AnalyseDiese vier Werte wachsen und profitieren von Europas AufschwungDie jüngsten Konjunkturdaten überraschten positiv. Und die Unternehmen haben ihren Gewinn im zweiten Quartal im Schnitt um mehr als 20% gesteigert, angeführt durch Energiekonzerne und Banken. Auch die Industrie profitiert von mehreren strukturellen Wachstumstrends.Iran, Ölpreis, war da was? Offenbar doch nicht: Die Wirtschaft der Eurozone ist im zweiten Quartal um 0,4% gewachsen, doppelt so viel wie von den Ökonomen im Durchschnitt vorhergesagt. «Die Ergebnisse haben selbst unsere optimistische Einschätzung übertroffen», sagt Harald Preissler, Kapitalmarktstratege bei der Fondsgesellschaft Bantleon. Ohne die volatile irische Wirtschaft ergibt das ein annualisiertes Wachstum von 1,2% und damit in etwa die derzeitige Potenzialrate von 1 bis 1,5%.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Resilienz der Eurozone sei zum einen darauf zurückzuführen, dass die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern deutlich abgenommen hat, sagt Preissler: Der Anteil von Kohle und Öl an der Stromerzeugung ist seit Anfang der 2000er-Jahre von 50 auf unter 30% gefallen. Zum anderen sorgt der KI-Investitionsboom weltweit für einen kräftigen Nachfrageschub, vor allem bei IT-Hardware und elektronischen Bauteilen – wovon auch Europa und dort insbesondere Deutschland profitiere.Auch die Ökonomen der UBS stellen in der Eurozone ein «resilientes Wachstum» fest, das den gestiegenen Energiepreisen trotzt. Sie erwarten weiterhin 0,8% Wachstum im laufenden Jahr und 1,2% im Jahr 2027. Die Prognose für Deutschland haben sie Anfang August angehoben auf 0,9% für das laufende Jahr (von 0,6%); für 2027 erwarten sie weiterhin 1,5% Wachstum.«Die Berichtssaison verläuft stärker als erwartet»Die Unternehmensberichte zum zweiten Jahresviertel stützen die These von der widerstandsfähigen europäischen Wirtschaft, die von mehreren Wachstumstrends profitiert. «Die Unternehmensgewinne in Europa sind im zweiten Quartal um 22% gestiegen und haben damit die Prognosen der Analysten übertroffen», kalkulieren die Investmentstrategen der Deutschen Bank. Der Umsatz legte im Schnitt um 10% zu und damit so stark wie seit dem letzten Quartal 2022 nicht mehr. Seinerzeit war der Wert jedoch erheblich durch die damalige Inflationsrate von 9% beeinflusst.«Die Berichtssaison verläuft stärker als erwartet und das ist eine der Gründe, warum die Börse sich deutlich besser entwickelt, als das allgemein prognostiziert worden war», sagt Christoph Bruns, Gründer der Fondsgesellschaft Loys.Die Hälfte des Wachstums geht auf die Energiekonzerne zurück. Aber sogar ohne die Krisenprofiteure aus der Öl- und Gasbranche wächst der Markt durchschnittlich um immerhin noch 12%.In der Schweiz verläuft die Berichtssaison zum zweiten Quartal ebenfalls erfreulich. Die Konjunkturerholung verleiht Frühzyklikern Rückenwind. Die Aktien einiger Industrieunternehmen gehören bis Anfang August zu den grössten Gewinnern am Schweizer Aktienmarkt.In Deutschland wiederum ist die Lage besser als die Stimmung, konstatieren DWS-CEO Stefan Hoops und Chefanlagestratege Vincenzo Vedda: «Frühindikatoren und Auftragseingänge deuten darauf hin, dass sich die konjunkturelle Lage weiter verbessern könnte.»Konjunkturfrühling treibt Dax auf RekordhochDie Störung der Schifffahrt auf dem Rhein infolge der Trockenheit «dürfte keinen dauerhaften Effekt haben und das Wachstum mit weniger als 0,1 Prozentpunkt belasten», schätzen die Ökonomen der UBS. Für relevanter halten sie das Risiko, dass stark steigende Gaspreise die Konjunktur bremsen könnten. Die deutschen Gasspeicher sind derzeit nur knapp zur Hälfte gefüllt. Die Situation sei schwer einzuschätzen, da sie weitgehend von der künftigen Entwicklung des Gaspreises abhänge. «Deutschland darf sich nicht auf LNG-Lieferungen verlassen, sondern muss Vorsorge treiben», mahnte der CEO des Energienetzbetreibers E.On, Leonhard Birnbaum, am Mittwoch. Gas werde in Deutschland vor allem zum Heizen gebraucht.Starke Konjunktur, wachsende Unternehmensgewinne: Das Dax-Rekordhoch von 26'573,50 Punkten vom Mittwoch (12.8.) sei weniger Ausdruck einer Übertreibung als vielmehr das Ergebnis eines soliden Gewinnpfads, attraktiver Bewertungen und der Chance auf einen geopolitischen Bonus, falls sich der Konflikt am Persischen Golf beruhige, sagt René Nicolodi, Leiter Aktien im Asset Management der Zürcher Kantonalbank (ZKB): «Für Anlegerinnen und Anleger bleibt der Dax damit eine interessante Ergänzung zum US-Markt.»Einige Titel aus den zuletzt starken Branchen Energie, Banken und Finanzdienstleistungen sowie Industrie haben noch Potenzial und sind einen Blick wert für Anleger, die auf ein Anhalten der konjunkturellen Erholung setzen wollen.Energieaktien: Die Kurserholung läuftBesonders stark wachsen Umsatz und Gewinn bei den Öl- und Gaskonzernen. Der Krieg in Iran hat gezeigt, wie knapp die Energiequellen weltweit sind. Der weiterhin ungelöste Konflikt hat den Ölpreis im Vergleich zum Vorkriegsniveau kräftig in die Höhe getrieben. Nach ihrem steilen Anstieg haben die Aktienkurse der Branche zwischen Ende März und Ende Juni deutlich konsolidiert, ablesbar am Rückgang von fast 20% beim Sektorindex MSCI Europe Energy. Seit Anfang Juli sind die Kurse jedoch bereits wieder kräftig gestiegen, wie es bereits Mitte Juni von The Market erwartet worden war.Weiterhin hält The Market Energiekonzerne mit starkem freiem Cashflow für attraktiv. Dazu zählt das Unternehmen TotalEnergies, das mit Öl, Gas und Strom breit aufgestellt ist.Der Tanker «Pacific Success» von TotalEnergies Anfang Juli am Flüssiggas-Terminal in Ensenada, Mexiko.ZVGDas Ergebnis im zweiten Quartal wurde belastet durch einen Verlust im Erdgashandel, wo der französische Konzern auf steigende Preise gesetzt hatte. Seit Quartalsende ist der Gaspreis jedoch deutlich gestiegen, sodass im Handelsergebnis für das dritte Quartal eine kräftige Erholung abzulesen sein dürfte, erwarten Berenberg-Aktienanalyst Henry Tarr und sein Team. Die Aktien bieten eine Ausschüttungsrendite von rund 8% aus Dividende und Rückkäufen, was der von Tarr geschätzten Free-Cashflow-Rendite zum Börsenwert bei einem Ölpreis von 75 $ pro Fass entspricht.Banken und Finanzdienstleister: Konjunktursensibler SektorDie Aktien von Kreditinstituten reagieren empfindlich auf Veränderungen in den Konjunkturerwartungen. Die Banken steigerten ihre Erträge im zweiten Quartal denn auch am zweitstärksten, nach den Energiekonzernen.«Aktien- und Anleihehandel sowie Vermögensverwaltung haben sich stark entwickelt und das geht auch so weiter», sagt Loys-Fondsmanager Bruns, der bereits seit Jahresanfang stark auf europäische Banken setzt.Der deutsche Marktführer Deutsche Bank hat seinen Aktienkurs in den vergangenen drei Jahren bereits mehr als verdreifacht. Im laufenden Jahr tritt der Kurs jedoch auf der Stelle, nach einem herben Rücksetzer um mehr als 25% bis Ende März auf weniger als 25 €.Die Deutsche-Bank-Tochter DWS dagegen hat seit Jahresbeginn nochmals um 30% zugelegt. Sie war zum Ende des zweiten Quartals die grösste Position im Deutschlandfonds von Jens Ehrhardt. «Die Ertragslage der DWS ist gut und dürfte sich weiter positiv entwickeln», sagt der Gründer von DJE Kapital. Das MDax-Mitglied sei stark im Geschäft mit ETF, und auch die aktiv geführten Fonds hätten vielfach eine gute Performance gezeigt. Die Einführung einer staatlich geförderten Kapitalmarktrente dürfte die Nachfrage nach DWS-Fonds und ETF auf dem Heimatmarkt anheizen. The Market hat die Titel der Fondsgesellschaft erstmals im November 2024 empfohlen bei weniger als 40 € und hält sie weiterhin für attraktiv.Industrie wächst mit Rüstung, Digitalem und ElektrifizierungAuch in der Industrie setzte sich der Aufwärtstrend laut Bantleon-Chefvolkswirt Daniel Hartmann zuletzt fort. Ablesen lässt sich das am Einkaufsmanager-Index, der mit 55,6 Punkten (nach 53,3) ein neues Vierjahreshoch erklomm. Die Produktionskomponente sprang auf 58,5 Punkte. Auch viele Frühindikatoren wie der Ifo-Index signalisierten, dass die Nachfrage nach deutschen Industriegütern weiter steige, sagt Hartmann.In Deutschland verbuchten ausserdem die Auftragseingänge zum wiederholten Male ein deutliches Plus. Im Juni legten sie um 3,1% im Vergleich zu Mai zu (Konsensschätzung: 0,5%). «Somit liegen die Auftragseingänge rund 6% über dem Vorjahresniveau, und das nicht nur aufgrund einzelner Grossaufträge, während die Industrieproduktion noch auf Vorjahresniveau verharrt», sagen die DWS-Manager Hoops und Vedda. Damit entstehe ein zunehmend komfortabler Auftragsbestand, der sich erst mit zeitlicher Verzögerung in höheren Produktionszahlen niederschlagen werde. «Anders formuliert: Das Beste kommt noch.»Quellen: Haver Analytics, DWS; Stand: Juni 2026Der Aufschwung erfasst jedoch nicht die gesamte Industrie. «Viele Teile des produzierenden Gewerbes leiden seit nunmehr fast sieben Jahren unter hohen Energiepreisen und dem immer härteren Wettbewerb aus China», sagt Goldman-Sachs-Ökonom Niklas Garnadt. Neue Wachstumschancen sieht er dagegen bei Rüstung, Digitalisierung und Elektrifizierung.Die deutschen Rüstungsausgaben stiegen rasch, was die herkömmlichen Rüstungshersteller unterstütze, aber auch ein wachsendes Ökosystem für Rüstung und Technologie, sagt Garnadt. Die drei europäischen Rüstungs-Startups mit dem grössten Finanzierungsvolumen von Venture-Capital-Investoren befänden sich alle in Deutschland: Es sind die Drohnenhersteller Helsing (3,4 Mrd. $ Finanzierungsvolumen), Quantum Systems (1,8 Mrd. $) und Stark (0,6 Mrd. $).Auch an der Börse hat The Market kleinere Rüstungsunternehmen identifiziert, die von starken Wachstumstrends profitieren. Dazu gehört der Elektronikspezialist Hensoldt.Einen weiteren, strukturellen Wachstumstreiber sieht Garnadt in der Elektrifizierung der Wirtschaft und dem Ausbau der Stromnetze: «Umsatz und Auftragseingang haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen, und der grosse Auftragsbestand zeigt die kräftige Nachfrage.»Ein weiterer Wachstumstrend ist der Bau von Rechenzentren in Europa, und hier besonders in Deutschland. Bis 2030 werde die Kapazität der Data-Center in Deutschland um 60% steigen, schätzt der Branchenverband Bitkom. «Die bereits geplanten Projekte sollten Deutschlands führende Position als Standort von Rechenzentren stärken», erwartet Garnadt.Von beiden Wachstumstrends profitiert Siemens Energy. Der Dax-Konzern liefert Transformatoren für Stromnetze und Gasturbinen, die zur Stromversorgung von Rechenzentren genutzt werden. Das Unternehmen steht im Zentrum eines historischen Investitionsbooms und hat aus Sicht von The Market weiter Potenzial. Bei der Präsentation des Finanzberichts zum zweiten Quartal liess CEO Christian Bruch kein Abschwächen der Dynamik erkennen, im Gegenteil: «Wir investieren wie irre, um weiter zu wachsen», sagte er.
Energie, Banken, Industrie: Die Gewinne sprudeln und treiben Europas Börsen an
Die jüngsten Konjunkturdaten überraschten positiv. Und die Unternehmen haben ihren Gewinn im zweiten Quartal im Schnitt um mehr als 20% gesteigert, angeführt durch Energiekonzerne und Banken. Auch die Industrie profitiert von mehreren strukturellen Wachstumstrends.








