Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) erinnerte beim Gedenken an die Opfer der Berliner Mauer an die Worte des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt: „Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört“ sagte er, als die Mauer im Jahr 1989 fiel. 37 Jahre später fragte Klöckner sich und die geladenen Gäste in der Kapelle der Versöhnung an der Bernauer Straße in Berlin, ob Ost und West tatsächlich zusammengewachsen seien.„Wir nehmen es kaum noch wahr, wenn wir von Niedersachsen nach Mecklenburg-Vorpommern fahren, von Thüringen nach Hessen, von Bayern nach Sachsen“, sagte sie laut vorab verbreitetem Redemanuskript zum Jahrestag des Mauerbaus vom 13. August 1961. Die frühere physische Grenze sei „fast unsichtbar“ – aber da. Die großen politischen Streitthemen wie Migration, Corona, der Umgang mit Russland würden zu „neuen, unsichtbaren Mauern“ zwischen den Menschen im Land. Obwohl die DDR gerade für junge Menschen in weitere Ferne rücke, werde das Land häufig in Ost und West geteilt.Klöckner fragte sehr offen: „Was haben wir falsch gemacht?“ Und sagte dann einen bemerkenswerten Satz, der bereits wie ein Teil der Antwort klang: „Im Westen begann die Demokratie mit dem Wirtschaftswunder. Im Osten mit Massenarbeitslosigkeit“. Klöckner versuchte mit diesem Erklärungsansatz auch, die Erfahrung der Ostdeutschen nach dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung zu würdigen. Für Westdeutsche habe sich mit dem Mauerfall nicht viel verändert, für Ostdeutsche „alles“. Wer das verstehen wolle, müsse „bereit sein, zuzuhören“.Noch immer gibt es große Unterschiede zwischen Ost und WestSie ging in ihrer Rede nicht auf die Unterschiede zwischen Ost und West ein, die bis heute fortbestehen – etwa die Unterschiede im Durchschnittslohn von rund 5800 Euro jährlich. Oder die Vermögensverteilung: Westdeutsche Haushalte besitzen laut Angaben des Statistischen Bundesamts durchschnittlich 359 800 Euro, ostdeutsche Haushalte nur 150 900. Zudem unterscheidet sich die Bevölkerungsstruktur. Der Osten des Landes ist durchschnittlich älter, mehr Regionen schrumpfen durch Wegzug junger Menschen weiterhin.Klöckner zog den Bogen dennoch in die Gegenwart. Sie sagte, die Ideen der Freiheit von 1989 seien heute wieder gefährdet, aber „nicht durch Stacheldraht, sondern durch Gleichgültigkeit und Desinteresse“. Auf einzelne politische Parteien wie die AfD oder das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW), die zum Teil versuchen, mit DDR-Nostalgie Wählerinnen und Wähler an sich zu binden, ging Klöckner nicht ein.Stattdessen sprach sie über die Idee der Freiheit, die „mit Leben und Vertrauen“ gefüllt werden müsse. Sie müsse verteidigt werden, auch gegen „Freiheitsfeinde“ im Inneren und im Äußeren. Jede Generation müsse die Entscheidung für die Freiheit neu treffen, sagte sie.
Julia Klöckner über Wiedervereinigung: "Was haben wir falsch gemacht?"
28 Jahre teilte die Berliner Mauer die Stadt in Ost und West. Doch in vielen Köpfen bestehe sie bis heute fort, sagte die Bundestagspräsidentin bei einer Gedenkveranstaltung.












