Nach wenigen Hundert Metern über das Gleisbett taucht auf, was ein Sprichwort so vollmundig verspricht: Licht am Ende des Tunnels. In Form von Leuchtbändern, die sich über den Bahnsteig des U-Bahnhofs Poccistraße spannen – und diesen hell erleuchten und die so markanten, mit gelben Steinen besetzten Säulen erstrahlen lassen. Neben einigen dieser Pfeiler aber haben Bauarbeiter massive Stahlstreben gesetzt. Stützen, die davon zeugen, dass der Bahnhof in die Jahre gekommen ist. Und sein Gesicht verändern wird.Seit Mai dieses Jahres werden die unterirdischen U-Bahnhöfe Goetheplatz und Poccistraße generalsaniert – und an der Oberfläche sind Auswirkungen dieser mehr als 60 Millionen Euro teuren Instandsetzung, die sich noch bis in den Herbst 2027 ziehen wird, deutlich zu spüren. Denn zwischen der Implerstraße und dem Sendlinger Tor fahren seitdem keine U-Bahnen, Pendlerinnen und Pendler quälen sich durch diesen Abschnitt in Bussen mit dem Schienenersatzverkehr (SEV).Was aber unter der Erde passiert, bleibt denjenigen, die in überfüllten Bussen über die Lindwurmstraße fahren, verborgen. Ebenso denjenigen, die mit dem Fahrrad auf einem Teilabschnitt wieder auf den alten Radweg ausweichen müssen, weil eben für die Busse eine eigene Spur eingerichtet worden ist, um den öffentlichen Nahverkehr zu beschleunigen.Auch deshalb hat die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) zu einer Baustellenbesichtigung geladen. Einer Führung durch eines der wichtigsten Infrastrukturvorhaben in der Münchner Innenstadt, mit dem Gebäude auf einen zeitgemäßen Stand der Technik gebracht werden sollen, die teilweise noch aus den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts stammen. Am Bahnhof Goetheplatz etwa wurde bereits 1938 gearbeitet; über den Zustand eines Rohbaus aber kamen die Arbeiten damals kriegsbedingt nicht hinaus – eröffnet wurde er schließlich im Rahmen des Baus der Münchner U-Bahn im Jahr 1971. Rechtzeitig vor den Olympischen Sommerspielen in der bayerischen Landeshauptstadt ein Jahr später.Auf dem Weg hinab in das Zwischengeschoss des Bahnhofs Goetheplatz an diesem Mittwochmittag sagt Projektleiter Philip Schmidt, die Substanz des Bahnhofs sei schlichtweg in die Jahre gekommen und müsse dringend generalsaniert werden. „Der hat 80 bis 85 Jahre auf dem Buckel.“ Worum es bei der Auffrischung aber nicht gehe, sei eine „ästhetische Aufwertung“ der beiden Bahnhöfe. „Es gibt vor allem zwei Gründe für diese Maßnahme: die Erneuerung des Brandschutzes und den Aspekt Dauerhaftigkeit“, so Schmidt, der die Ertüchtigung des Bahnhofs Goetheplatz verantwortet. „Wir bauen hier für die nächsten 50 Jahre.“Kein Mangel an Dreck: Die Arbeiten wirbeln viel Staub auf. Foto: Johannes SimonIm Zwischengeschoss selbst zeugen noch Lüftungsrohre und Kisten mit Baumaterialien von den Arbeiten der vergangenen Monate. Es ist staubig in der Etage, die ihr Erscheinungsbild aber nicht verändert hat; es seien nur brandschutztechnische Erneuerungen vorgenommen worden, so Schmidt. Der Charme der Siebzigerjahre also wird bleiben.Im Bahnhof selbst aber haben die Bauarbeiter massiv eingegriffen, das Gebäude mit seinen zwei Gleisen wurde nahezu komplett entkernt. Stahlbewehrungen, die Risse aufzeigten und nicht mehr tragfähig gewesen seien, hätten ersetzt werden müssen. Unter „schwerem körperlichem Einsatz“, wie Schmidt sagt, hätten sie anschließend tonnenweise Spritzbeton auf die Wände und an der Decke angebracht. „Das war eine Arbeit wie in der Dampfsauna. Vier Wochen lang. Bei dieser Arbeit fallen auch immer wieder Betonreste von der Decke.“ Die müssten dann mit Schaufeln weggebracht werden. „Grobschlächtige Arbeiten“ nennt der Projektleiter das, was die Bauarbeiter unter der Lindwurmstraße geleistet hätten.Hannes Venneklaas verantwortet die Statik und den Brandschutz am U-Bahnhof Poccistraße . Foto: Johannes SimonZurückbleiben aber soll ein Bahnhof, der künftig mit filigraner Eleganz glänzen soll – die auch ein wenig der angeschlagenen Haushaltslage der Landeshauptstadt geschuldet ist. Denn anstatt die Wände im Bahnhof Goetheplatz wieder kunstvoll zu verkleiden, fällt der Blick künftig auf Beton. Übermalt mit Farbe, die den Namen „Seidengrau“ trägt. Auf den Wänden selbst wird lediglich in Schwarz gehalten der Name der Station aufgemalt: Goetheplatz. „Der Instandsetzungsaufwand soll auch so gering wie möglich gehalten werden.“Durch das Halbdunkel führen Schmidt und sein Kollege Hannes Venneklaas, der zuständig für den Brandschutz und die Statik des Bahnhofs Poccistraße ist, schließlich durch den Tunnel Richtung Süden. Etwa ein halber Kilometer liegt zwischen dem Goetheplatz und dem U-Bahnhof Poccistraße. Am Tunnel selbst sowie an den Gleisen und dem Gleisbett hätten keine Arbeiten stattgefunden, sagt Venneklaas. „Die Infrastruktur ist noch in Ordnung.“Und genau auf dieser Infrastruktur sollen rechtzeitig zu Beginn der Wiesn wieder U-Bahnen fahren. Dann endet die erste von drei Bauphasen, und die U3 und U6 werden während des Oktoberfests auch wieder die Bahnhöfe Poccistraße und Goetheplatz anfahren, um das erhöhte Verkehrsaufkommen bewältigen zu können. Nach der Wiesn wird dann erneut der Schienenersatzverkehr aufgenommen.Etwa ein halber Kilometer liegt zwischen dem Goetheplatz und dem U-Bahnhof Poccistraße. An den Gleisen selber wurde nicht gearbeitet. Foto: Johannes SimonDann beginnt die zweite Bauphase, die bis Ende November dauern wird. In diesem Zeitraum muss nur ein Gleis im Abschnitt zwischen Sendlinger Tor und Implerstraße belegt werden. Die U6 kann dann etwas weiter fahren und wird nur zwischen Goetheplatz und Implerstraße unterbrochen.Am U-Bahnhof Poccistraße angekommen, erläutert Projektleiter Venneklaas dessen Eigenheiten. Eine besondere Schönheit sei der Bahnhof nicht, vielmehr eng und gedrungen, sagt er. Und ebenfalls in die Jahre gekommen. „Deshalb beobachten wir auch kontinuierlich die Statik des Bahnhofs“, so Venneklaas. Nach und nach ziehen Bauarbeiter immer mehr Stahlstreben zwischen den Säulenreihen auf dem Bahnsteig ein, um das Gebäude zu stabilisieren. Zudem wurden Schadstoffe wie Asbest abgetragen und entfernt.Und Licht am Ende des Tunnels ist auch zu sehen: Nach einer Baupause im Anschluss an die zweite Bauphase beginnt am 12. April 2027 der letzte Bauabschnitt.
Goetheplatz und Poccistraße: So läuft die Sanierung der U-Bahnhöfe
Bis Herbst 2027 werden die U-Bahnhöfe Goetheplatz und Poccistraße generalsaniert. Ein Rundgang zeigt, was unter der Lindwurmstraße erneuert wird.











