Mister Nice Guy – warum die Frauen Erling Haaland liebenDer Norweger ist an der WM zum Darling der Massen aufgestiegen. Alles, was er dafür tut, ist, normal zu sein. Was die verehrten Superstars über ihre jeweilige Epoche erzählen.09.08.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenWuchtig, aber nicht bedrohlich: Erling Haaland an der WM in diesem Sommer.Shawn Thew / EPAErling Haaland ist nicht Weltmeister geworden, erreicht hat er etwas viel Grösseres: Der Norweger ist an der WM zum beliebtesten Fussballer der Welt aufgestiegen. In Peru taufen sie die Babys auf seinen Namen, 468 Kinder hiessen Haaland, meldete das nationale Bevölkerungsregister im Juli. Es ist ein Zeichen dafür, dass der Norweger ein Publikum anzieht, das sich nicht zwangsläufig für Fussball interessiert. Ein anderes ist die Entwicklung seiner Instagram-Follower: Knapp 76 Millionen klicken heute seine Storys, vor der WM waren es gut 40 Millionen. Haaland ist mehr als ein Kicker; sein Erfolg beruht darauf, dass er einen Typ Mann vertritt, der ziemlich rar geworden ist. Das haben auch viele Frauen registriert.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nicht dass er ein Beau wäre. Doch er verkörpert eine Art alternative Männlichkeit. Sein wuchtiger Körper wirkt trotz der Masse nicht bedrohlich, das weiche Gesicht ist so wandelbar, als wäre es aus Knete. Bei ihm trifft Naturgewalt auf Babyface, Athletik auf Ausdruck. Haalands Popularität liegt darin begründet, dass er eine Gegenfigur zu den Manosphere-Männern darstellt, die sich rücksichtslos breitmachen. Seine Attraktivität liegt in seiner Normalität. Er kommt daher wie ein anständiger Kerl, der trockene Witze reisst. Und Frauen mögen nun einmal Männer mit Humor. In der Vorstellung ist er der Buddy, mit dem man eine schnelle Pasta kochen und Serien schauen kann.Haaland bewegt sich im Fussball in einer männerdominierten Welt, doch er bricht mit ihren machoiden Ritualen. Der Stürmer von Manchester City feiert Tore in der Meditationspose, statt sich brüllend das Shirt vom Leib zu reissen. Er lässt den Nachnamen seiner Mutter, Braut, aufs Norwegen-Shirt drucken, um sie zu würdigen. Auch das gefällt einem weiblichen Publikum, das sonst wenig mit Fussball anfangen kann. Seit kurzem werden im Netz sogar Bilder mit Gesichtsausdrücken von ihm verwendet, um den Menstruationszyklus der Frauen zu versinnbildlichen: Schmerz, Gereiztheit, Selbstvertrauen, Motiviertheit – für jeden Zustand gibt es ein passendes Haaland-Bild.Haaland kommentiert Beiträge von FollowernNatürlich dient Haaland als Projektionsfläche. Doch ein bisschen anders ist er schon. Er lacht nicht nur herzlich über die zahlreichen Memes, die von ihm kursieren, etwa ein Lauch mit Wurzelmähne. Er hat auch damit angefangen, unvermittelt Beiträge auf Instagram, die mit ihm zu tun haben, mit «nice» zu kommentieren. Er selbst – nicht irgendein Content-Creator. Seither machen sich die Leute einen Spass daraus, ihn zu einer Reaktion zu bewegen. «Instagram ist cool, weil ich xy kann, und ein Typ namens Erling wird ‹nice› kommentieren», schreiben sie.Das klappt immer wieder, etwa bei einer Frau, die sich einen Mini-Erling aufs Augenlid schminkte, oder dem Mann, der einen Plank drei Stunden hielt. Als RB Leipzig diese Woche den norwegischen Nationalgoalie Örjan Nyland verpflichtete, schrieb der Klub: «Instagram is cool, because we sign Norway’s Goalkeeper and some guy named Erling will comment ‹nice›.» Was der «guy» auch tat. Die Reaktion erzeugt ein Gefühl von Nahbarkeit, so als wäre Haaland immer nur einen Post weit weg.So spielerisch der Norweger mit seiner Prominenz umgeht, so klare Grenzen zieht er jedoch auch. Mit seiner Partnerin Isabel Haugseng Johansen hat er einen knapp zweijährigen Sohn, den die beiden konsequent vor der Öffentlichkeit schützen.Wo Haaland über die sozialen Netzwerke vermeintliche Nähe schafft, braucht Cristiano Ronaldo, der Supergeck der letzten Dekaden, diese mehr zur Abgrenzung vom gewöhnlichen Volk. Diese Woche hat der Portugiese auf Instagram seinen Wagenpark vorgeführt: zahlreiche blitzblanke Luxuskarossen, die alle aussehen, als wäre noch nie jemand damit gefahren. «My toys», schrieb Ronaldo dazu, gänzlich ironiefrei.«Seht, was ich geschaffen habe»: Cristiano Ronaldo feiert ein Tor an der WM.Jeenah Moon / ReutersDie grössten Stars im Fussball sind schon immer dem Zeitgeist entsprungen. Wie Haaland steht Ronaldo für eine Epoche: die der makellosen Superhelden. Ganz dem Trend entsprechend treibt er die Selbstoptimierung auf die Spitze. Mit eiserner Disziplin trimmt Ronaldo seinen Körper, der auch mit 41 makellos ist. Seht her, sagt dieser Körper, wenn sich Ronaldo nach einem Tor aufpflanzt wie ein griechischer Gott; seht, was ich geschaffen habe.Gleichzeitig signalisiert der Fussballer, dass beides möglich ist: Testosteron-Männlichkeit und akkurate Körperpflege, wie sie früher als weibisch galt. Wie kein Zweiter hat der Portugiese die Individualisierung im Fussball vorangetrieben. Auch hier folgte er gesellschaftlichen Strömungen. CR7 hat sich als Marke immer über seine Vereine gestellt.Für ihn schien der Ausdruck metrosexuell erfunden: David Beckham, hier als Unterwäsche-Model.Alasdair McLellan / APDen Weg zum gepflegten Fussballer geebnet hat David Beckham. Der Engländer hat den Wandel vom Prolo-Kicker zum Pop-Star ab Mitte der 1990er Jahre als Erster konsequent vollzogen. Der Ausdruck metrosexuell schien für ihn erfunden. Becks hatte die Haare schön, Tattoos pflasterten seine Arme, und was er trug, wollten junge Männer auf der ganzen Welt kaufen. Niemand kombinierte Sport, Fashion und Glamour so gekonnt wie der Flankengott. Die Verbindung mit Posh Spice Victoria Adams machte ihn endgültig zur globalen Stilikone.Bereits früher hatte es Rebellen gegeben, die mit dem Sportlerimage brachen und gesellschaftliche Strömungen aufnahmen. George Best verzückte in den 1960er Jahren die Teenies als «fünfter Beatle» mit langen Haaren, dicken Koteletten und wilden Eskapaden. Der Nordire war Rock’n’Roll mit kurzen Hosen, von ihm stammt der berühmte Satz «Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest habe ich einfach verprasst.» Best verglühte auch wie ein Rockstar: Mit 59 starb er nach Jahren exzessiven Alkoholkonsums an Organversagen.Ebenfalls provokant lange Haare trug Günter Netzer, besonders gut sah er in schnittigen Sportwägelchen aus. Neben seiner Profikarriere betrieb Netzer in den 1970er Jahren in Mönchengladbach die Diskothek «Lovers Lane». Er umgab sich mit Künstlern und Künstlerinnen, strahlte stets etwas Bohèmehaftes aus. Der Deutsche galt als Intellektueller, was im Fussball schon exzentrisch war.Kleiner Ausflug nach Mallorca: George Best und die Schauspielerin im Sommer 1969.GettyHandtaschen als teures HobbyErling Haaland dagegen punktet, indem er eben gerade nichts Besonderes ist. Natürlich wird der «nice guy» auch verklärt. Seine Humorkompetenz überdeckt, dass er in vielem das typische Fussballerleben führt. Den Sommer verbringt er auf einer Luxusjacht im Mittelmeer, dem Lieblingsreduit der High Society. Abstecher führten ihn zur Feier seines 26. Geburtstags nach St-Tropez oder zur Hochzeit des italienischen Nationalgoalies Gianluigi Donnarumma nach Apulien. Dort unterhielt er die Gäste mit einer fidelen Ruderschau – alles dokumentiert auf Instagram.Seine Hobbys sind fast so kostspielig wie die von Ronaldo: Haaland soll über eine Sammlung von Handtaschen im Wert von rund 700 000 Euro verfügen. Dazu gehören mehrere der kultigen Birkin Bags von Hermès, bei denen das bescheidenste Exemplar nicht unter 10 000 Euro zu haben ist. Als er nach der Heimreise von der WM aus dem Flugzeug ausstieg, trug er nicht nur einen ausgestopften Waschbären unter dem Arm, sondern auch die «Sicily Tote» von Dolce & Gabbana, eine Tasche, die für normale Menschen (mit Geld) erst 2027 erhältlich sein wird.Er wäre allerdings nicht Haaland, bräche er sein Faible für Luxus nicht mit Selbstironie: Zu Anlässen erscheint er gerne in auffälligen Pyjamas, gelegentlich mit aufgesticktem Monogramm, selbstverständlich nicht aus dem Discounter.Er kann sich Seidenschlafanzüge leisten. Gemäss der Plattform «Transfermarkt» ist Erling Braut Haaland zusammen mit dem Spanier Lamine Yamal der wertvollste Spieler der Welt. Von 220 Millionen Euro ist die Rede. Nice.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
Wie Erling Haaland zum beliebtesten Fussballer der Welt und Frauenliebling wurde
Der Norweger ist an der WM zum Darling der Massen aufgestiegen. Alles, was er dafür tut, ist, normal zu sein. Was die verehrten Superstars über ihre jeweilige Epoche erzählen.






