Illustration: Olivia Fischer / NZZEine Visuelle Rekonstruktion eines Tages, der die Welt veränderte.New York am frühen Morgen des 11. Septembers 2001. Es ist ein sonniger Dienstag. Im World Trade Center, einem Bürokomplex im Finanzdistrikt an der Südspitze von Lower Manhattan, steht ein gewöhnlicher Arbeitstag an.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das WTC besteht aus sieben Bauten. Weltberühmt sind seine beiden Zwillingstürme: Die beiden höchsten Gebäude New Yorks, der Nordturm (WTC 1) und der Südturm (WTC 2), prägen mit einer Höhe von 417 Metern und 415 Metern die Skyline der Stadt. Etwa 50 000 Menschen in 430 Unternehmen werden im WTC-Komplex in den nächsten Stunden die Arbeit aufnehmen. Hinzu kommen täglich etwa 140 000 Besucher.Niemand ahnt zu diesem Zeitpunkt, dass dieser 11. September der prägendste Tag von George W. Bushs Präsidentschaft sein wird – und nicht nur die USA, sondern auch die Welt verändern wird.American-Airlines-Flug 11Es ist 05.45 Uhr (New York). Zwei Anhänger des islamistischen Terrornetzwerks al-Kaida, Mohammed Atta und Abdelaziz al-Omari, gehen durch die Sicherheitskontrolle am Portland International Airport in Maine. Attas Gepäck wird zurückgehalten, weil das automatische System zur Erkennung gewisser Verdachtsmomente (Capps) eine nochmalige Überprüfung empfiehlt. Dennoch darf Atta passieren.Die Terroristen gehen an Bord eines Flugs nach Boston. Dort steigen sie später auf den American-Airlines-Flug 11 um, wo drei weitere Entführer zu Ihnen stossen werden.Der American-Airlines-Flug 11 startet um 08:20 mit 14 Minuten Verspätung in Boston. Das planmässige Ziel des Flugs: Los Angeles. Das Ziel der Terroristen ist jedoch ein anderes: das World Trade Center in New York.Es befinden sich 92 Personen an Bord. Das Flugzeug ist nur zu 58 Prozent ausgelastet: Platz hätten bis zu 158 Passagiere. Die Terroristen verteilen sich auf die Business-Klasse und auf die erste Klasse.Um 08.46 Uhr steuert Mohammed Atta, der Pilot des American-Airlines-Flug 11, das Flugzeug in den Nordturm des World Trade Center. Zum Zeitpunkt des Aufpralls beträgt die Geschwindigkeit des Flugzeugs etwa 750 Kilometer pro Stunde. Das Flugzeug reisst ein riesiges Loch in die nördliche Fassade des WTC 1 zwischen Stock 93 und 99, die Explosionsflammen sind von allen vier Seiten zu sehen.Alle Insassen im Flugzeug und wahrscheinlich Hunderte Personen in den getroffenen Stockwerken sind auf der Stelle tot. Noch gehen die Beobachter und die Weltöffentlichkeit von einem Unfall aus.United-Airlines-Flug 175Um 08.14 Uhr startet der United-Airlines-Flug 175 in Boston mit 14 Minuten Verspätung. Auch sein Ziel ist Los Angeles. Das Flugzeug ist nur zu 33 Prozent ausgelastet. Es befinden sich 65 Personen an Bord. 30 Minuten nach dem Start werden die Terroristen die Maschine in ihre Gewalt bringen. Das Ziel ihres Anschlags: der Südturm des World Trade Center.Die Boeing mit der Flugnummer UA 175 kracht in den Südturm des World Trade Center. Die Einschlagstelle reicht von Stockwerk 77 bis zu Stockwerk 85. Alle Flugzeuginsassen und eine unbekannte Anzahl Personen in den getroffenen Stockwerken sind auf der Stelle tot. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits etliche Fernsehkameras auf die Zwillingstürme gerichtet. Millionen von Menschen sehen den Einschlag des zweiten Flugzeugs live im Fernsehen. Ihnen wird schlagartig klar, dass es sich hierbei um keinen Unfall handelt.Der Einschlag des Flugzeugs macht zwei der drei Nottreppenhäuser unpassierbar und durchtrennt einen Grossteil der Aufzugskabel. Zahlreiche Personen oberhalb der Einschlagstelle werden in den Aufzugskabinen eingeschlossen. In der Sky-Lobby im 78. Stock warten zu diesem Zeitpunkt schätzungsweise 200 Personen auf die Aufzüge. Bis auf zwölf Personen werden alle in dem Moment getötet, als die Flügelspitze des Flugzeugs die Lobby trifft.Schätzungsweise 1400 der zirka 2000 Mitarbeiter, die in den Stockwerken oberhalb der Einschlagstelle gearbeitet hatten, haben zu diesem Zeitpunkt die Gefahrenzone bereits sicher verlassen. Für rund 600 Mitarbeiter kam die Aufforderung zur Evakuierung zu spät.Kurz nach dem Aufprall stürzen sich auch aus dem Südturm die ersten Angestellten in die Tiefe. Wie viele auf diese Weise ums Leben kommen, ist nicht klar. Schätzungen reichen von 100 bis zu 200.American-Airlines-Flug 77Um 08.20 Uhr startet der American-Airlines-Flug 77 (AA 77) in Washington DC, mit zehn Minuten Verspätung. Auch hier ist das planmässige Ziel Los Angeles.Das Flugzeug ist nur zu 33 Prozent ausgelastet. Es befinden sich 64 Menschen an Bord. Kapazität hätte die Maschine für 188 Passagiere. Das Ziel der Terroristen: das Pentagon in Washington.Um 09.37 Uhr kracht die Boeing mit Flugnummer AA 77 in den Westflügel des Pentagons bei Washington. Es sterben 59 Menschen an Bord und 125 Mitarbeiter des Pentagons. Bei den meisten von ihnen handelt es sich um Angehörige der Army sowie der Navy.Die Angestellten im Pentagon werden vom Anschlag völlig überrascht. Bis anhin hat niemand damit gerechnet, dass es auch ausserhalb New Yorks zu Angriffen kommen würde.Zu diesem Zeitpunkt finden im Pentagon Renovierungsarbeiten statt. Viele Büros stehen deshalb leer. Von den 4500 Angestellten, die normalerweise im getroffenen Gebäudeflügel arbeiten, sind nur 800 anwesend.United-Airlines-Flug 93Der United-Airlines-Flug 93 startet um 08.42 Uhr in Newark mit einer Verspätung von 42 Minuten in Richtung San Francisco.Das Flugzeug ist nur zu 20 Prozent ausgelastet. 44 Personen befinden sich an Bord, es hätten 182 Passagiere Platz. Das Ziel der vier Terroristen an Bord ist nicht sicher. Es sollte der einzige entführte Flug werden, in dem sich die Passagiere zur Wehr setzen und noch Schlimmeres verhindern würden. Die offizielle Untersuchung wird gestützt auf Aussagen mancher Kaida-Mitglieder zum Schluss kommen, dass das Capitol das wahrscheinliche Anschlagsziel war. Der Kaida-Chef Usama bin Ladin soll zwar zu einem Angriff auf das Weisse Haus gedrängt haben, doch Atta habe dies flugtechnisch für zu schwierig gehalten.13 Passagieren und Besatzungsmitgliedern gelingt es, Behörden oder Angehörige anzurufen. Insgesamt werden 37 Telefonanrufe getätigt. Auch der Passagier Mark Bingham ruft seine Mutter Alice Hoagland an und informiert sie über die Entführung. Als die Verbindung abbricht, wählt Binghams Mutter die Notrufnummer 911. Sie wird ans FBI weitergeleitet, das sie über die Geschehnisse unterrichtet. Hoagland hinterlässt ihrem Sohn anschliessend mehrere Nachrichten auf seinem Mobiltelefon. Sie erklärt ihm, dass die Entführer womöglich einen Selbstmordanschlag planten, und ermutigt ihn und die anderen Passagiere, die Kontrolle über die Maschine zu übernehmen.Um 10.03 Uhr (New York) stürzt der United-Airlines-Flug 93 in der Nähe von Shanksville, Pennsylvania, ab. Was zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt ist: Die Passagiere und die Crew haben zuvor das Cockpit gestürmt und damit einen weiteren Anschlag verhindert. Alle Insassen (7 Crewmitglieder, 33 Passagiere und 4 Entführer) kommen ums Leben. Der Absturzort ist etwa 20 Minuten Flugzeit vom vermuteten Anschlagsziel in Washington entfernt.OutroDie Bilanz des 11. Septembers 2001 bleibt bitter: Die Anschläge kosten insgesamt 2977 Menschen das Leben – die 19 Attentäter nicht mitgezählt. 2606 Menschen werden im Bereich um das World Trade Center getötet, 265 in den Flugzeugen und 125 im Pentagon.Die Todesopfer stammen insgesamt aus 115 verschiedenen Ländern. Drei von vier sind Männer. Das «New York Magazine» schätzt 2014, dass 20 Prozent aller Amerikaner jemanden kennen, der bei den Anschlägen von 9/11 getötet oder verletzt wurde.Zusätzlich zu den 2751 Menschen, die unmittelbar bei den Anschlägen ums Leben kommen, werden offiziell auch jene Personen hinzugezählt, die zum Teil erst Jahre später infolge Krankheiten durch eingeatmeten Staub und die darin enthaltenen Schadstoffe der eingestürzten Zwillingstürme sterben.Manche Schäden werden erst Jahre später deutlich: 2013 gibt die Gesundheitsbehörde von New York bekannt, dass 1140 Menschen, die zum Zeitpunkt der Anschläge in Lower Manhattan gelebt oder gearbeitet haben, an Krebs erkrankt sind, nachdem sie giftigem Staub aus Ground Zero ausgesetzt waren. 422 000 Menschen kämpfen Monate oder Jahre später noch mit posttraumatischen Belastungsstörungen als Folge der Anschläge.Am Abend des 11. Septembers 2001 ist der Himmel über Manhattan von einer dichten Staubwolke verdeckt. Der Luftraum über den USA bleibt drei Tage lang für internationale Flüge gesperrt.Der Finanzdistrikt verliert auf einen Schlag 1,4 Millionen Quadratmeter Bürofläche und gegen 100 000 Stellen. Die New Yorker Börse liegt nur wenige hundert Meter von Ground Zero entfernt. Nach 9/11 wird sie sechs Tage geschlossen bleiben.Statt der Türme prägt nun der Rauch die Skyline von Manhattan. Ground Zero wird 99 Tage lang brennen.
Was passierte am 11. September? 9/11 in Grafiken erklärt
Eine Visuelle Rekonstruktion eines Tages, der die Welt veränderte.







