Der mit den Pferden sprachMonty Roberts, Rodeoreiter, Stunt-Double und Pferdeflüsterer, der mit seiner gewaltfreien Methode das Pferdetraining weltweit veränderte, ist 91-jährig gestorben.Adrian Meyer09.08.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenPDWenn Monty Roberts das Vertrauen eines jungen, wilden Pferdes gewinnen will, macht er sich gross und schickt das Tier weg. Unruhig läuft das Pferd um ihn herum, es kaut und leckt die Lippen, senkt den Kopf demütig zu Boden. Darauf ändert Roberts seine Körpersprache, er entspannt sich, dreht sich vom Pferd weg, senkt den Blick. So zeigt er, dass keine Gefahr droht.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Kommt das Pferd freiwillig zu ihm und berührt es ihn mit der Nase, darf er es streicheln. Nun lässt sich das Pferd freiwillig führen. Das alles schafft er meist innerhalb einer halben Stunde. «Equus» tauft Monty Roberts diese leise, gewaltfreie Kommunikation zwischen Mensch und Tier.Als er diese Methode in den 1980er Jahren einem weltweiten Publikum vorführt und Tausende Pferde erfolgreich trainiert, wird er zum Pionier der modernen «Natural Horsemanship»-Bewegung, die mit der Körpersprache und der Psychologie des Pferdes arbeitet. Sein Ansatz löst sich von der traditionellen, jahrhundertealten Praxis, den Willen wilder Pferde mit Zwang und Gewalt zu brechen.Anstatt das Pferd mit Peitschen und Seilen zu unterwerfen, macht Roberts es zum Partner. «Kein Lebewesen hat das Recht», schreibt er in seinen Memoiren, «zu einem anderen zu sagen: ‹Tu das, sonst werde ich dir weh tun.›»Mit drei Jahren reiten gelerntGeboren wird Marvin «Monty» Earl Roberts Jr. 1935 als Sohn eines Pferdetrainers in der nordkalifornischen Stadt Salinas. Sein Vater zähmt die Pferde, seine Mutter gibt Reitunterricht. Bereits als Dreijähriger lernt Roberts zu reiten, als Vierjähriger reitet er sein erstes Rodeoturnier. Im Teenageralter wird er Rodeo-Champion. Mehrmals holt er den Weltmeistertitel im Schauring.Als Kind tritt er zudem in Dutzenden Filmen als Stunt-Double auf. Dabei reitet er für Kinderstars wie Mickey Rooney, Charlton Heston und einmal sogar – mit Perücke – für Elizabeth Taylor. Sein Vater ist ein brutaler Mann, er schlägt seinen Sohn, und er schlägt seine Tiere. Mit Gewalt und Angst macht er die Pferde gefügig.Monty Roberts verabscheut diese grausamen Methoden bereits als Kind, wie er in seiner Autobiografie «Der mit den Pferden spricht» schreibt. Als Siebenjähriger habe er seinem Vater zeigen wollen, wie effektiv es wäre, einen jungen Hengst freundlich zu behandeln, um sein Vertrauen zu gewinnen. Darauf habe ihn der Vater mit einer Kette krankenhausreif geschlagen, rasend vor Wut.«Wäre mein Vater nicht so streng im Umgang mit Pferden gewesen», sagt er später in einem BBC-Dokumentarfilm, «hätte ich mich wahrscheinlich nie dafür engagiert, das zu tun, was ich heute tue.» Als er 13 Jahre alt ist, wird er in die Wüste von Nevada geschickt, um Mustangs für ein Wildpferderennen einzufangen.Tagelang beobachtet er das natürliche Verhalten einer Herde und sieht, wie die Pferde ihre Körpersprache nutzen, um Grenzen zu setzen, Angst und Ärger zu zeigen oder Entspannung und Zuneigung. Dabei bemerkt er, wie eine Leitstute diese Körpersprache nutzt, um junge Hengste zu kontrollieren.Mit der Zeit habe er begriffen, wie effektiv diese Sprache sei, schreibt er in seiner Biografie. «Es gab präzise Botschaften, ganze Redewendungen und Sätze, die immer dasselbe bedeuteten und immer dieselbe Wirkung hatten.» Ein guter Trainer könne hören, schreibt er, wie ein Pferd zu ihm spreche. «Ein grossartiger Trainer kann hören, wie es flüstert.»Ein Freund der QueenNachdem Roberts Ende der sechziger Jahre seine Rodeokarriere beendet hat, gründet er eine eigene Farm und trainiert Pferde nach seiner gewaltfreien Methode. Einem breiteren Publikum zeigt er diesen Ansatz erstmals 1986 als Gastdozent an der Universität von British Columbia in Vancouver. Drei Jahre später erfährt die britische Königin Elizabeth II. in einer Fachzeitschrift von seinen Methoden. Sie lädt ihn zu sich auf Schloss Windsor ein «und hat daraufhin mein Leben verändert», sagt er in einem Interview mit der Zeitschrift «Stern».Roberts wird erst zu ihrem Berater und dann zu einem Freund. «Ohne sie hätte ich nie ein Buch geschrieben», sagt er, «sie hat mir Verleger empfohlen, meine Entwürfe gegengelesen.» Seine Autobiografie verkauft sich später millionenfach, sie steht mehr als ein Jahr lang auf der Bestsellerliste der «New York Times». Mehrere Bücher und Dokumentarfilme folgen.Jahrzehntelang zeigt er seine Trainingsmethoden einem Live-Publikum und reist dafür um die ganze Welt. Seine Methoden sind nicht unumstritten, manche halten ihn gar für einen Scharlatan. «Ich wurde immer wieder ausgelacht, beschimpft, für verrückt erklärt», sagt er im «Stern»-Interview. Sogar Morddrohungen soll er erhalten haben. Doch viele Kritiker verstummen, als die Queen ihn 2011 zum Ehrenmitglied des Königlichen Victorianischen Ordens ernennt.Zudem verleihen ihm die Universitäten Parma und Zürich die Ehrendoktorwürde in Tierpsychologie. Gewaltfrei erzieht er seine Kinder. Nicht nur die eigenen drei, sondern auch die insgesamt 47 Pflegekinder, die er und seine Frau Pat aufnehmen. Sie kommen alle aus gewalttätigen Familien, daher sei es ihm das Wichtigste, sagt er zum Nachrichtenmagazin «Der Spiegel», «ihnen klarzumachen, dass Gewalt keine Probleme löst. Nie.»