Es dämmert und der Platz ist voll. Unter dem „Himmel voller Hoffnung“ gehen Besucher umher, treffen Freunde, stehen zusammen, setzen sich auf die Bänke, Sitzsäcke und Liegestühle, die die Stadt für den Abend gemietet hat, die meisten unter dem Kunstwerk über der Platzmitte, andere etwas weiter weg. Wer klug ist, bietet in den nächsten Wochen an der Konstablerwache Liegestühle zum Mieten an, denn sie sind die perfekte Sitzgelegenheit, um sich zurückzulehnen und hinauf in das Netzgewebe zu schauen, das seit Dienstagabend nach Einbruch der Dunkelheit farbig angestrahlt wird, wie von der Künstlerin beabsichtigt.Mit Weingläsern und Bierflaschen in der Hand wartet das Publikum auf den Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef (SPD). Er betritt um 21.09 Uhr die Bühne und kommt sofort zur Sache. „A Sky Full of Hope“ sei ein starkes Symbol, sagt er. Mit Tausenden von Knoten zeige Janet Echelmans Netzgewebe, dass keiner das Ganze allein trage und Stabilität und Flexibilität erst durch Verbindungen entstünden.Geht man nach dem Shitstorm, den die Installation der Skulptur zuvor in den sozialen Medien ausgelöst hatte, ist einiges am vernetzten Frankfurt löchrig und zerfleddert. Geht man nach dem Eröffnungsabend auf dem Platz, ist das Gegenteil der Fall. Das Publikum ist so früh erschienen, so erwartungsvoll, so zahlreich und gemischt, wie man es sich als Frankfurter Veranstalter nur wünschen kann, nach Alter, Geschlecht und Migrationshintergrund.Frankfurt sei eine Stadt, die sich ihren Optimismus nicht nehmen lasse, sagt Josef. Und ihren Hang zur Diskussion erst recht nicht: „Das macht unsere Stadt besser.“ Rund um „A Sky Full of Hope“ sei dem einen oder anderen aber etwas durcheinandergeraten. Kritik an einem Kunstwerk habe sich mit genereller Kulturverachtung vermischt, einige besäßen als Geschäftsmodell offenbar nur noch das „strukturelle Schlechtreden“.Ja, Frankfurt müsse seine Plätze menschen- und klimagerechter gestalten. „Aber wir dürfen auch nicht die Urbanität, die uns ausmacht, zum Problem erklären. Dazu gehören Kunst und Kultur im öffentlichen Raum. Wir wollen eine international bedeutende Kulturstadt sein und bleiben.“ Frankfurt sei dem Gedanken an „Kultur für alle“ verpflichtet: „Wenn wir das ernst nehmen, dann gehört Kultur in den öffentlichsten Raum von allen.“ Also exakt auf die Konstablerwache.Für die Standbesitzer des Erzeugermarkts spricht nach viel Applaus für Josef unter großem Jubel der Landwirt Thomas Wolff vom Bio-Obst-Direktvermarkter Querbeet. Er ist seit der Gründung des Marktes 1989 mit dabei: „Wir sind froh und stolz, unsere Produkte im Herzen Frankfurts zweimal die Woche anbieten zu können.“ Auch der Markt habe in den vergangenen 37 Jahren ein Stück Leben auf den Platz gebracht, seine Teilnehmer hätten zahlreiche Pläne erlebt, die von der Stadt für die Konstablerwache geschmiedet worden seien. Sie seien daher skeptisch gewesen, ob der Umzug des Marktes, der für die Installation des Kunstwerks nötig war, tatsächlich schon nach wenigen Wochen wieder zu Ende gehen würde. Aber alles habe geklappt: „Wenn alle Baustellen der Stadt so termingerecht abgeschlossen werden wie diese, dann habe ich einen Himmel voller Hoffnungen.“ Diese Bemerkung wird erst recht bejubelt.Mehr Licht: Janet Echelman Installation „A Sky Full Of Hope" wird des Nachts illuminiert.Michael BraunschädelWährend Wolff spricht, stört eine Zwischenruferin hinter der Bühne, mit der Josef das Gespräch aufnimmt. Schon vor Beginn der Eröffnungsfeier hatte eine Kritikerin des Kunstwerks etwas vom Ausverkauf der Kunst an amerikanische Interessen in ein Megaphon gesprochen.Janet Echelman, die amerikanische Urheberin der ganzen Aufregung, weist in Frankfurt, der Frontstadt im Kampf gegen die Großstadtverelendung, lieber darauf hin, dass John F. Kennedy 1961 bemerkt habe, er sei ein Berliner. Sie fühle sich geehrt, wenn sie sagen dürfe, sie sei eine Frankfurterin. Als junge Frau sei sie nach einer Ausbildung zur klassischen Pianistin von sieben Kunsthochschulen abgewiesen worden, weil sie nach einer Kunst gesucht habe, die ihr und den Betrachtern das Gefühl gebe, geschützt und frei zugleich zu sein. Erstmals habe sie für eine ihrer Skulpturen mit einem Komponisten zusammengearbeitet, dem Frankfurter Parviz Mir-Ali, dessen Musik zur Eröffnung erklingt. Mit QR-Codes können Besucher sie schon bald auf dem Kopfhörer nachhören. Nach Auskunft des Kuturamts soll das in der nächsten Woche der Fall sein.