Moritz Wesemann ist dieser Tage viel in der Luft – in der Schwimmhalle und im Flugzeug. Das hat sich für den derzeit besten deutschen Wasserspringer zuletzt ausgezahlt: Bei der Schwimm-Europameisterschaft in Paris gewann der 24-Jährige – dank präziser Salti und Schrauben – Gold vom Ein- und vom Dreimeterbrett.Damit trat er endgültig in die großen Fußstapfen von Rekord-Europameister Patrick Hausding, der sich vor zwölf Jahren in Berlin ebenfalls zwei Einzelgoldmedaillen gesichert hatte.In der deutschen Hauptstadt legte auch Wesemann das Fundament für seinen jüngsten Coup. Mit Bundestrainer Christoph Bohm feilte er in Hunderten Trainingsversuchen an der Perfektion, die ihm nun im Centre Aquatique Olympique zwei EM-Titel einbrachten.Maskottchen und Medaille: Auch vom Dreimeterbrett gewinnt der 24-Jährige die Goldmedaille.EPADafür ging Wesemann lange Wege. Und zwar bereits 2024, als er in der französischen Metropole teilweise mehr als 20.000 Schritte pro Tag zurücklegte, um vom olympischen Dorf zur Halle zu gelangen. Dabei habe er sich Blasen an den Füßen gelaufen, berichtete Wesemann damals. Am Ende stand ein respektabler zwölfter Platz in der „Stadt der Liebe“.Wobei die Stadt von Wesemanns Liebe nicht Paris, sondern Montreal ist. Dort wohnt seine Freundin, die kanadische Springerin Katelyn Fung. Und dort trainiert er bei einem Nachwuchscoach, der viel Wert auf Technik legt.Vorerst bis ins Jahr 2028 möchte Wesemann zwischen Kanada und Deutschland pendeln, um „in Montreal die Zeit mit der Freundin zu verbringen und zu trainieren, aber auch in Berlin das super System im Wasserspringen mit dem Bundestrainer, der Physiotherapie und den Ärzten am Olympiastützpunkt zu nutzen“.In zwei Jahren soll sich der Reisestress auszahlen – bei den Olympischen Spielen in Los Angeles. Bis dahin wird Wesemann noch viele weitere Stunden in der Luft verbringen.