaterial.Von daher überrascht es nicht, dass zwei Forschergruppen den Einfluss des Klimawandels auf die Hitzewelle Ende Juni bereits klar nachgewiesen haben wollen. Es handelt sich zwar um vorläufige, noch nicht begutachtete Analysen, aber die Resultate sind plausibel.Der Verlauf dieses Sommers ist von grosser Gleichförmigkeit geprägt. Wieder und wieder bauen sich neue Hitzeglocken auf, die Frankreich und seinen Nachbarländern grosse Trockenheit und extrem hohe Temperaturen bringen. Die erste Hitzewelle kam schon im Mai, die zweite Ende Juni, dann gab es zwei im Juli und schliesslich noch eine im August. «Es waren typische Hitzewellen, aber ihre Häufung war ungewöhnlich», sagt Erich Fischer von der ETH Zürich.Laut Fischer hat die hohe Temperatur in oberen Luftschichten eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Hitzewellen gespielt. Dadurch konnten konnten keine Schauer oder Gewitter entstehen, selbst wenn sich die Luft am Boden stark erhitzt hat. Die Atmosphäre war zu stabil dafür.Speziell an dem Hitzesommer 2026 ist aber auch die Vorgeschichte. Schon das Frühjahr war in Mitteleuropa deutlich zu trocken. Je trockener die Erdoberfläche, desto weniger Energie der Sonnenstrahlung wird für die Verdunstung von Wasser benötigt und desto mehr Energie strömt in die Aufheizung der Luft. Schon in früheren Jahrhunderten ging einem heissen Sommer in Mitteleuropa oft ein zu trockenes Frühjahr voraus.Wie gross war der Einfluss von El Niño?Zuweilen wird jetzt auch über den möglichen Einfluss des Pazifikphänomens El Niño auf den europäischen Sommer spekuliert: In der Tat erwarten Fachleute in diesem Herbst eine starke Aufheizung des östlichen tropischen Pazifiks, und dieses Phänomen wird El Niño genannt. Es wird voraussichtlich Trockenheit in Indonesien und im Amazonasregenwald verursachen und auch darüber hinaus das Weltwetter durcheinanderbringen. Die neusten Prognosen deuten darauf hin, dass El Niño diesmal etliche Rekorde brechen könnte, die seit dem Beginn meteorologischer Messungen registriert worden sind.Laut Daniela Domeisen von der Universität Lausanne legen die Indizien nahe, dass der Einfluss von El Niño eher gering ist. Grundsätzlich sei seine Rolle für das europäische Sommerwetter noch Gegenstand der Forschung.El Niño beeinflusst aber auf jeden Fall die globale Mitteltemperatur. Sie steigt nach solch einem Ereignis immer ein wenig an. Die Durchschnittstemperatur im Jahr 2026 dürfte noch ungefähr das gleiche Niveau erreichen wie im bisherigen Rekordjahr 2024. Aber Fachleute rechnen fest damit, dass wir 2027 einen neuen Rekord der globalen Mitteltemperatur erreichen werden. Auf den langfristigen Trend des menschengemachten Klimawandels legt El Niño eben immer noch ein paar Zehntelgrad drauf.Wie aber der Sommer im Jahr 2027 in Europa ausfallen wird, steht noch in den Sternen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es erneut zu einer solch grossen Hitze wie in diesem Jahr kommt, ist zum Glück klein.Passend zum Artikel
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