Der Gewerbeverband greift die «Lex On» an: Unternehmen würden dazu ermutigt, Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagernKMU-Vertreter wollen die Lockerung der Swissness-Regeln rückgängig machen und warnen vor einer Schwächung des Werkplatzes.11.08.2026, 13.39 Uhr2 LeseminutenDie Firma Kybun-Joya produziert ihre Schuhe in Sennwald im Rheintal – und bald vermehrt in Italien.Karin Hofer / NZZJahrelang galt: Industrieprodukte dürfen nur mit einem Schweizerkreuz versehen werden, wenn sie in der Schweiz produziert werden. Im März 2026 änderte das Eidgenössische Institut für geistiges Eigentum (IGE) diese Praxis. Seither darf das Schweizerkreuz auch für Angaben wie «Swiss Design» oder «Swiss Engineering» verwendet werden, selbst wenn die Herstellung vollständig im Ausland erfolgt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) kritisiert diese «Praxispräzisierung» des Bundes scharf. Der Verband sieht darin eine Verwässerung des geltenden Swissness-Gesetzes und eine Schwächung des Werkplatzes Schweiz. «Es ist das falsche Signal, Unternehmen indirekt dazu zu ermutigen, Arbeitsplätze und Wertschöpfung ins Ausland zu verlagern», sagte SGV-Präsident Fabio Regazzi am Dienstagnachmittag an einer Medienkonferenz in Bern.Der Verband will die Lockerung rückgängig machen, die durch intensives Lobbying des Schuhherstellers On zustande gekommen ist. Um den Druck zu erhöhen, präsentierte er zwei Umfragen. Diese sollen zeigen, dass der Verband mit seinem Anliegen nicht alleine ist. Über den Sommer wurden zwei Erhebungen durchgeführt, um den Puls der gewerblichen Basis und der Bevölkerung zu fühlen: eine Online-Umfrage im Gewerbe sowie eine repräsentative Umfrage in der Stimmbevölkerung, die Demoscope durchführte.Die Aussagen der 1154 befragten Privatpersonen bestätigen dabei die zentralen Erkenntnisse der SGV-Umfrage bei 293 Firmenvertretern: Eine klare Mehrheit der Befragten lehnt die Praxisänderung des IGE ab. 60 Prozent sagen, ihr Vertrauen in das Schweizerkreuz als Herkunfts- und Qualitätszeichen sinke mit der neuen Regelung. Über 80 Prozent wollen, dass das Schweizerkreuz exklusiv Produkten vorbehalten bleibt, die in der Schweiz hergestellt wurden.Schuhhersteller Kybun-Joya verkündet VerlagerungAn der SGV-Veranstaltung war auch der Ostschweizer Schuhhersteller Kybun-Joya anwesend. Dessen CEO Claudio Minder verkündete, dass es wegen der neuen IGE-Regelung zu einer Teilverlagerung nach Italien komme: «Die Konsequenz ist bitter, aber aus betriebswirtschaftlicher Sicht logisch: Wir haben entschieden, einen Teil der Schuhproduktion von Sennwald nach Montebelluna in Italien zu verlagern.»Rund 40 Arbeitsplätze im Rheintal sind davon betroffen. «Wir wollen nicht als Musterknabe sterben, während andere die Regeln zu ihren Gunsten ausgelegt bekommen», sagte der CEO des Schuhherstellers. Für die Mitarbeiter soll im verbleibenden Schweizer Betrieb eine Anschlusslösung gefunden werden.Es liegt auf der Hand, dass der Verlagerungsentscheid von Kybun-Joya nicht ausschliesslich auf den Swissness-Entscheid zurückzuführen ist. Die anwesenden KMU-Vertreter sind jedoch überzeugt, dass Kybun-Joya nicht der einzige Schweizer Produktionsbetrieb sein wird, der Konsequenzen zieht. Weitere Unternehmen würden wohl folgen.«Der Verlagerungsanreiz dürfte sich verstärken», sagte Sven Reinecke, Marketingprofessor der Universität St. Gallen. Die neue Praxis schwäche die Exklusivität des Schweizerkreuzes und die Position jener Unternehmen, die tatsächlich in der Schweiz produzieren. «Sie senkt die Kosten des Verzichts auf eine Schweizer Produktion und dürfte Verlagerungsanreize verstärken.»Mehr folgt.Passend zum Artikel