Hunderte Berliner Lehrer sind seit Jahren krankgeschrieben, 23 sogar seit mindestens zehn Jahren. Insgesamt gelten 380 verbeamtete und angestellte Pädagogen als langzeiterkrankt. Das geht aus einer Antwort des Senats auf eine Schriftliche Anfrage des BSW-Abgeordneten Alexander King hervor. Gegenüber der Berliner Zeitung warnt King vor einer „Abwärtsspirale“ aus Personalmangel, Mehrbelastung und weiteren Ausfällen. Er fordert eine „110-prozentige Lehrkräfteausstattung“.King sieht hinter den Zahlen ein grundsätzliches Problem der Berliner Schulen. „Die mangelhafte Personalausstattung an unseren Schulen erhöht die Belastung der vorhandenen Lehrkräfte und begünstigt weitere krankheitsbedingte Ausfälle“, sagt er. Seine Forderung: Berlin müsse sich von einer Personalplanung verabschieden, bei der bereits eine Ausstattung unterhalb von 100 Prozent als ausreichend betrachtet werde.„In Berlin ist 97 das neue 100“, sagt King. „Wenn eine Schule zu 97 Prozent mit Lehrkräften besetzt ist, gilt das als vollzählig.“ Rechne man die dauerhaft Erkrankten heraus, müsse es nach seiner Darstellung vielmehr heißen: „95 oder 96 ist das neue 100.“
„Brauchen uns über Leistungsniveau nicht zu wundern“
Der BSW-Politiker kritisiert, wie Ausfälle im Schulalltag kompensiert würden. Die Stellen dauerhaft erkrankter Lehrer würden nach seiner Darstellung nicht vollständig ersetzt, sondern „bestenfalls mit PKB-Kräften aufgefüllt“. PKB steht für Personalkostenbudgetierung. Über dieses Instrument können Schulen unter anderem zeitlich befristet Vertretungskräfte beschäftigen.Doch das reiche nicht aus, argumentiert King. Die entsprechenden Kräfte seien „häufig schwer zu finden, oft auch nicht passend qualifiziert und auch schnell wieder weg“. Die Folge sei, dass die übrigen Lehrer einen Teil der zusätzlichen Arbeit übernehmen müssten: „Es bleibt also dabei, dass die Bestandslehrer vieles von dem auffangen müssen, was durch Dauererkrankungen wegbricht.“King spricht von einer „Abwärtsspirale“: „Denn diese Zusatzbelastung geht natürlich auf die Gesundheit.“ Statt einer 97-prozentigen Versorgung fordert er deshalb eine 110-prozentige Lehrkräfteausstattung. Damit könnten echte Vertretungsreserven geschaffen werden. Das PKB-System könne den bestehenden Personalmangel „weder quantitativ noch qualitativ ausgleichen“ und sei kein Ersatz für ausreichend fest angestellte und qualifizierte Lehrer.Sein Vorwurf geht noch weiter. „Alles steht und fällt mit der Lehrerausbildung, hier brauchen wir in Berlin eine echte Offensive“, sagt King. „Wenn weiter auf Kante genäht wird, brauchen wir uns über sinkendes Leistungsniveau nicht zu wundern.“











