Er ist elegant, schützt vor Falten im Gesicht, Hitzschlag am Kopf und dient als wunderbares conversation piece: Der klassische Strohhut mit breiter Krempe ist das Sommer-Accessoire, das zu Unrecht fast vergessen ist und auch abseits von Strand und Pool eigentlich in jede Damengarderobe gehört. Nichts gegen Baseballkappen oder gar Wüstenhüte aus dem Trekkingladen mit aufrollbarem Nackenschutz. Aber diese Athleisure-Kappen aus Stoff stehen für permanente Aktivität und Selbstoptimierung – und wirken eher als aufgestülptes Extra denn als schöner Rahmen für ein Gesicht.Egal, ob man das besitzt, was unsere Großmütter als „Hutgesicht“ bezeichneten, oder nicht: Der große Sommerhut aus geflochtenen Pflanzenfasern – sei es Weizenstroh, Raffia, Sisal, Parasisal, Manilahanf oder Toquilla – annonciert zumindest visuell Müßiggang und Langsamkeit, auch wenn man bei 30 Grad auf dem Weg in den Job ist. Ein solcher Sommerhut ist nie bloß vernünftig; er gibt vielmehr ein Versprechen. Auf längere Mittagessen, einen unerwarteten Flirt und die Möglichkeit, auf dem Weg zum Kindergarten so auszusehen, als sei man anschließend selbstverständlich noch auf einer Segelyacht eingeladen.Auf der Suche nach einem Strohhut kann man ein altes Hochzeitsmodell im Schrank der Mutter finden, in Vintageläden oder einem Hutsalon Schmuckstücke entdecken. Aber eine Wahrheit gilt für alle: Die interessantesten Sommerhüte haben eine besondere Geschichte. Und sie kommen zudem nicht von den lautesten Marken.So gehört beim italienischen Edellabel Loro Piana der Strohhut im Sommer inzwischen ebenso zum Lebensgefühl wie Kaschmir im Winter. Hedi Slimane machte bei Céline bis zu seinem Abgang im Jahr 2024 minimalistische Strohhüte mit schmalem, schwarzem Ripsband fast zur Sommeruniform der Marke und krönte seine Looks mit breitkrempigen Modellen. Panamas, Boaters und Buckets kamen hinzu. Ebenfalls bei The Row, dem Luxuslabel von Mary-Kate und Ashley Olsen, erschienen in den vergangenen Jahren klassisch-zurückhaltende Hüte in Cremefarben und Schwarz aus Raffia und feinem Stroh mit mittelgroßen Krempen als elegante Sommerlooks.Was der Panamahut mit Panama zu tun hatEin guter Strohhut ist, selbst wenn er groß daherkommt, nie kreischend-laut. Bestes Beispiel dafür bleibt der französische Klassiker: der breite Panamahut mit schwarzem Band des Pariser Traditions-Hutmachers Maison Michel, das 1997 von Chanel gekauft wurde. In den Ateliers des 1936 gegründeten Handwerksbetriebs wird heute eine besondere Technik des verarbeiteten Strohgewebes kultiviert, bei der Strohbänder spiralförmig vernäht werden. Kreativdirektorin Priscilla Royer führte zudem faltbare Strohhüte ein und entwirft, der DNA des Hauses entsprechend, weiter Fedoras, Canotierhüte und Modelle mit weicher großer Krempe.