Justus Bader erlebt gerade eines der ereignisreichsten Jahre seines noch jungen Lebens. Gerade hat der 18-Jährige sein Abitur sehr gut bestanden. Anfang September bricht er in die USA auf. Er macht ein freiwilliges soziales Jahr, über den Internationalen Bund (IB), einen der großen Dienstleister in der Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit in Deutschland. Er wird in der Nähe von New York in einer Einrichtung für behinderte Menschen mitarbeiten.Ganz freiwillig war das freiwillige soziale Jahr allerdings nicht. „Ich möchte ein Gap Year machen, weil ich noch nicht weiß, was ich studieren möchte. Meine Eltern haben mir Geld zum Abitur geschenkt, mir aber gesagt, das gibt es nur, wenn ich das Jahr sinnvoll nutze. Das habe ich akzeptiert und werde es mit dem USA-Aufenthalt umsetzen“, sagt Bader, der eigentlich anders heißt. „Ich freue mich darauf, es wird mich reifer machen und mir bei der Studienwahl helfen.“400 Dollar TaschengeldBader wird in der Einrichtung wohnen und dort essen. Zusätzlich bekommt er eine Aufwandsentschädigung von 400 Dollar im Monat. Er gilt offiziell als Volunteer, also als Freiwilliger. Da das nicht offiziell als Arbeit zählt, kommt er leichter an ein Visum für die USA. Da er sparsam lebt, glaubt er, 200 Dollar im Monat übrig zu haben, um sie anzulegen. „Ich will das Jahr nutzen, um mit dem regelmäßigen Sparen zu beginnen. Ich weiß aber noch nicht, wie und was ich dann kaufen soll.“Mit dieser Frage wendet er sich an die F.A.S. Die vermittelt ihm ein Gespräch mit Patrick Küster, Vermögensberater bei der Capitell AG, der häufiger junge Kunden berät. Sie einigen sich, per Du zu sprechen.Mein Geld: Brauchen Sie auch Hilfe in Finanzfragen? Zum Beispiel zu Versicherungen, Immobilien, Steuern oder Konsumausgaben? Schildern Sie uns gern kurz Ihre Lage und schreiben Sie uns unter mein-geld@faz.de.F.A.S.„Du legst jetzt das Fundament für die Geldanlage in den kommenden Jahrzehnten. Dafür bringst du gute Voraussetzungen mit. Da du erst 18 bist, kannst du den größten Vorteil der Altersvorsorge ausspielen – die lange Spardauer bis zur Rente“, sagt Berater Küster. „So kommen auch gut Aktien für dich infrage, weil das Verlustrisiko bei mehr als 40 Jahren Sparzeit gering ist. Das sichert dir hohe Renditen. Und du hast sogar schon ein paar Erfahrungen gesammelt, das macht es einfacher.“ In der Tat hat Justus Bader das Abi-Geld der Eltern und Geldgeschenke von Verwandten in Höhe von 10.000 Euro gerade in Tagesgeld (7000) und in den Kauf seines ersten ETF gesteckt – auf den MSCI World (300). „Was Anfänger halt immer machen“, schmunzelt er. Der Rest (2700) liegt auf dem Girokonto. Sein Vater hat ihm viel zum Thema Geldanlage erklärt, und einiges hat er auch durch die Finanzteile von Zeitungen und Erklärvideos auf Youtube gelernt. Sein Gemeinschaftskundelehrer hat die Schüler aufgefordert, regelmäßig Zeitung zu lesen, um informiert zu bleiben. Das hat Justus befolgt und dabei auch etwas über Finanzfragen gelernt. Das Thema interessiert ihn.Küster rät ihm, noch mal genau zu prüfen, wie viel Geld er in den USA zum Leben braucht, und dabei die höheren Preise in New York zu beachten. Vielleicht kann er dann weniger als 200 Dollar sparen. Auch solle er im Hinterkopf behalten, dass er auch Geld fürs Studium braucht, das er nach dem Amerika-Jahr beginnen will. Das Geld sollte also nicht ausschließlich langfristig angelegt sein. Fürs Studium geht Justus Bader allerdings davon aus, dass er seine Ersparnisse nicht angreifen muss. Er will nebenbei arbeiten und bekommt Unterstützung der Eltern. „Ich habe da Glück, ich lebe schon in privilegierten Verhältnissen.“ Das Tagesgeld solle für kurzfristige Ausgaben als Puffer dienen.Drei ETF reichenKüster geht in seiner Anlageempfehlung daher davon aus, dass Justus tatsächlich jeden Monat 200 Dollar zur Seite legt. „Ich rate dazu, das Geld in ETF zu investieren, also in Fonds, die einen Aktienindex 1:1 nachbauen. Die haben niedrige Kosten und streuen die Risiken breit. Zu Beginn gleich in einzelne Aktien oder Branchen zu investieren, wäre falsch, weil das zu riskant ist und das Depot dann nicht ausreichend breit gestreut wäre“, sagt der Berater. „Die Hälfte der 200 Dollar würde ich weiter in einen ETF auf den MSCI World investieren.“ Denn ein globaler Ansatz bei der Geldanlage sei gut. Aber dieser Index enthält zu rund zwei Dritteln amerikanische Aktien und zu einem Drittel Technologiewerte. Er ist also nicht sehr ausgewogen.Daher rät Küster, noch zwei weitere ETF dazuzukaufen, jeweils mit 50 Dollar. Einer sollte Europa abdecken wie der Euro Stoxx 50, der die 50 größten Aktien des Euroraumes umfasst. Oder der Stoxx 600, der auch ein paar Nebenwerte und auch ein paar europäische Länder außerhalb der Eurozone beinhaltet, etwa Großbritannien, Schweden und die Schweiz. Diese beiden Indizes enthalten auch mehr Industrie- und Bankenwerte. Sie mildern also sowohl die amerikanische als auch die Tech-Dominanz des MSCI World.