Ist eine Maschine der bessere Tennispartner? Wie KI-gestützte Tools den Sport verändernBallmaschinen für Tennisspieler sind portabel, bezahlbar und dank KI auch intelligent geworden. Testtrainings mit dem Slinger-Bag.Marc Leutenegger09.08.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenTennis mit BallmaschineIllustration Jasmin Hegetschweiler / NZZWie ein Roboter sieht er ja nicht aus, eher wie eine Tennistasche, die jemand auf der anderen Seite des Courts hat stehen lassen. Das aber ist genau das Konzept des Slinger-Bag, der seit 2020 den Markt für Tennisballmaschinen fundamental verändert hat.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Mit einem Preis von 1100 Franken ist der Slinger-Bag deutlich günstiger als konventionelle Ballmaschinen – und spürbar mobiler. Mit seinen 18 Kilos lässt er sich problemlos im Kofferraum verstauen und wie ein Trolley aufs Feld ziehen.Die Bedienung ist kinderleicht: ein Druck auf die handliche Fernbedienung, und die Mechanik setzt sich in Gang. Geschwindigkeit und Frequenz der Bälle lassen sich mit einem Drehregler justieren, die Flugkurve über eine Schraube. Wer will, stellt den Oszillator unter die Maschine, eine Scheibe, die den Slinger-Bag hin und her dreht und so verschiedene Winkel ermöglicht.Ohne Oszillator kommt immer derselbe Ball – und man schlägt ihn zurück. Es ist eine gewollte Monotonie, ein Drill mit dem Ziel der Automatisierung. Wer will, zeichnet seine Bewegungen auf. Apps wie Swing-Vision werten die Biomechanik aus und geben Feedback. Auch Slinger selbst hat eine KI-gestützte App, zurzeit ist ihr Betrieb aber ausgesetzt.KI-beflügelte EntwicklungenMit dem Slinger-Bag hat sich im Tenniszubehörmarkt ein Feld aufgetan, das dank Robotik und KI gerade einen Boom erlebt. Konkurrenzmodelle, vor allem aus China, verfolgen das Spiel ihres Gegenübers mit Kameras und Sensoren und simulieren auf Wunsch eine echte Begegnung. Oder sie trainieren Laufmuster, indem sie den nächsten Ball erst auswerfen, wenn man die ideale Grundposition gefunden hat.Viele Modelle beherrschen Topspin wie auch Unter- oder Seitenschnitt. Dagegen wirkt der Slinger-Bag geradezu rustikal. Weil der Ball nur über eine einzelne Rolle läuft, steigt mit dem Speed linear auch der Spin. Die Bälle kommen hart, weit und immer mit Topspin. Es ist, als würde man gegen Thomas Muster spielen.Um diese Wiederholung geht es letztlich, wie Philipp Kunz herausstreicht. Der Gründer von Ace Distribution in Zürich importiert den Slinger-Bag. «Der Slinger ist wie eine portable Driving Range für Golfer, er ersetzt nicht den Tennispartner.» KI-gestützte Ballmaschinen führt Kunz nicht im Sortiment. Er bezweifelt, dass es für diese simulierten Spiele in der Schweiz ein grosses Bedürfnis gibt. «Ich persönlich gehe immer mit Freunden zum Tennis.»Auch für den Slinger-Bag seien die Einsatzmöglichkeiten klar umrissen. Er eigne sich etwa für Junioren, die sich vor einem Turnier warm spielen wollten. Oder eben für die Arbeit an den Grundschlägen. Dabei sei gerade die Simplizität des Slinger-Bag seine Stärke. Der Slinger gilt als gutmütig bei Wartung und Reparatur, die Bedienung funktioniert reibungslos – solange man die Fernbedienung nicht verliert. Hingegen hat die Bluetooth-gestützte Konkurrenz gelegentliche Aussetzer.Pauschalpreis im TenniscenterWelches Potenzial steckt im Slinger-Bag, welches in den KI-gestützten, jüngeren Produkten? Das bleibt ein Stück weit eine Glaubens- und Geschmackssache. Swiss Tennis findet auf Anfrage keinen Experten in den eigenen Reihen. Das maschinengeleitete Training spielt im Schweizer Elitetennis kaum eine Rolle.Handfeste Vorteile bieten die Maschinen derweil den Betreibern von Tenniscentern. Roland Hochreutener, Geschäftsführer des Auwiesen-Centers in Winterthur, hat seinen Betrieb weitgehend automatisiert – von der Platzbuchung bis zur Lichtsteuerung. Für eine Pauschale von 50 Franken im Jahr bietet er das Training mit dem Sportbot an, als Trainingsmöglichkeit vor allem zu Randzeiten, etwa für Frühaufsteher oder Schichtarbeiter. Für die Nutzenden ist es eine sichere Lösung, sie müssen sich weder über die Wartung noch die Zuverlässigkeit der Maschine Gedanken machen.Einen echten Spielpartner könnten Ballmaschinen zwar nach wie vor nicht ersetzen, derzeit seien Ballmaschinen und Analyse-Tools aber eine sehr gute Ergänzung zum Tennistraining mit einem Coach, sagt Hochreutener. Auch er beobachtet, dass gerade viele neue Ballmaschinen auf den Markt kommen. «Welche sich durchsetzen, werden die kommenden Jahre zeigen.» In der Gegenwart ist man mit einer Stunde Slinger-Bag gut bedient.Auswahl von intelligenten Ballwurf-MaschinenTenniix Pro: Die Ballmaschine eines chinesischen Robotik-Unternehmens wurde 2026 auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas vorgestellt. Der Hersteller inszeniert sie als die KI-Ballmaschine schlechthin. Über Kameras und einen am Arm getragenen Sensor erfasst sie Bewegungen von Ball und Spieler und reagiert individuell. Daneben gibt es Drills; Winkel, Speed und Spin (alle Varianten) lassen sich via App einstellen. Mit 8,5 Kilo und 1050 Franken ist sie handlich und günstig.Sportbot: Die Gründungslegende des Sportbot führt zurück in die Pandemie: Im Lockdown kam dem slowenischen Ingenieur Toni Ulcar die Idee einer Ballmaschine, die sich wie ein echter Spieler autonom über den Platz bewegt. Gesteuert werden die Sequenzen über eine App, die sich per Videofunktion auch zur Spielanalyse nutzen lässt – mit individuellem Feedback. Die Maschine wiegt 23 Kilo, lässt sich aber wie ein Trolley ziehen. Preis: rund 3300 Franken.Acemate S10: Der Acemate S10 ist vielleicht die Ballmaschine, die einem menschlichen Partner am nächsten kommt. Er bewegt sich über den Platz wie der Sportbot, und er reagiert im Match-Modus dank Kameras in Echtzeit auf die Schläge und die Position des Gegenübers wie der Tenniix Pro. Dazu sammelt er mit einem Netz über dem Ballwurfkasten ständig die Bälle ein – wenn er sie denn erreicht. Das Produkt aus China wiegt rund 18 Kilo und kostet um 1800 Franken.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel