Nathan Dawidowicz und Shay Dashevsky haben seit dem 7. Oktober viele Freunde verloren. Auch Studien belegen, wie das jüdische Menschen psychisch belastet.

S eit dem 7. Oktober 2023 haben Shay Dashevsky und Nathan Dawidowicz viele Freunde verloren. Nicht wegen eines Streits. Nicht, weil jemand weggezogen wäre, sondern weil nichts passierte. Weil Freunde, die weiterhin in der Nähe wohnten, nicht nachfragten, wie es ihnen geht. Dawidowicz und Dashevsky wohnen beide in Berlin, kennen sich aber nicht persönlich. Was sie verbindet, ist ausgerechnet das, was sie als jüdische Menschen nach dem 7. Oktober nicht erfahren haben: Unterstützung.

Unterstützung in Momenten, die sich in den vergangenen drei Jahren in ihren Alltag eingeschrieben haben und von denen sie nun erzählen: Nathan Dawidowicz spaziert durch seinen Wohnbezirk Neukölln, unterhält sich auf Hebräisch mit einem Freund und wird auf offener Straße angespuckt.

Shay Dashevsky erhält online Gewaltaufrufe gegen sich, weil er Infostände und Dialogformate zum Nahostkonflikt anbietet. Unbekannte kontaktieren seinen Arbeitgeber und fordern, ihn zu entlassen. E-Mails und Screenshots dieser Gewalt- und Entlassungsaufrufe liegen der taz vor.

Jü­din­nen*­Ju­den in ganz Deutschland berichten Geschichten wie Dawidowicz und Dashevsky. Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) dokumentierte 2025 insgesamt 2.197 antisemitische Vorfälle, deutlich mehr als vor dem 7. Oktober 2023. Nicht jede Erfahrung ist ein drastischer Vorfall, der Narben hinterlässt. Oft sind es Zurückweisungen im Alltag, hinkende oder kollektive Vergleiche, manchmal auch körperliche Angriffe, die am eigenen Sicherheitsgefühl nagen. „Die Erfahrungen haben in mir ein tiefes Gefühl der Verzweiflung und Einsamkeit ausgelöst. Damals hatte ich das Gefühl, dass letztendlich nur Juden für Juden da sein würden“, sagt Dawidowicz.