Wenn Bordeaux glüht, kann es auch dem Bordeaux nicht gut gehen. Das Bordelais leidet unter Hitze, Rauch und Dürre. Doch das größte und berühmteste Anbaugebiet der Welt ist schon seit Jahren tief in der Krise. In diesem Jahr sorgt der Wüstensommer für noch größere Sorgenfalten bei den Winzern, auch wenn glücklicherweise kein Weinberg in Flammen steht. Mit dem Schlimmsten rechnen die Winzer auch im Burgund und in der Champagne. Wegen extremer Hitze und Dürre drohen die Trauben nicht vollständig auszureifen. Sicher ist: Die Lese wird in diesem Jahr deutlich früher als üblich beginnen. Die Ernte wird schrumpfen, die Qualität überschaubar sein. Und nicht nur die Winzer fragen sich, ob der Weinbau in Frankreich überleben kann, wenn der Rotwein irgendwann nach Sherry schmeckt?In den anderen Weinbaugebieten Europas ist der Kummer nicht kleiner. Auch in Italien und Spanien ächzen die Winzer unter großer Hitze und Trockenheit, auf Sizilien hat die Lese bereits begonnen. Angespannt ist die Lage auch in den heimischen Weinbaugebieten. In Südbaden, wo die Dürre in diesem Jahr extrem ist, drohen ganze Weinberge zu vertrocknen, vor allem die jungen. Die Haupttätigkeit vieler Winzer besteht derzeit darin, zu wässern – und zu retten, was zu retten ist.Der Klimawandel setzt die Winzer schwer unter Druck. Eines der größten Probleme ist die verfrühte Traubenreife. Die Trauben lagern dadurch schneller Zucker ein und verlieren gleichzeitig an Säure. Zudem kann der Alkoholgehalt steigen, am Ende leidet womöglich das Geschmacksprofil. Denn Süße überlagert jene Aromen, die einen Wein erst besonders machen, vor allem die Weißweine.Sonnenschirme für Weinreben?Wissenschaftler arbeiten an Strategien, um die Traubenreife zu verzögern. Amerikanische Önologen und Ökonomen haben kürzlich im American Journal of Enology and Viticulture Schattenplanen ins Spiel gebracht, um die Reben vor der Sonne zu schützen und damit den Reifungsprozess zu verlangsamen. Zudem rechneten sie durch, ob sich das Verlagern des Anbaus in kühlere Gebiete lohnt sowie das Pflanzen von hitzebeständigeren Rebsorten. Das Ergebnis variiert je nach Heftigkeit, mit der der Klimawandel zuschlägt. Bei moderatem Verlauf würden sich Schattenplanen lohnen, in einem extremen Szenario sogar der Austausch ganzer Rebanlagen durch hitzetolerante Sorten.Die Wahl der richtigen Rebsorte gelte es gut zu überdenken, schreibt auch Carlo Andreotti von der Freien Universität Bozen in einer Studie im Australian Journal of Grape and Wine Research. Chardonnay zum Beispiel, eine der am meisten angebauten Rebsorten Südtirols, reagierte deutlich weniger empfindlich auf Trockenheit als Sauvignon Blanc, der zweite große Weißwein Südtirols. Außerdem war Wassermangel unmittelbar nach der Blüte im frühen Entwicklungsstadium der Beeren schwerwiegender als in einer späten Reifephase. Um die Traubenreife zu verzögern, empfiehlt er zudem ein Antitranspirationsmittel auf Basis von Pinolen, einem natürlichen Wirkstoff aus Kiefernharz, das Winzer auf die Blätter aufbringen. Es reduziert vorübergehend die Fotosyntheseleistung und verzögert die Reifung um zehn Tage. Nachteil: Bei Regen wird das Mittel schnell abgewaschen. Die Fotosyntheseleistung mindern lässt sich aber auch einfacher: Dazu schneiden die Winzer mehr Blätter von den Reben ab und verändern das Blatt-Frucht-Verhältnis derart, dass der Reifeprozess verlangsamt wird.Noch bessere Ergebnisse liefern Reben, die unter einem Photovoltaikdach stehen: Agri-Photovoltaik verzögert die Fotosyntheseleistung, schützt vor Hitze, Starkregen, Hagel, Sturm und Spätfrost und liefert nicht nur Strom. Denn weil die Panel-Dächer Wasser in Zisternen leiten und speichern, können sie an dürren Tagen auch Wasser liefern.
Wein im Klimawandel: Kann Photovoltaik die Reben retten?
Zu viel Sonne, zu wenig Regen: Im Klimawandel leiden die Trauben, und der Wein wird unangenehm süß. Forscher testen, wie man die Reben vor Sonne und Dürre schützt.











