GastkommentarHorst-Michael PrasserAus Mangel an Flusswasser stehen in Frankreich derzeit drei Kernkraftwerke still. Kühlprobleme in trockenen Sommern bedeuten indes nicht das Ende der Kernenergie, sondern nur das Ende der Kühlung mit Wasser aus Flüssen. Es gibt mehrere Alternativen.12.08.2026, 05.25 Uhr3 LeseminutenDer Kühlturm des Kernkraftwerkes Leibstadt kühlt auch, wenn es extrem heiss und trocken ist, Juni 2026.Gaetan Bally / KeystoneSeit Wochen ist es heiss, und es fehlt Niederschlag. Es treten Probleme mit der Kühlung von Kernkraftwerken auf. In Frankreich stehen drei Werke ganz still, und weitere sieben Reaktoren laufen mit verminderter Leistung. Das Werk in Beznau ist vom Netz, weil sonst die Aare zu warm würde.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Diese Ausfälle sind für viele ein Argument gegen neue Kernkraftwerke. Aber ist das wirklich ein Problem der Kernenergie als solcher? Eigentlich liegt die Antwort auf der Hand: Die Leistung der Reaktoren in Gösgen und Leibstadt muss im Sommer nicht reduziert werden. Weil es dort Kühltürme hat. Das sollte als Gegenargument ausreichen. Und alle nach Fukushima auf Eis gelegten Neubauten sollten auch Kühltürme bekommen.Vernachlässigbare WassermengeIst an den «Kühlproblemen im Sommer» also gar nichts dran? Nun, auch die Werke in Leibstadt und Gösgen nutzen Flusswasser für Kühlzwecke, das sogenannte Nebenkühlwasser. Ein Teil dient zur Kühlung einer Reihe von Aggregaten wie Pumpen oder des Abklingbeckens für ausgediente Brennelemente. Dann muss noch ersetzt werden, was im Kühlturm verdunstet. Aus dem Kühlturmkreislauf muss ständig auch etwas in den Fluss abgelassen werden, damit Salze sich nicht im Kühlturm ablagern, das Absalzwasser.Die Leistung der Reaktoren in Gösgen und Leibstadt muss im Sommer nicht reduziert werden.Doch insgesamt geht dem Fluss weniger als 1 Kubikmeter pro Sekunde verloren. Das ist vernachlässigbar. Der niedrigste je gemessene Abfluss der Aare bei Gösgen betrug über 100, beim Rhein nahe Leibstadt mehr als 250 Kubikmeter je Sekunde. Die eingetragene Wärme wäre ohne Kühlturm bis zu 50-mal so hoch. Doppelt so viel wie die erzeugte elektrische Energie würde den Fluss aufheizen. Beim Kühlturm geht diese Energie fast zu 100 Prozent mit dem Dampf in die Atmosphäre und nicht in den Fluss.Und die Anlagen in Frankreich, die trotz Kühltürmen im Sommer Probleme haben? Zu viele Reaktoren an Flüssen mit zu wenig Wasser. Da trägt schon das wenige Nebenkühlwasser zu viel Wärme in den Fluss ein. Das Problem wurde erkannt. EdF hat das Programm Adapt gestartet, unter anderem zur Nachrüstung spezieller kleinerer Kühltürme, die das Wasser vor der Einleitung abkühlen. So wird eine Aufheizung verhindert, und die betreffenden Werke können den Sommer über durchlaufen. Durch Adapt sollen frankreichweit Produktionseinbussen von etwa 2 Prozent vermieden werden. Das sind 8 Milliarden Kilowattstunden mehr pro Jahr, ohne dass dafür ein neues Kraftwerk gebaut werden muss.Wenn die Klimakrise noch härter zuschlägt, bleibt als Ultima Ratio für Neubauten noch die Option eines Trockenkühlturms, der überhaupt kein Wasser mehr verbraucht. So etwas hat am deutschen heliumgekühlten Kugelhaufenreaktor THTR schon einmal gut geklappt (der Reaktor selbst funktioniert leider noch nicht). Trockenkühltürme sind etwas teurer. Aber das Kühlsystem macht nur wenige Prozent der Baukosten des Kernkraftwerks aus. Deshalb ist das nicht so schlimm.Wasser ist kostbarEine Zwischenlösung sind Hybridkühltürme, wie sie bei den Schweizer Ersatzkernkraftwerken vorgesehen waren. Sollten einst Reaktoren mit Natrium, Blei oder Helium als Kühlmittel oder mit einer Salzschmelze einsatzbereit sein, vereinfacht sich der Einsatz von Trockenkühltürmen. Egal ob gross oder klein-modular – diese Reaktoren können höhere Temperaturen erreichen und damit höhere Wirkungsgrade. Dann entsteht weniger Abwärme pro erzeugter Kilowattstunde. Das spart Kosten im Kühlsystem.Kühlprobleme in trockenen Sommern bedeuten also nicht das Ende der Kernenergie, sondern nur das Ende der Kühlung mit Flusswasser. Wasser ist kostbar. Selbst wenn es zunächst noch bei «normalen» Kühltürmen bleibt, kann man mit einem Kubikmeter Flusswasser für Strom aus einem AKW in den Stauseen der alpinen Wasserkraftwerke je nach Höhe ganz grob 50 bis 100 Kubikmeter zurückhalten. Diese kann man dann turbinieren oder zur Wasserversorgung nutzen – oder am besten für beides, wenn es wirklich nötig wird.Horst-Michael Prasser ist emeritierter Professor für Kernenergiesysteme an der ETH Zürich.Passend zum Artikel
Kernkraftwerke mit Kühltürmen bestehen auch bei Hitze und Trockenheit
Aus Mangel an Flusswasser stehen in Frankreich derzeit drei Kernkraftwerke still. Kühlprobleme in trockenen Sommern bedeuten indes nicht das Ende der Kernenergie, sondern nur das Ende der Kühlung mit Wasser aus Flüssen. Es gibt mehrere Alternativen.











