Die totale Sonnenfinsternis von 1999 ist vielen Menschen in Deutschland noch in Erinnerung. An diesem Mittwoch ist hierzulande wieder eine Sonnenfinsternis zu sehen – diesmal allerdings nur partiell. Je nach Standort werden etwa 85 bis mehr als 90 Prozent der Sonnenscheibe vom Mond bedeckt. Weil die Finsternis am Abend stattfindet, geht die Sonne mancherorts bereits teilweise verdunkelt unter. Wo kann man die „Sofi“ sehen? Worauf muss man beim Beobachten achten? Und wo bekommt man noch Brillen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.Was passiert während der Sonnenfinsternis?Eine Sonnenfinsternis entsteht, wenn Mond, Sonne und Erde auf einer Linie stehen. Von der Erde aus betrachtet, schiebt sich der Mond vor die Sonne und verdeckt sie ganz oder teilweise. Weil der Mond kleiner ist als die Erde, fällt sein Kernschatten nur auf einen vergleichsweise schmalen Streifen der Erdoberfläche. Um den Kernschatten herum liegt ein deutlich größerer Halbschatten. An diesem Dienstag wandert der Kernschatten des Mondes von Grönland über Island bis nach Spanien; dort ist eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten. Deutschland liegt im Halbschatten. Hier ist die Finsternis daher nur partiell zu sehen. Sonnenfinsternisse gibt es zwar regelmäßig – aber meist genau dort, wo man gerade nicht ist.Wann ist die Sonnenfinsternis in Deutschland zu sehen?In Deutschland ist die partielle Sonnenfinsternis, abhängig vom Standort und vom Zeitpunkt des Sonnenuntergangs, ungefähr zwischen 19 und 21 Uhr zu beobachten. Der Höhepunkt, also der Zeitpunkt der stärksten Bedeckung, wird mit leichten Abweichungen je nach Standort gegen 20.15 Uhr erreicht.Wo sieht man die Finsternis in Deutschland am besten?Am stärksten verdunkelt ist die Sonne im Südwesten Deutschlands. In der Gegend um Freiburg und am Bodensee werden etwa 90 Prozent der Sonnenscheibe vom Mond verdeckt. Auch im Westen, etwa in Aachen, sind die Beobachtungsbedingungen günstig, weil die Sonne dort zum Zeitpunkt der maximalen Verdunkelung noch etwas höher über dem Horizont steht als weiter östlich. In Berlin ist die Sonne gegen 20.10 Uhr maximal zu rund 85 Prozent verdeckt, in Rostock bereits etwa drei Minuten früher.Von wo kann man die Sonnenfinsternis besonders gut beobachten?Entscheidend ist weniger der genaue Ort als ein freier Blick zum Horizont. Die Sonne steht während der Finsternis schon tief, teils nur eine Handbreit über dem West- beziehungsweise Nordwesthorizont. Wer sie sehen will, sollte sich deshalb frühzeitig einen Platz mit vollständig freier Sicht nach Westen oder Nordwesten suchen. Häuser, Bäume, Hügel oder Berge können den Blick leicht versperren. Mit interaktiven Tools wie Eclipse Horizon Checker lässt sich außerdem mit etwas Herumprobieren der perfekte Standpunkt in der eigenen Umgebung ermitteln. Zudem bieten Sternwarten und Planetarien in ganz Deutschland Möglichkeiten, die Sonnenfinsternis gemeinsam zu beobachten.Wie schützt man die Augen während der Sonnenfinsternis?Obwohl die Sonne teilweise vom Mond verdeckt wird, muss beim Beobachten eine Schutzbrille mit geeigneter Filterfolie getragen werden. Schon wenige Sekunden direkten Blicks in die Sonne können die Netzhaut dauerhaft schädigen. Da die Netzhaut keine Schmerzrezeptoren hat, bleiben Verletzungen zunächst oft unbemerkt. Besonders bei Kindern ist deshalb Vorsicht geboten. Sicher ist die Beobachtung nur mit einer geeigneten Sonnenfinsternisbrille. Sie sollte der Norm DIN EN ISO 12312-2:2015 entsprechen, ein CE-Zeichen tragen und intakte Filterflächen ohne Kratzer, Risse oder Löcher haben.Wichtig sind außerdem verständliche Warnhinweise sowie Angaben zum Hersteller oder zum verantwortlichen Händler. Wer noch eine Brille von einer früheren Finsternis besitzt, kann sie weiterverwenden, sofern die Filterfolie unbeschädigt ist. Nicht geeignet sind normale Sonnenbrillen oder improvisierte Hilfsmittel wie Rettungsdecken, rußgeschwärzte Gläser, alte CDs, Röntgenbilder, Filmstreifen oder Schweißerbrillen ohne passende Zertifizierung. Sonnenfinsternisbrillen dürfen außerdem nicht in Kombination mit Ferngläsern oder Teleskopen verwendet werden; dafür braucht es spezielle Sonnenfilter.Woher bekommt man noch eine „Sofi-Brille“?In vielen Onlineshops und Geschäften sind Sonnenfinsternisbrillen bereits seit Tagen vergriffen. Wer noch bestellt, sollte auf die Zertifizierung und auf eine rechtzeitige Lieferung achten. Weitere mögliche Anlaufstellen sind örtliche Planetarien und Sternwarten sowie Wissenschaftsmuseen. Von den zahlreichen Do-it-yourself-Anleitungen für Schutzbrillen, die im Internet kursieren, sollte man hingegen die Finger lassen.Wie kann man die Sonnenfinsternis auch ohne Schutzbrille verfolgen?Eine sichere Alternative, besonders für Kinder, ist die indirekte Beobachtung mit einer Camera obscura: Dabei wird das Sonnenbild durch eine kleine Öffnung auf eine helle Fläche projiziert. Angeschaut wird nur diese Projektion, nicht die Sonne selbst. Sobald die Sonnenfinsternis beginnt, erscheint der Mond als dunkle Aussparung auf der Sonnenprojektion. Einfache Bastelanleitungen finden sich im Internet.Wer die Bastelschere eingepackt lassen möchte, kann auf eine der zahlreichen Liveübertragungen ausweichen, viele davon direkt aus Spanien, wo die totale Sonnenfinsternis zu beobachten ist: Von 20 Uhr an sendet das ZDF von Mallorca über ihr Streamingportal und auf dem Youtube-Kanal „Terra X Lesch & Co“, von 20.15 Uhr an auch bei 3sat. Bei gutem Wetter ist zwischen 20.25 und 20.35 Uhr zudem eine Liveschalte im ZDF-Hauptprogramm geplant. Auch NASA und ESA übertragen schon von 19.15 Uhr an auf Youtube und weiteren Plattformen – unter anderem mit Teleskopbildern, Aufnahmen aus Spanien und Expertengesprächen.Wie gelingen gute Handyfotos von der Sonnenfinsternis?Mit dem Smartphone lassen sich eher Stimmungsbilder als detailreiche Nahaufnahmen der Sonnensichel machen. Wer es trotzdem versucht, sollte eine vorhandene optische Telekamera nutzen und auf starken Digitalzoom verzichten, weil dieser die Bildqualität verschlechtert. Wichtig ist zudem, die Belichtung manuell zu reduzieren – sonst erscheint die Sonne nur als heller weißer Fleck.Für schärfere Aufnahmen sollte das Handy möglichst ruhig stehen, etwa auf einem kleinen Stativ oder einer festen Unterlage; ein Selbstauslöser verhindert zusätzliches Verwackeln. Fokus und Belichtung lassen sich in vielen Kamera-Apps durch längeres Tippen auf die Sonne sperren. Der Blitz sollte ausgeschaltet sein.Wichtig ist auch hier der Schutz: Wird das Smartphone längere Zeit direkt auf die Sonne ausgerichtet oder mit zusätzlicher Teleoptik verwendet, sollte man die Kamera mit einem geeigneten Sonnenfilter schützen. Das verbessert nicht nur die Aufnahme, sondern schützt auch den Sensor.