NZZ LiveNadine Wallner fährt auf Ski die steilsten Berge hinunter, Dani Arnold bezwingt Nordwände in RekordtempoEine Alpinistin aus Österreich, ein Kletterer aus Uri – sie haben unterschiedliche Herangehensweisen an den Alpinismus. Gemeinsam ist ihnen, dass Wallner und Arnold zu den profiliertesten Alpinisten der Gegenwart gehören.10.08.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenDani Arnold klettert die WI6-Route «Crack Baby» an der Breitwangflue solo in Rekordzeit.Thomas Senfkrp. Auf einer möglichst schwierigen Route den Berg hinauf: Dieses Ziel haben Nadine Wallner und Dani Arnold gemeinsam in ihren Karrieren im Profialpinismus. Die Bergsteigerin aus Österreich und der Kletterer aus dem Urnerland haben dennoch völlig verschiedene Herangehensweisen in den Bergen. Wallner, 37 Jahre alt, wurde 2013 und 2014 Freeride-Weltmeisterin, bewältigte steile Abfahrten wie beispielsweise am Verbier-X-Treme.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.2014 kam es allerdings zur Zäsur in ihrer Laufbahn als Extremskifahrerin. Während Dreharbeiten zu einem Film in Alaska verlor sie in einem zerklüfteten Steilhang den Halt und rutschte mindestens 250 Höhenmeter in die Tiefe. Gleich zu Beginn brach sie sich das Bein, die Sicherheitsbindung löste nicht aus, stattdessen bohrte sich ihr Ski immer wieder in den Schnee. Wallners Rettung dauerte Stunden, sie erlitt einen offenen Schien- und Wadenbeinbruch. Danach konnte sie in den riskanten Wettkämpfen, in denen Jurys die Fahrstile in unberührtem Schnee bewerten, nie mehr an ihre damaligen Leistungen anknüpfen.Stattdessen wurde sie zur Kletterin, absolvierte die Ausbildung zur Bergführerin und entwickelte sich zu einer der profiliertesten Alpinistinnen der Welt. Der Bruch in der Sportkarriere, ausgelöst durch den Unfall, lehrte Wallner, Kleinigkeiten zu geniessen und in den Bergen keinen Druck zu empfinden. Auf Videos ihrer Touren, Besteigungen und Expeditionen wirkt sie humorvoll, locker sogar, ihr fehlt jede Verbissenheit, die bei vielen anderen Profialpinisten zu beobachten ist. «Ohne Humor kann man nach Hause gehen», sagte sie 2024 zur NZZ.Kein Konkurrenzdruck, sondern InspirationDiese Herangehensweise macht Wallners aussergewöhnliche alpinistische Leistungen umso erstaunlicher. 2019 gelang ihr die Durchsteigung der bohrhakenfreien Route «Prinzip Hoffnung» in ihrer Vorarlberger Heimat – als zweiter Frau und zehntem Menschen überhaupt. 2024 sorgte sie mit der Skiabfahrt an der Matterhorn-Ostwand für Aufsehen. Sie freue sich jedes Mal, wenn eine andere Frau Ähnliches wie sie schaffe oder ihr sogar zuvorkomme. Für Wallner herrscht in den Bergen kein Konkurrenzdruck, vielmehr inspiriere man sich gegenseitig.Arnold hingegen wurde dieser Konkurrenzdruck von aussen aufgezwungen. Er ist einer der Protagonisten der Netflix-Dokumentation «Duell am Abgrund». Darin geht es um Arnold und den 2017 im Himalaja tödlich verunfallten Berner Ueli Steck, die sich an den grossen Nordwänden der Alpen einen Zweikampf um Geschwindigkeitsrekorde liefern. Arnold sagte 2024 zur NZZ, er habe das Duell nicht gesucht.Der 42-jährige Urner durchstieg 2011 die Eigernordwand auf der Heckmair-Route in Rekordzeit – «free solo», also ohne Sicherung – und brauchte dafür 2 Stunden und 28 Minuten. Er war damit 19 Minuten schneller als Steck 2008. In einem weiteren Versuch überflügelte Steck Arnold zwar, doch der Urner hält heute noch die Rekorde an 5 der 6 wichtigsten Nordwänden der Alpen: am Matterhorn, am Piz Badile, an den Grandes-Jorasses, an der Grossen Zinne sowie am Petit-Dru.Im Juni 2023 machte Arnold mit einem weiteren Rekord auf sich aufmerksam, er kletterte die drei Grate am 2985 Meter hohen Salbitschijen im Kanton Uri hintereinander und weitgehend ungesichert. Dafür brauchte er – hinauf und hinunter – 9 Stunden und 39 Minuten.Arnold kann allerdings nicht nur schnell, sondern auch schwierig. Er hat mehrere Erstbegehungen auf der ganzen Welt geschafft, in Patagonien, Alaska, Pakistan, China, Island und Kasachstan. Besonders stolz sei er aber auf seine vergleichsweise unbekannten Erfolge, zum Beispiel das Klettern zweier Mixed-Routen – also durch Fels, Eis, gefrorenen Schnee – in Schottland. Dieses Projekt sei etwas vom physisch und mental Härtesten gewesen, was er in seiner Sportart geleistet habe. Arnold sagt: «Die Berge sind brutal ehrlich. Bist du zu schlecht, kommst du nicht hoch. Es gibt keine Ausreden, du allein bist immer der Schuldige.»«NZZ Live»-Veranstaltung: Zwischen Fels und Freiheit – mit Dani Arnold und Nadine WallnerExtrembergsteigen zwischen Rekordjagd und Risiko: Dani Arnold und Nadine Wallner sprechen über ihre Erfahrungen in den Steilwänden der Welt. Ein Einblick in die Psychologie des Alpinismus und den Umgang mit extremen Herausforderungen am Berg. 25. 8. 2026, 19.30 Uhr, Volkshaus, ZürichTickets und weitere Informationen finden Sie hier.Passend zum Artikel
«NZZ Live» mit Nadine Wallner und Dani Arnold: zwei Herangehensweise am Berg
Eine Alpinistin aus Österreich, ein Kletterer aus Uri – sie haben unterschiedliche Herangehensweisen an den Alpinismus. Gemeinsam ist ihnen, dass Wallner und Arnold zu den profiliertesten Alpinisten der Gegenwart gehören.







