Kein Wunder, dass es Carsten Linnemann vor gar nicht langer Zeit noch für abwegig hielt, Gesundheitsminister zu werden. Das Politikfeld ist nicht nur kompliziert, sondern auch vermint: Jeder ist davon betroffen, die Ausgaben sind so groß wie der Bundesetat, viele Akteure sind mächtig und machen gern Rabatz, sei es in den Kliniken, Praxen, Apotheken oder Kassen. Gesundheitsminister zu werden, ist ein hartes Los.Andererseits kann das Amt auch ein Sprungbrett zu Höherem sein, wie Linnemanns Vorgängerin Nina Warken gerade erfahren durfte: Nachdem sie das Krankenkassen-Spargesetz mit Ach und Krach, aber erfolgreich durch den Bundestag und die aufmüpfige Länderkammer gebracht hatte, wurde sie von Friedrich Merz (alle CDU) zur Kanzleramtsministerin befördert.Linnemann hat in der Pflege eine mindestens ebenso harte Nuss zu knacken. Er übernimmt von Warken den Entwurf zu einem Pflegeneuordnungsgesetz, das beides leisten soll: die finanzielle Belastung der Beitragszahler und Heimbewohner zu stabilisieren und gleichzeitig die Pflegestrukturen zu modernisieren. Dieser Doppelschlag ist politisch besonders gefährlich. Ohne Leistungsabstriche wird es nicht gehen, gegen die sich vor allem die SPD wehrt. Gleichzeitig will ihr Finanzminister Lars Klingbeil kein Steuergeld in die Versicherung pumpen.Diese Quadratur des Kreises wird nur gelingen, wenn man die Idee der Teilversicherung in der Pflege nicht aushöhlt, wie es die politische Linke wünscht – etwa über eine Vollversicherung oder die Deckelung der Eigenanteile –, sondern indem man das „Teilkasko-Modell“ ernster nimmt als bisher.Wer kann, muss zahlenWer kann, muss für die Pflege selbst zahlen. Zu Recht plädieren der Sachverständigenrat und die Privatversicherungen dafür, in den Heimen die Leistungszuschläge der Kassen zu den Eigenanteilen abzuschaffen. Denn die sind irre teuer und kommen selbst Millionärswitwen zugute.Zu begrüßen sind auch die Vorschläge zu mehr Kapitaldeckung und Eigenverantwortung. Wenn junge Leute rechtzeitig vorsorgen, sind Zusatzversicherungen erschwinglich und hochwirksam. Solche Vorschläge müssten auch aus der Politik kommen – zum Beispiel vom neuen Gesundheitsminister.