Wenn am Mittwoch der Mond große Teile der Sonne verdeckt, richten sich in Deutschland wieder Millionen Gesichter zum Himmel. Augenärzte warnen jedoch eindringlich: Ein ungeschützter Blick in die Sonne kann das Sehvermögen dauerhaft schädigen. „Wenige Sekunden können ausreichen“, sagt Vinodh Kakkassery, Chefarzt der Klinik für Augenheilkunde am Klinikum Chemnitz und Experte der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG).Betroffene merken nichts in dem Moment, wenn es passiert. Das liegt daran, wie das menschliche Auge funktioniert. Seine Linse bündelt die Sonnenstrahlen wie ein Brennglas auf der Netzhaut. Dort befinden sich die Sehzellen. Sie sind lichtempfindlich und nehmen durch die Wirkung der Wärme und in Gang gesetzte fotochemische Prozesse Schaden. Mediziner sprechen von einer Sonnenretinopathie.Da die Netzhaut keine Schmerzrezeptoren hat, merkt man oft erst Stunden später, dass etwas nicht stimmt. Zum Beispiel dann, wenn ein dunkler Fleck im Sichtfeld auftritt und nicht mehr weggeht. In manchen Fällen zeigt sich die Schädigung sogar erst nach ein bis zwei Tagen, in Ausnahmefällen nach bis zu einer Woche.

Keine Therapie gegen Sonnenschaden

Eine Behandlungsmöglichkeit gibt es nicht. „Die Schäden können, müssen sich aber nicht zurückbilden“, sagt Kakkassery. Man könne lediglich den natürlichen Verlauf beobachten.Nach früheren Erhebungen aus Würzburg zur Sonnenfinsternis von 1999 sinkt die Sehschärfe bei Betroffenen typischerweise auf 50 bis 20 Prozent des Normalwerts. Etwa die Hälfte der Fälle erholt sich binnen sechs Monaten wieder vollständig, die übrige Hälfte muss dauerhaft mit einer Sehbeeinträchtigung leben. Eine vollständige, beidseitige Erblindung ist zwar nicht bekannt, ein bleibender zentraler Gesichtsfeldausfall aber durchaus möglich.