Herr Gandhi, der Strom in Deutschland wurde im vergangenen Jahr im Mittel zu 46 Prozent aus Wind und Sonne erzeugt. Der Anteil an Solarstrom lag im Schnitt bei 19 Prozent. Wird unser Stromnetz am Mittwoch überlastet, wenn im Zuge der Sonnenfinsternis kein Sonnenlicht zur Erde dringt? Könnte im schlimmsten Fall in Deutschland ein Blackout drohen?Der Anteil an Solarstrom beträgt mittlerweile im Mittel sogar 20 Prozent. Wir haben hierzulande aber auch schon Tage erlebt, an denen die solare Einspeisung größer war als die öffentliche Stromnachfrage. Das heißt, der per Photovoltaik erzeugte Strom hat von der Energiebilanz her die gesamte Nachfrage gedeckt. Solarstrom prägt damit auch das Stromnetz. Aber es wird bei dieser Sonnenfinsternis sicher zu keinem Blackout kommen.Warum nicht? Am Mittwoch wird die Sonnenscheibe über Deutschland doch zu bis zu 90 Prozent (etwa in Freiburg) bedeckt sein.Das Besondere an einer Sonnenfinsternis ist, dass das Eintreten des Ereignisses sowie dessen Dauer im Vorfeld astronomisch exakt vorhergesagt werden können. Für das Stromsystem sind unerwartete Ereignisse kritisch, da sie nicht planbar sind.Leonhard Gandhi ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Energy Systems and Energy Economics am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg und verantwortlich für energy-charts.info.ISEDie Netzbetreiber können sich also auf dieses Ereignis vorbereiten?Genau. Das können sie auch tun, weil eine Sonnenfinsternis – wie schon gesagt – genau prognostiziert werden kann. Es gab eine große Sonnenfinsternis im März 2015. Die Netzbetreiber hatten sich intensiv auf das Ereignis vorbereitet und sogar die doppelte Menge an Regelenergie vorgehalten, die man im Bedarfsfall sofort in das Netz eingespeist hätte, um es stabil zu halten. Es hat sich aber gezeigt, dass das alles nicht notwendig war, weil die Vorhersagen so exakt waren, dass es keinerlei Auswirkungen auf den Betrieb der Stromsysteme gab. Wir hatten das damals in einer Studie untersucht.Sie machen dieses Mal keine Studie.Nein, dieses Mal nicht. Weil der Effekt absehbar sehr gering sein wird. Anders als 2015 fällt die diesjährige Sonnenfinsternis in Deutschland mit dem Sonnenuntergang zusammen.Aber es müssen doch schon schnell regelbare Stromsysteme dazugeschaltet werden, wenn die Photovoltaik schwächelt. Im Jahr 2015 hatten wir schließlich noch mehr fossile Energieträger als heute am Netz. Hinzu kamen zahlreiche Kernkraftwerke.Sicher, die Rampensteilheit – also die schnelle Abnahme und Zunahme von eingespeistem Solarstrom – ist bei einer Sonnenfinsternis natürlich besonders hoch. Die ist bei der Photovoltaik schon im Normalbetrieb hoch, also morgens, wenn die Einspeisung in das Netz beginnt, und abends, wenn der Beitrag an Solaranlagen schrittweise abnimmt. Bei einer Sonnenfinsternis müssen natürlich im gleichen Maß Kraftwerke hoch- und runtergefahren werden. Das wird aber einen Tag zuvor bei Kraftwerks-Einsatzplanungen mitberücksichtigt. Das ist für die Stromsysteme keine besondere Herausforderung. Herausfordernd ist eher der plötzliche Ausfall großer Kraftwerke oder zentraler Stromleitungen. Da müssen die Netzbetreiber schnell reagieren.Welche Kraftwerke können schnell hinzugeschaltet werden, wenn es Schwankungen im Stromnetz gibt?Das sind vor allem Pumpspeicherkraftwerke, Batteriespeicher und Gaskraftwerke. Die können kurzfristig die Stromerzeugung übernehmen. Das macht man übrigens regelmäßig in den Abendstunden, wenn der Anteil an Solarstrom sinkt.Würde die aktuell verfügbare Speicherleistung allein ausreichen, um die Erzeugungslücke auszugleichen?Wir haben derzeit etwa zehn Gigawatt Leistung an Pumpspeichern und etwa 20 Gigawatt an Batteriespeichern. Das würde allein nicht ausreichen, wenn wir am 12. August mittags bei unbewölktem Himmel eine totale Sonnenfinsternis hätten. Dann sind wir heute auch auf andere Kraftwerke angewiesen. Mittel- und langfristig werden wir aber so viele Batteriespeicher haben, dass wir auch ohne Gaskraftwerke keine Angst vor einer Sonnenfinsternis haben müssen. Batteriespeicher benötigen wir ohnehin, um die Photovoltaik-Spitzen für die Abend- und Morgenstunden speichern zu können. Eine Sonnenfinsternis selbst von zwei Stunden könnten wir dann komplett mit Pumpspeichern und Batteriespeichern abfedern.Und können Sie schon sagen, welchen Einfluss die Sonnenfinsternis in Spanien auf die dortigen Stromnetze haben wird? Dort wird es ja eine totale Bedeckung geben.Spanien wird tatsächlich am stärksten von der Sonnenfinsternis am 12. August betroffen sein. Dort wird es eine totale Finsternis geben, die auch noch früher als in Deutschland stattfindet. Ich rechne aber nur mit geringen Auswirkungen auf das spanische Stromnetz. Allerdings kann man wahrscheinlich in den Daten der Einspeisungen in Spanien einen Effekt der Sonnenfinsternis erkennen. In Deutschland dürfte dieser Effekt so gering sein, dass ich kaum glaube, dass sich die Bedeckung in den Daten eindeutig erkennen lässt.