Am Flughafen Leipzig/Halle sorgte in der vergangenen Woche ein ungewöhnlicher Drohnenvorfall für Aufsehen. In der Nacht zum 5. August wurde auf dem Flughafengelände eine Drohne entdeckt, an der sich nach bisherigen Erkenntnissen eine Sprengvorrichtung befand.

Obwohl die Beweislage noch nicht geklärt ist, sprach die Bundesregierung von einem Angriff „fremder Mächte“ und vermeidet eine eindeutige Zuordnung eines Akteurs. Viele Medien skizzierten jedoch ein anderes Bild und berichteten, Russland stehe hinter dem Vorfall.

Der Propagandaforscher Jonas Tögel erklärt im Interview mit dieser Zeitung, warum aus seiner Sicht auch andere Szenarien geprüft werden sollten, solange zentrale Fragen zu Herkunft, Steuerung, Auftraggeber und Motiv offen sind. Dazu zählt die Frage, ob der Vorfall als „False Flag“-Aktion inszeniert worden sein könnte.

Herr Dr. Tögel, welche Anzeichen würden für Sie als Propagandaexperten darauf hindeuten, dass der Leipziger Drohnenvorfall gezielt genutzt oder sogar inszeniert wurde, um ein bestimmtes Feindbild zu verstärken?Bei dem Vorfall überraschen mich vor allem die vorschnellen, einheitlichen Schuldzuweisungen an Russland in weiten Teilen der Medienlandschaft, die meist ohne Beweise vorgebracht werden. Ebenso finde ich die Aufmerksamkeit, die diesem Vorfall zuteilwird, sowie die ebenfalls vorschnellen Forderungen nach einer Verschärfung der Sicherheitslage oder weiterer Aufrüstung bemerkenswert.Beispielsweise wurde Nico Lange, der seit 2022 für die Zeitenwende-Initiative bei der Münchner Sicherheitskonferenz arbeitet, bei Phoenix interviewt und wurde dort als neutraler Sicherheitsexperte vorgestellt. Er behauptete in dem Interview, dass Russland „sehr wahrscheinlich“ für den Drohnenvorfall am Leipziger Flughafen verantwortlich sei, obschon er dafür keinerlei Belege ins Feld führen konnte. Der CDU-Politiker Roderich Kiesewetter forderte laut einem Welt-Artikel wegen des Drohnenvorfalls gar die Ausrufung des Nato-Artikel 4, einer Vorstufe des Bündnisfalls (Nato-Artikel 5) und damit gefährlich nahe an einem direkten Krieg mit Russland.