Der 14 Jahre alte Schüler, der am Freitag in Thailand zuerst seine Großeltern und dann an seiner Schule sechs Menschen getötet haben soll, hatte der Polizei zufolge gewalttätige Videos im Internet angeschaut. Darüber hinaus steckt den Behörden zufolge jedoch „eine Kombination verschiedener Faktoren“ hinter dem Angriff in der Debsirin-Schule in Nonthaburi nördlich von Bangkok. Dazu zählten familiäre Probleme, Schwierigkeiten in der Schule, Leistungsdruck und Konflikte mit Freunden, wie die „Bangkok Post“ berichtete.Der Junge soll in den vergangenen ein bis zwei Jahren ein Interesse an Waffen entwickelt haben. In Thailand dreht sich die Diskussion nach der Tat deshalb in erster Linie um die Frage, wie der mutmaßliche Täter Zugang zu einer Schusswaffe bekommen konnte. Der lokalen Presse zufolge handelte es sich um die Pistole seines Großvaters. Nachdem er damit zunächst die Großeltern getötet hatte, fuhr er in die Schule, tötete dort drei Lehrer und zwei Schulmitarbeiter, bevor er die Waffe gegen Mitschüler und sich selbst richtete. Mehr als zwanzig Personen wurden verletzt. Eine zwölf Jahre alte Schülerin starb einen Tag später.Viele Schusswaffenangriffe in ThailandThailands Ministerpräsident Anutin Charnvirakul hatte schon kurz nach dem Angriff angekündigt, die Waffenkontrollen in Thailand zu verschärfen. Eine Gesetzesänderung sei schon länger in Planung. Details gab er zunächst nicht bekannt. Der Vorsitzende des Polizeiausschusses, Watcharapong Kuwijitsuwan, sagte dem Onlineportal Khaosod zufolge am Montag, das Gremium erörtere etwa strengere Strafen für das Tragen von Schusswaffen in der Öffentlichkeit. Die Besitzer könnten zudem haftbar gemacht werden, wenn Waffen entwendet würden oder bei Verbrechen zum Einsatz kämen. Auch weitere Reformvorschläge werden erörtert, darunter psychologische Eignungstests.Die Waffengesetze stehen im Fokus, weil der Angriff auf die Schule nur der jüngste in einer ganzen Reihe von Schusswaffenangriffen in Thailand war. Im Februar hatte ein 17 Jahre alter Junge in Südthailand eine Schuldirektorin erschossen. Im vergangenen Jahr tötete ein Mann auf einem Markt in Bangkok fünf Menschen. Im Jahr 2023 schoss ein 14 Jahre alter Junge in der Hauptstadt auf Kunden eines Einkaufszentrums. Und bei der schwersten Attacke seit Jahrzehnten hatte ein ehemaliger Polizist unter anderem ein Blutbad in einer Kindertagesstätte angerichtet. Damals kamen 36 Menschen ums Leben.15 von 100 Thailändern besitzen eine WaffeAuch am Montag ist es abermals zu einem Schusswaffenangriff gekommen, als ein ehemaliger Abgeordneter in der Provinz Nonthaburi, wo sich auch die Tat am Freitag ereignet hatte, einen Funktionär in einem Regierungsbüro erschoss. Begründet wird diese Häufung an Angriffen unter anderem mit der vergleichsweise hohen Zahl an Privatwaffen in Thailand. Das Land verzeichnet eine der höchsten Raten an Schusswaffen in Privatbesitz Südostasiens. Dem „Small Arms Survey“ zufolge befanden sich im Jahr 2017 in Thailand geschätzte zehn Millionen Schusswaffen in privatem Besitz. Das sind etwa 15 pro 100 Einwohner.Dabei sind die Waffengesetze auf dem Papier streng, werden in der Umsetzung aber häufig lax gehandhabt. Thailändische Staatsbürger, die mindestens 20 Jahre alt sind, dürfen legal Schusswaffen erwerben und besitzen. Sie dürfen aber nicht vorbestraft sein, müssen über ein stabiles Einkommen verfügen und einen berechtigten Bedarf nachweisen können, beispielsweise zur Selbstverteidigung oder für das Sportschießen.Der verbreitete Waffenbesitz wird unter anderem damit begründet, dass der Einfluss von Militär und Polizei in der Gesellschaft groß ist, das Vertrauen in die Sicherheitsbehörden aber gering. Eine Besonderheit liegt unter anderem darin, dass rund vier Millionen der Schusswaffen nicht offiziell registriert sind. Das liegt unter anderem daran, dass Beamte im öffentlichen Dienst, darunter Soldaten, Polizisten und Verwaltungsbeamte, Waffen zu Vorzugspreisen bekommen. Viele davon landen Berichten zufolge auf dem Schwarzmarkt.