Es ist allein schon ein Wagnis, aus 20 Metern Höhe in einen Fluss wie die Seine zu springen. Wenn dann noch Züge über die Brücke fahren, auf der die stählerne Absprungplattform montiert wurde, umso mehr. Die High Diverin Maike Halbisch jedenfalls setzte am Samstag bei der Schwimm-EM in Paris gerade zum Handstand an, um einen dreieinhalbfachen Salto rückwärts in den tief unter ihr liegenden Fluss zu zaubern – den schwierigsten Sprung, den bei den Frauen aktuell weltweit nur sie springt – als just unter ihr die Metro, Linie 6, über die Pont de Bir-Hakeim ratterte. „Der Fahrer hat mir zugewinkt, von daher habe ich zurückgewinkt, weil ich ein netter Mensch bin“, sagte Halbisch: „Ich hatte Puls 180. Aber dann kommen die, und ich hätte mich unfreundlich gefühlt, wenn ich sie angeguckt und nicht zurückgewinkt hätte. Vielleicht hat es auch noch mal kurz aufgelockert.“High Diverin Iris Schmidbauer:„Die mentale Verletzung ist oft viel größer als die körperliche“High Diverin Iris Schmidbauer spricht vor ihrem EM-Start in Paris über Sprünge aus 20 Metern in die Seine, blutigen Husten durch geplatzte Lungenbläschen – und das Nomadenleben mit ihrer fast zwei Jahre alten Tochter Leilani.So aufgelockert setzte Halbisch, die früher Turnerin war, erneut zum Handstand an und sprang mit einem herausragenden Versuch zu Bronze. „Es ist meine allererste Medaille überhaupt in dem Sport bei einem offiziellen internationalen Event“, sagte die 20-Jährige vom VfL Waiblingen, die nach ihren ersten beiden von insgesamt vier Sprüngen nur auf Platz sieben gelegen hatte.Die nächste gute Nachricht: Halbisch, die angehende Polizeioberkommissarin, wurde am Freitag in die Spitzensportfördergruppe der Polizei aufgenommen, was nicht selbstverständlich ist für eine nicht olympische Sportart wie High Diving. Das macht für Halbisch, die noch studiert und ihren Sport nur nebenberuflich ausübt, auch die Organisation der Wettkämpfe wesentlich einfacher.Titelverteidigerin Iris Schmidbauer vom Dresdner SC, die mit ihrer knapp zweijährigen Tochter zu den High-Diving-Wettbewerben in aller Welt reist, wurde Fünfte. Bei den Männern war auch Halbischs Bruder Manuel am Start, der Rang acht belegte und danach sagte: „Ich bin sehr zufrieden, ich bin quasi Zweiter unter den Nichtprofis geworden. Die top Sechs machen diesen Sport hauptberuflich. Da mitzuhalten, ist ganz schön schwierig.“Auf dem Weg zum nächsten Freiwasser-Gold: Florian Wellbrock. Aurelien Morissard/AP/dpaAm Samstagmorgen war direkt nebenan die deutsche Freiwasser-Staffel zu ihrem ersten EM-Titel überhaupt geschwommen. Die erst 19-jährige Startschwimmerin Julia Ackermann, Isabel Gose, Oliver Klemet und Schlussschwimmer Florian Wellbrock siegten nach 1:03:39 Stunden vor Italien (1:03:41) und Ungarn (1:03:42). Der vierte Titel im siebten Rennen bedeutete für das deutsche Freiwasser-Team Platz eins im Medaillenspiegel, außerdem hat der Deutsche Schwimmverband bereits vor den am Montag beginnenden Beckenwettbewerben mehr Medaillen gesammelt als bei den beiden jüngsten Europameisterschaften insgesamt.Wellbrock, nun dreimaliger Europameister, versöhnte sich nach seinem Olympiadebakel von 2024 zugleich mit Paris – und mit seiner schwierigen Saison. Durch die Arbeit mit einer Psychologin habe er „gelernt, viele Situationen – nicht nur sportlich, sondern auch privat – ein bisschen anders einzuordnen. Das war ausschlaggebend, dass ich angereist bin“. Wellbrock flog am Samstag direkt weiter nach Los Angeles, wo er bei den Pan Pacific Games die 10-Kilometer-Distanz schwimmt und nebenher auf der Olympiastrecke für 2028 trainiert.
Schwimm-EM: Maike Halbisch winkt der Metro – und springt aus 20 Metern zu Bronze
Mit dem schwierigsten Sprung sichert sich Maike Halbisch ihre erste EM-Medaille im High Diving – ungewöhnliche Begegnungen an der Plattform inklusive.














