Clemens Fuest, der Präsident des Münchener Ifo-Instituts, hat vorgeschlagen, die Mehrwertsteuer zu erhöhen. Genauer gesagt will er den etwa für Lebensmittel ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent erhöhen. Der Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent solle laut Fuest für den Kauf aller Waren gelten. Weil dies ärmere Haushalte besonders treffen würde, will der Ifo-Chef, dass Geringverdiener zum Ausgleich 360 Euro pro Jahr vom Staat bekommen. Was soll das?

Fuest möchte zum einen das Steuersystem schön einheitlich haben. Ein Steuersatz sei besser als zwei, meint er. Und zum anderen möchte Clemens Fuest die Einnahmen des Staates mehren. Und da rechnet der Ifo-Chef mit zusätzlichen Einnahmen in Höhe von über 35 Milliarden Euro pro Jahr netto, inklusive der Ausgleichszahlungen für Geringverdiener. Das müsste Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) eigentlich gefallen. Doch noch darf es ihm nicht gefallen. Noch. Aber Klingbeil arbeitet daran.

Frauke Heiligenstadt ist nicht irgendwer

Die Mehrwert- oder auch Umsatzsteuer genannt stellte 2025 mit über 310 Milliarden Euro die größte Einnahmequelle des Staates dar. Noch vor der Lohnsteuer. Unternehmen können die Umsatzsteuer mit der Vorsteuer auf eingekaufte Produkte verrechnen. Privathaushalte können das nicht. Für sie ist die Umsatzsteuer beim täglichen Einkauf eine unmittelbare Belastung – vor allem für diejenigen, die wenig verdienen und das meiste ihres Geldes für Lebensmittel ausgeben.