Das Bundeskabinett befasst sich heute mit der Bafög-Reform. Union und SPD haben sich darauf geeinigt, dass Bafög-Empfänger erst im nächsten Sommersemester mehr Geld bekommen sollen – und nicht, wie ursprünglich geplant, schon im kommenden Wintersemester. Vorangegangen war diesem Kompromiss eine lange Diskussion um die Finanzierung der Bafög-Erhöhung.Was war beim Bafög ursprünglich geplant?CDU/CSU und SPD hatten im Koalitionsvertrag vereinbart, zum kommenden Wintersemester als ersten Schritt die im Bafög enthaltene Wohnkostenpauschale für diejenigen, die nicht mehr bei den Eltern wohnen, von aktuell 380 auf 440 Euro im Monat zu erhöhen. In den kommenden Jahren sollte der sogenannte Bafög-Grundbedarf dann schrittweise dauerhaft auf das Niveau der Grundsicherung angehoben werden. Dort liegt der sogenannte Regelbedarf aktuell bei 563 Euro.Wie sieht die Einigung nun konkret aus?Die Wohnkostenpauschale wird erst zum nächsten Sommersemester auf 440 Euro erhöht und nicht wie geplant zum anstehenden Wintersemester. Der Bafög-Grundbedarf steigt dann nach SPD-Angaben zum Wintersemester 2027/28 auf 503 und zum Sommersemester 2029 noch einmal auf 563 Euro, damit wäre das heutige Grundsicherungsniveau erreicht. Für weitere Anpassungen, also falls die Grundsicherung steigt, solle es eine Regelung zur Überprüfung und Anpassung der Fördersätze geben, die sich am Grundsicherungsniveau orientiert.Wie viele Bafög-Empfänger betrifft das überhaupt?2025 ist die Zahl der Bafög-Empfänger laut Statistischem Bundesamt auf den niedrigsten Stand seit der Jahrtausendwende gesunken. Rund 570.000 Menschen erhielten die staatliche Förderung demnach, das waren sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Verantwortlich für den Rückgang waren vor allem die Studenten, deren Zahl um acht Prozent auf 443.100 sank. Bei den Schülern ging sie hingegen nur leicht um 1,6 Prozent zurück.Insgesamt sind in Deutschland rund 2,9 Millionen Menschen zum Studium eingeschrieben, es gibt etwa 11,5 Millionen Schüler.Wie viel Bafög gibt es aktuell maximal?Der Bafög-Grundbedarf liegt aktuell bei 475 Euro. Zusammen mit der Wohnkostenpauschale kommen Empfänger auf bis zu 855 Euro. Wer seine Krankenversicherung schon selbst zahlt, bekommt noch Zuschläge. Dann liegt das Bafög bei maximal 992 Euro. Die Sätze gelten seit zwei Jahren. Bafög wird aber immer individuell berechnet. Die Höhe richtet sich nach dem Verdienst der Eltern und dem eigenen Vermögen.Soll nicht auch der Empfängerkreis erweitert werden?Ja, und zwar über die sogenannten Freibeträge. Die Einkommensgrenzen etwa von den Eltern, die als Berechnungsgrundlage für das individuelle Bafög herangezogen werden, sollen von Sommer 2028 und dem Wintersemester 2028/29 an jährlich um 1,5 Prozent automatisch angehoben werden, heißt es von der SPD. Dadurch werde der Kreis der Förderberechtigten nicht durch Inflation und Lohnentwicklung schleichend kleiner. Die Antragstellung soll zudem erleichtert und weiter digitalisiert werden.Warum wurde so lange über die Reform diskutiert?Wegen der Finanzprobleme. Die Regierung versucht, Staatsausgaben zu begrenzen. Der ehemalige Unionsfraktionsvorsitzende Jens Spahn (CDU) hatte gesagt, man werde staatliche Leistungen wie Bürgergeld, Wohngeld, Elterngeld oder Bafög absehbar nicht erhöhen können. Das ging mit der SPD lange hin und her. Ihr ist die Bafög-Erhöhung sehr wichtig – bis auf die Verschiebung eines Teils der Reform scheint sie sich durchgesetzt zu haben.Wie kommen die Pläne an?Das Deutsche Studierendenwerk sieht Licht und Schatten: Nach „Monaten der politischen Unsicherheit“ bewertet es die geplante Bafög-Novelle als ein wichtiges Signal. Vor allem die automatische Erhöhung der Freibeträge und die Angleichung des Bafög-Grundbedarfs an die Grundsicherung hebt das Studierendenwerk positiv hervor.Kritik richtet sich gegen die Pläne zum Wohnkostenzuschuss: Die Erhöhung sei zu gering, so der Vorstandsvorsitzende Matthias Anbuhl im Gespräch mit der „Rheinischen Post“: „Die Bafög-Wohnkostenpauschale, die zum Sommer 2027 dann auf 440 Euro erhöht wird, liegt auch in dieser Höhe weit unter der durchschnittlichen Miete von 512 Euro für ein WG-Zimmer auf dem freien Wohnungsmarkt.“Weitere Kritik kommt aus der Linkspartei: Die Bafög-Pläne der Bundesregierung offenbarten eine „erschreckende Ignoranz gegenüber der Lebensrealität an unseren Hochschulen“, sagte die Linken-Bildungspolitikerin Nicole Gohlke der Nachrichtenagentur AFP. Erhöhungen würden verschleppt, während ein durchschnittliches WG-Zimmer längst über 500 Euro koste, so Gohlke.Was kostet ein WG-Zimmer denn aktuell?Im Schnitt zuletzt 512 Euro, mit großen regionalen Unterschieden: In München waren es 800, in Bielefeld oder Bochum 375 bis 385 Euro. Die aktuellen Zahlen stammen vom Moses Mendelssohn Institut, das die Zahlen regelmäßig erhebt. Die Preise verharrten demnach auf sehr hohem Niveau und stiegen stärker als die allgemeine Teuerung. Studenten geben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes etwas mehr als die Hälfte ihres Einkommens für Wohnkosten aus. In der Gesamtbevölkerung liegt der Wert im Schnitt etwa bei einem Viertel.Seit wann gibt es das Bafög?Das „Bundesausbildungsförderungsgesetz“ (Bafög) trat am 1. September 1971 in Kraft, um Bildungsschranken abzubauen, wie die damals zuständige Bundesjugendministerin Käte Strobel (SPD) sagte. Erst war es ein reiner Zuschuss ohne Rückzahlung. Später wurde das Bafög zum Volldarlehen umgewandelt.Seit 1990 gilt die grundsätzliche Regel: Eine Hälfte gibt es als Zuschuss, die andere muss zurückgezahlt werden. Millionen junger Leute haben sich mit Hilfe von Bafög bisher Studium und Schulausbildung finanziert. Das Statistische Bundesamt hatte 2021 eine Zahl von 36 Millionen genannt.
Was ändert sich durch die Bafög-Reform für Studenten?
Nach langem Hin und Her will die Bundesregierung heute die Bafög-Reform auf den Weg bringen. Die höhere Wohnkostenpauschale soll erst zum nächsten Sommersemester kommen.













