Angesichts der miserablen Umfragewerte der SPD fordert die Arbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt einen Sonderparteitag im Herbst, um die SPD-Spitze neu aufzustellen. Das berichtet der „Spiegel“. „Es gibt in der Bevölkerung eine massive Irritation hinsichtlich der Sozialdemokratie in unserem Land“, zitiert das Magazin die beiden AG-Vorsitzenden, Mehria Ashuftah und Orkan Özdemir.„Diese Irritation führt dazu, dass die Menschen die SPD nicht mehr als politische Option wahrnehmen, was sich in den aktuellen Umfragen erschreckend deutlich niederschlägt“, sagten Ashuftah und Özdemir weiter. Aufgrund dieses „existenzgefährdenden Trends auf der Bundesebene ist ein Sonder-Bundesparteitag kommenden Herbst unumgänglich“.Die beiden AG-Vorsitzenden kommen aus der Landespolitik: Ashuftah sitzt für die SPD in der Hamburgischen Bürgerschaft, Özdemir im Berliner Abgeordnetenhaus. Auf einem Sonderparteitag wollen sie die Parteispitze um Lars Klingbeil und Bärbel Bas neu aufstellen. Die derzeitige Führungsstruktur sei offensichtlich gescheitert. Auch inhaltlich müsse sich die Partei neu ausrichten. Eine Personalunion von Parteivorsitz und Regierungsamt sei in der aktuellen Lage der Partei keine Option mehr, heißt es von den Politikern. Schließen sich mehr SPDler an? Kritik an der Kombination aus Partei- und Ministeramt hatte es in der SPD schon früher gegeben. Klingbeil übt neben dem Parteivorsitz noch das Amt des Vizekanzlers und des Finanzministers aus, Bas ist zusätzlich Arbeitsministerin. Beide hätten dadurch nicht ausreichend Zeit, sich um die Partei zu kümmern, so der Vorwurf.Ein außerordentlicher Parteitag kann sowohl vom Parteivorstand als auch von der Basis einberufen werden. Voraussetzung dafür ist, dass sich mindestens zwei Fünftel der Bezirksvorstände dafür aussprechen. Bislang ist unklar, ob sich noch mehr SPD-Politiker der Forderung anschließen.Doch wie der „Spiegel“ berichtet, ist der Unmut auch in Landesverbänden in Hessen und Nordrhein-Westfalen groß. Demnach stellen viele Parteimitglieder mittlerweile infrage, ob sich Bas und Klingbeil ihre Ämter nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin behalten können. Falls die Wahlen schlecht laufen, müssten die Vorsitzenden wohl zurücktreten, heißt es. (Tsp)