Heimaterkundung bedeutet im Jahr 2026 nicht nur Fischen in der bundesrepublikanischen Ursuppe: Die Longlist zum Deutschen Buchpreis ist da.
Die Longlist ist raus und wir finden viele Bekannte
Chris Emil Janssen/imago
Ohne Giuliano Musio zu nahe treten zu wollen, ist sein nun für den Deutschen Buchpreis nominierter Roman vielleicht der einzige auf der Liste, der keinesfalls der eigenen Biografie entlehnt sein kann. „Aus anderem Holz“ (luftschacht) folgt dem jungen Pinò bei seinen familiären Nachforschungen und bearbeitet darin, der Titel verrät es, den Pinocchio-Stoff neu. Gut, wenig biografische Nähe besteht auch zwischen Elias Hirschl und seiner Protagonistin aus „Schleifen“ (Zsolnay), der sprachverrückten Mathematikern Franziska Denk aus dem Wien des frühen 20. Jahrhundert und genauso wenig muss im Fall von Svenja Leibers „Nelka“ (Suhrkamp) ein persönliches Interesse am Schicksal der NS-Zwangsarbeiterinnen vorliegen, doch ansonsten fällt wie auch in den letzten Jahren auf: Der Trend geht in Richtung Familiengeschichte, in Richtung Stammbaumerkundung.
Ein jeder wird geboren, ein jeder stirbt. Während Letzteres ganz gut allein geht, ist die notwendige Anwesenheit mindestens einer anderen Person bei Ersterem schon in der Verbform angelegt. Familie ist eine komplizierte Angelegenheit, davon kann etwa Lilli Tolkien ein Lied singen, die in „Mit beiden Händen den Himmel stützen“ (Aufbau) das eigene Aufwachsen in einem verwahrlosten Kreuzberger Männerhaushalt verarbeitet.











