Eine Botschaft muss nicht endlos lang sein. „Synthie-Pop. Fertig!“, ruft der Sänger, Bassist und Keyboarder Andy McCluskey in das komplett ausgelastete Hanauer Amphitheater – und schnurstracks geht es los mit dem Showspektakel. Zu hören ist ein Best-Of-Repertoire aus rund zwei Dutzend Songs mit Material von den späten Siebzigern bis in die Gegenwart.Rein stilistisch hätten die 1978 gegründeten Orchestral Manoeuvres In The Dark ideal in das Line-Up von „Die 80er Live“ am Wochenende im Frankfurter Waldstadion gepasst. Nun schauen die Briten im Rhein-Main-Gebiet eben ein paar Tage später vorbei. Mit diesem ganz speziellen, im Laufe der Jahre kaum variierten Konzept: unerbittlich unterhaltsam, auffallend fröhlich, dazu extrem tanzbar. Nicht zu vergessen ihre millimetergenau präzise Gratwanderung zwischen Nostalgie und Futurismus.Dass McCluskey und Keyboarder Paul Humphreys mal getrennte Wege gingen und zwischen 1996 und 2006 gar pausierten, fällt heutzutage kaum noch ins Gewicht. Bei zwei Stunden Musik im satten Lichtgewitter mit animierten Videoclips aus schrillen bis skurrilen Bildern im Hintergrund der Bühne lässt es sich so schön in der eigenen Jugendzeit schwelgen. Als das Leben noch unbeschwert war, die erste Liebe und der erste Sex aufflammten und der unerschütterliche Glaube noch vorhanden war, es stünden einem in dieser Welt alle Wege offen. Mit Orchestral Manoeuvres In The Dark kann die Besucherschar eintauchen in diese längst vergangenen Zeiten und Gefühle.Vier ganz in einheitliches Schwarz gekleidete Akteure, komplettiert durch den Keyboarder und Saxophonisten Martin Cooper sowie den Schlagzeuger Stuart Kershaw, zünden wie in einem Fantasy-Roman mit magischer Zauberhand. Schon zum Einstieg mit „Isotype“ gestikuliert McCluskey heftig mit den Armen. Es ist Teil seiner ureigenen Choreographie, die sich im weiteren Verlauf des Abends noch intensivieren wird. Ein wunderbar lebendiger Kontrast zu den drei statisch hinter ihren Instrumenten agierenden Herren, sieht man von den wenigen Songs wie „Souvenir“ ab, die Humphreys singt.„Elektronische Musik ist unsere Sprache“, sagt McCluskey gern in Interviews: „Auf diese Weise machen wir uns verständlich.“ Beim Durchstarten zur Jahreswende 1979/80 galt das Klangkonzept von OMD als wunderbar neu. Maßgebliche künstlerische Impulse hatten sie von Kraftwerk, Brian Eno und David Bowie empfangen. Rasch wurde der OMD-Sound von einer wachsenden internationalen Fangemeinde geliebt. Jede Scheibe, ob Single oder Album, erhielt in der Glanzzeit der Band Edelmetall. Kein Wunder, bestand die typische Songformel doch aus ebenso Harmonischem wie Hymnischem. In den Diskotheken hopste und zuckte die Popper- und New-Romantic-Jugend im OMD-Elektrorhythmus.Im Amphitheater wird das alles wieder lebendig, strukturiert durch McCluskeys strikte Gesten zu „Locomotion“, „Tesla Girls“ und „If You Leave“. Da sprühen noch immer die Funken. Orchestral Manoeuvres In The Dark scheuten sich nie, Etabliertes und Bekanntes in ihre Musik zu integrieren, vom verträumten Dreivierteltakt samt Trommelwirbel in „Maid Of Orleans“ bis zum strammen Boogie-Rhythmus in „Sailing On The Seven Seas“. Ausdrucksstarke visuelle Impressionen gibt es zur Ballade „Veruschka“, einer Hommage an die deutsche Schauspielerin, Malerin, Fotografin und Fotomodellikone Veruschka von Lehndorff. Mit hohem Energielevel faszinieren die vier Musiker das Publikum bis zum Finale mit „Electricity“.
Orchestral Manoeuvres In The Dark spielen im Amphitheater Hanau
Elektronische Musik ist ihre Sprache: Die Synthie-Pop-Veteranen Orchestral Manoeuvers In The Dark sind im ausverkauften Hanauer Amphitheater zu Gast.






