Gäbe es einen Titel für die Kommune, die am häufigsten an Autos, Motorrädern und Bulldogs zu finden ist, obwohl sie dort zwischenzeitlich nichts mehr verloren hatte – ja, dann könnten sie sich in Friedberg zum bayerischen Meister ausrufen. Jahrzehntelang musste man dort nämlich mit dem Kürzel AIC herumfahren; eine Folge der 1970er-Jahre, die Friedberg eines eigenen Landkreises beraubten und mit Aichach zusammengehen ließen. Erst wurde man politisch fusioniert, dann auf dem Nummernschild.Doch seit mit dem Jahr 2012 eine Liberalisierungswelle die Kennzeichen der Republik erfasst hat, ist das einst ausgemusterte Kürzel FDB – nicht zu verwechseln mit einer ähnlich klingenden Kleinpartei – zurück im Straßenbild. Und dabei ist es, wie eine neue Studie der Hochschule Heilbronn ermittelt hat, so etwas wie führend. Mit Stand zum letzten Jahreswechsel ist es 43 858-mal zugelassen, so oft wie kein anderes Altkennzeichen in Bayern. Herzlichen Glückwunsch!Gut, Einwand stattgegeben: Der Friedberger Fuhrpark ist bei rund 30 000 Lenkern und Passagieren gar nicht so klein. Da lässt sich die Konkurrenz leicht abhängen, ob aus Roding (ROD, 16 138-mal), Ochsenfurt (OCH, 11 903-mal) oder Marktredwitz (MAK, 11 447-mal). Das mindert aus Sicht der Studie aber keineswegs den Erfolg der Altkennzeichen insgesamt.Diese hätten bundesweit die Marke von sieben Millionen „absolut sicher“ überschritten. Außerdem wirkten sie im Sinne des Stadtmarketings nach innen wie außen und das bei einem „sensationellen Nutzen-Kosten-Verhältnis“: Statt Ausgaben entstünden den Kommunen Zusatzeinnahmen „durch viele freiwillige Umkennzeichnungen“.In Zeiten knapper Kassen könnten das kürzellose Kommunen interessiert vernehmen. Nur dürfen sie nicht einfach so Schilder ausgeben, dafür muss man laut Rechtslage schon mal irgendwann einem Landkreis vorgestanden haben. Im vergangenen Jahr schrieben sogar neun bayerische Bürgermeister einen Brief ans bayerische Verkehrsministerium, in dem sie für ihre Städte und Gemeinden eigene Kennzeichen forderten. Für Lokalpatriotismen hat man zwar im Freistaat immer ein Herz, dummerweise ist aber halt hier der Bund zuständig. Und dort hat man im Verkehrsministerium ganz andere Probleme, ob mit der kaputten Bahn, den maroden Brücken oder neuerdings den Wasserstraßen ohne Wasser.Fürs Erste werden sie also in Friedberg so wenig um den Meistertitel fürchten müssen wie beim FC Bayern. Die Verfolger aus Eggenfelden (EG, 34 655-mal) und Nördlingen (NÖ, 32 386-mal) sind auf Abstand. Anders aber als in der Bundesliga muss man sich ganz am anderen Ende der Tabelle nicht wegen eines Abstiegs sorgen. Im Gegenteil: Nirgendwo fährt es sich so exklusiv wie in Bad Griesbach – mit nur 911-mal GRI an der Karosserie.