Mit Carsten Linnemann wird wieder jemand Gesundheitsminister, der mit dem Thema vorher nicht viel zu tun hatte. Wie kommt man auf diese Idee?

Will sich erst mal einarbeiten: Carsten Linnemann

Christian Mang/reuters

Bevor wir uns der Personalie des neuen Gesundheitsministers zuwenden, betrachten wir doch kurz die Gesundheitspolitik der letzten Jahre: Im Sommer 2024 stand die Ampel noch halbwegs im Saft und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) versuchte der Erkenntnis, dass es mit dem deutschen Gesundheitssystem nicht zum Besten steht, mit einer Flut von Gesetzesvorhaben zu entsprechen. Der Workaholic hatte da schon fast 20 Jahre Gesundheitspolitik auf dem Buckel – was hilfreich war für das Navigieren durch eines der dichtesten und kompliziertesten Politikfelder überhaupt.

Sein politisches Verhandlungsgeschick galt als nicht ganz so umfassend. Aber dass Lauterbach am Ende auf einem Teil seiner Reformvorhaben sitzen blieb, hatte damit wenig zu tun. Ende 2024, zehn Monate vor der Zeit, war Schluss – Ampelbruch. Die lang verhandelte Krankenhausfinanzierungsreform ging mit einem Ächzen noch durch Bundestag und Bundesrat. Die ebenso dringliche Reform der Notfallversorgung zum Beispiel schaffte diese letzten Hürden nicht mehr.