Der Schusswaffenangriff eines 14 Jahre alten Jugendlichen auf eine Schule erschüttert Thailand auch deshalb besonders, weil dort eigentlich ein besonderer Schutz bestehen sollte. Die Oberschule mit dem Namen Debsirin Nonthaburi nördlich der Hauptstadt Bangkok ist Medienberichten zufolge der lokale Ableger einer traditionsreichen Bildungsinstitution in Thailand. Sie liegt in einem großen städtischen Wohn- und Gewerbegebiet, aus dem viele Menschen für die Arbeit in die Hauptstadt pendeln.Offenbar ohne Vorwarnung war der mutmaßliche Täter am Freitag gegen zehn Uhr morgens mit einer Pistole bewaffnet von Klassenraum zu Klassenraum gegangen. Dort nahm er offenbar gezielt Lehrkräfte ins Visier. Fünf Lehrer verloren ihr Leben. Zuvor hatte der Angreifer zudem seine Großeltern in ihrer Wohnung erschossen.Der mutmaßliche Schütze, der eine lilafarbene Sportuniform getragen habe, verbarrikadierte sich schließlich im dritten Stockwerk des Schulgebäudes. Dort wurde er später aufgefunden. Einige Medien berichteten, er sei von der Polizei erschossen worden, andere, er sei infolge von selbst zugefügten Verletzungen auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben.Der mutmaßliche Täter verbrachte die meiste Zeit mit VideospielenDie Tatwaffe soll eine Pistole gewesen sein, die dem Großvater gehörte. 23 weitere Personen wurden verletzt. Es sei ein „schrecklicher Vorfall“, sagte Thailands Ministerpräsident Anutin Charnvirakul. „So etwas dürfte niemals geschehen. Wie konnte das in unserem Land passieren?“, so der Regierungschef.Zunächst gab es widersprüchliche Angaben über die Zahl der Opfer. So war anfänglich von sechs Toten die Rede, drei Lehrern und drei Schülern. Auch das Motiv der Tat war zunächst unklar. Berichte von Mobbing wurden vorerst nicht bestätigt. Einem Lehrer zufolge handelte es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen guten Schüler, der nicht durch aggressives Verhalten aufgefallen sei. Angehörige beschrieben ihn der thailändischen Zeitung „Khaosod“ zufolge als „ruhiges und wohlerzogenes Kind“, das nach der Trennung seiner Eltern bei den Großeltern aufwuchs.Die Familie habe trotz der Umstände ein gutes Verhältnis gehabt. Der Junge sei aber nur selten aus dem Haus gegangen, er habe wenige Freunde und verbringe die meiste Zeit mit Videospielen. Bei der Prüfung seines Computers konnte die Polizei „Khaosod“ zufolge erkennen, dass er sich in der Woche vor dem Angriff auf Youtube Videos über Schulattentate und Amokläufer angesehen haben. Auch soll er sich bei Roblox, einer bei vielen Jugendlichen beliebten Gaming-Welt, über den Umgang mit Schusswaffen informiert haben.Oppositionspolitiker fordert strengere WaffenkontrollenZu den ersten Reaktionen auf die Bluttat gehörte die Forderung eines Oppositionspolitikers nach einer Verschärfung der Waffenkontrollen in Thailand. Die Schule sollte eigentlich zu den sichersten Orten der Gesellschaft gehören, schrieb Natthaphong Ruengpanyawut von der People’s Party auf Facebook. Der Vorfall sei „ein eindringlicher Mahnruf“, die Maßnahmen zur Schusswaffenkontrolle zu überprüfen, so der thailändische Oppositionsführer. Zudem sollten die Sicherheitsvorkehrungen an Schulen verbessert werden.Thailand gehört in Südostasien zu den Ländern mit einer der höchsten Raten an Schusswaffen in Privatbesitz. Agenturen zufolge wird ihre Gesamtzahl auf rund zehn Millionen Waffen beziffert. Etwa jeder siebte Einwohner verfüge damit über eine Waffe. Der Vorfall ist schon der zweite in einer thailändischen Schule in diesem Jahr. Im Februar hatte ein 18 Jahre alter Angreifer im Süden Thailands eine Schulleiterin erschossen. Bei dem seit Jahrzehnten schwersten Schusswaffenangriff hatte im Jahr 2022 ein ehemaliger Polizist 36 Personen getötet, unter ihnen 22 Kinder in einer Kindertagesstätte.