PfadnavigationHomeSportLeichtathletikYemisi Mabry„Wo bleibt die Empathie?“ – Deutsche Olympiasiegerin rechnet mit ARD-Duo abVon Moritz Leihkamm, Kilian GaffreyStand: 04:55 UhrLesedauer: 3 MinutenKugelstoßerin Yemisi Mabry holte EM-BronzeQuelle: Getty Images for European Athletics/Maja HitijYemisi Mabry attackiert nach ihrem EM-Bronze ARD-Moderator Claus Lufen und Experte Frank Busemann. Die Kugelstoßerin kritisiert die Interviewführung. Sie vermisse Fingerspitzengefühl und bescheinigt „keine journalistische Glanzleistung“.Die deutsche Kugelstoßerin Yemisi Mabry hat nach ihrem Gewinn der Bronzemedaille bei der Leichtathletik-EM in Birmingham mit ARD-Moderator Claus Lufen und Experte Frank Busemann abgerechnet. Auslöser war ein Interview, das Lufen mit der Olympiasiegerin nach deren Qualifikation geführt hatte.In dem Gespräch, von dem Mabry am späten Mittwochabend einen Ausschnitt bei Instagram veröffentlichte, sagte Lufen zu ihr: „Der Kollege Busemann hat herausgearbeitet, dass in diesem Jahr Frau Schilder aus den Niederlanden (Konkurrentin von Mabry, d. Red.) neunmal vorn war und Yemisi einmal bei den Bestleistungen mit dabei war. Was heißt das für das Finale heute Abend?“ Die Antwort hat Mabry herausgeschnitten, schrieb dazu: „Finale erreicht und statt Rückenwind gibt es erst mal eine Aufzählung deiner Niederlagen.“ In einer zweiten Story packte Mabry dann so richtig gegen die ARD-Reporter, die sie zudem direkt markierte, aus: „Du qualifizierst dich gerade für ein EM-Finale. Adrenalin. Erleichterung. Stolz. Nervosität. Alles gleichzeitig. Und wer sind die ersten Menschen, denen wir begegnen? Ihr. Die Journalisten. Und statt einem ‚Glückwunsch, du bist im Finale’ kommt so etwas? Wir sind Athleten. Keine Maschinen. In diesen Momenten sind wir emotional und vielleicht selbst noch dabei, das Erlebte zu verarbeiten. Und dann wird nicht Mut gemacht, sondern erst mal die Statistik unserer Niederlagen ausgepackt?“Dann richtete sie sich offensichtlich direkt an Busemann, der 1996 in Atlanta Olympiasilber im Zehnkampf gewann: „Und gerade von euch, die selbst einmal Athleten waren. Wie kann man sich da bewusst dafür entscheiden, einer Athletin unmittelbar vor ihrem Finale genau diese Statistiken vorzuhalten? Wo bleibt da das nötige Fingerspitzengefühl und die Empathie für den Menschen hinter der Leistung?“Mabry: „Das war keine journalistische Glanzleistung“Mabry weiter: „Ich gewinne später die erste Medaille für Deutschland und auch danach: negative, provokante Fragen. Ihr redet davon, dass Deutschlands Athleten die Leichtathletik wieder groß machen sollen. Dann fangt bitte bei euch selbst an, einen positiven Beitrag zu leisten. Wir liefern Leistung unter Druck. Wir stellen uns Kritik. Wir geben euch unsere Zeit, unsere Emotionen und unsere Geschichten. Dann erwarte ich von euch genauso Leistung, Respekt und Professionalität. Vielleicht solltet ihr euch nach solchen Interviews nicht nur fragen, warum wir nicht besser waren, sondern auch, ob ihr selbst gerade eure beste Leistung gebracht habt. Denn ganz ehrlich: Das war keine journalistische Glanzleistung.“„Bild“ erreichte Busemann während der TV-Übertragung der EM am Mittwoch. Er sagte auf Nachfrage: „Eigentlich wollte ich ihr den roten Teppich ausrollen, damit sie vollkommen befreit und ohne Druck stoßen kann und nicht, dass sie daran gemessen wird, dass sie Olympiasiegerin ist. Aber leider ist das wohl falsch bei ihr angekommen.“ Lufen sehe das wohl ähnlich.