Der Torjubel als Missionarsarbeit: Evangelikale Netzwerke nutzen die Strahlkraft des Profifußballs, um Jugendliche für ihren Glauben zu gewinnen.

Ja, ist der Fußballgott denn taub?

Nach einem Tor gehört der Moment dem Schützen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Kugel nach einer Traumvorlage aus fünf Metern ins leere Tor geschoben wurde oder aus dreißig Metern sehenswert in den Maschen einschlug. Kameras und Blicke richten sich auf den Jubler.

Früher hopsten sie nach einem Treffer meist durch die Luft oder reckten eher unbeholfen die Hände hoch – oder wie der traditionelle Fußballfan sagen würde: „Sie zeigten ehrliche Emotionen.“ Moderne Fußballer*innen nutzen den Torjubel dagegen immer öfter zur Präsentation ihrer Selbst als Marke. So entstanden ikonische Jubelposen: Cristiano Ronaldo springt in die Luft, dreht sich um die eigene Achse und landet mit dem lauten Ruf „Siuuu“, in den inzwischen das ganze Stadion einstimmt. Der französische Stürmer Kylian Mbappé verschränkt dagegen beide Unterarme vor der Brust und streckt die Daumen nach oben.

Auch das Beten nach einem Tor ist längst keine Seltenheit mehr. Spieler wie Mohamed Salah oder Lionel Messi tun dies. Neu ist eine Form des Torjubels, die den eigenen Glauben öffentlich vermitteln will. Der Jubel als Missionarsform. Fußballer*innen wie Felix Nmecha, Maxence Lacroix oder Giovanna Hoffmann zeigen nach ihren Treffern eine feste Folge von Gesten: Zuerst kreuzen sie die Arme zu einem X. Dann legen sie eine Hand aufs Herz. Danach formen sie das Unendlichkeitszeichen. Schließlich zeigen sie mit dem Zeigefinger zum Himmel. Jede dieser Gesten steht für einen Teil des Bibelverses Johannes 3,16: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ Was steckt dahinter? Gilt dieses Versprechen tatsächlich für jede und jeden, der an Jesus glaubt?