Dem Deutschen Turner-Bund (DTB) ist schon vor den großen Wettkämpfen in den nächsten Tagen eine komplexe Übung gelungen, samt Abgang in den Stand – ohne zu wackeln. Denn gegen alle Wetten setzte sich DTB-Präsident Alfons Hölzl gegen den Mainstream durch, gegen die jüngste Wellenbewegung des internationalen Sports.Bei der Weltmeisterschaft in der Rhythmischen Sportgymnastik in Frankfurt und während der Kunstturn-EM in Zagreb werden russische Athletinnen nicht mit Hymne, Fahne und Nationaltrikots auftreten dürfen. Obwohl ein Sport-Weltverband nach dem anderen mit dem Segen des Internationalen Olympischen Komitees die Sportler des Kriegsherren und Mörders Putin wieder mit allen Insignien willkommen heißt. Hölzl ist es gelungen, die zynische Propaganda-Maschinerie des rücksichtslosen russischen Autokraten für einen Moment ins Stocken zu bringen. Chapeau!Putin bringt weiter Tod und VerderbenDass es schlagende Argumente gibt für dieses Ergebnis, liegt zwar auf der Hand. Denn nichts hat sich geändert an Putins Versuch, die Ukraine, also auch ihren Sport und ihre Sportler, zu vernichten, seitdem der organisierte Sport eine Teilnahme von Russen gänzlich ausschloss (Leichtathletik) oder auf ihrer „Neutralität“ bestand. Im Gegenteil. Der Tod, Verstümmelung an Leib und Seele bringender Raketen- und Drohnenterror auf Zivilisten, auf Kinder wächst, wird ausgedehnt über die Ukraine hinaus, mutmaßlich auch auf deutsche Flughäfen.Aber diese Fakten rühren weder IOC noch viele Fachverbände. Umso erstaunlicher ist die Volte des Welt-Turnverbandes. Der hatte im Mai das Neutralitätsgebot für Putins Sportler zurückgenommen und dem Wiedereinmarsch der Russen Tür und Tor geöffnet. Wohl wissend, welche schreckliche Wirkung dieser Schritt auf ukrainische Sportler hat, wenn sie gegen Botschafter einer Diktatur antreten müssen. Nichts anderes steht hinter der offiziellen Präsentation von Athleten mit Hymne und Fahne.Der zurückhaltende, besonnene Jurist Hölzl wird kaum ungehemmt ausplaudern, wie ihm das Kunststück gelungen ist, den Weltverband mit allerlei Missbrauchsproblemen – auch sein eigener kämpft damit – zu einem Salto rückwärts zu bewegen. Das geht nicht mit Gewalt, allenfalls mit Diplomatie. Der Weltsport wird sich davon wahrscheinlich und leider nicht beeindrucken lassen. Es kann auch sein, dass Hölzls Akt des Widerstandes Funktionärskollegen auf die Palme bringt, weil sie um die Erfolgschancen der deutschen Olympiabewerbung fürchten. Wer stellt sich schon ungestraft gegen das IOC?Aber die Deutschen lernen gerade, was möglich ist nach Desastern in der großen, internationalen Sportpolitik: dass sie mit durchdachtem Plan doch etwas bewirken können zum Besseren. Dass es sich lohnt, ein Risiko einzugehen, wenn es gilt, Grundwerte (des Sports) zu verteidigen. Und glaubwürdig zu bleiben, statt dem Opportunismus zu frönen. Setzte sich diese Haltung durch, würden die Chancen der Deutschen auf große Sportfeste zwar kaum steigen. Aber sie wäre Olympischer Spiele würdig.
WM der Rhythmischen Sportgymnastik: Hölzls Kunststück gegen Putin
Dass bei der WM der Sportgymnastinnen nun doch Einschränkungen für russische Athletinnen gelten, ist ein bemerkenswerter Erfolg des DTB-Präsidenten. Der deutsche Sport kann daraus etwas lernen.













