Berlin-Mitte gilt als steinernes Herz der Hauptstadt: dicht bebaut, voller Verkehr, Touristen und politischer Betriebsamkeit. Doch zwischen Hauptbahnhof, Alexanderplatz und Bernauer Straße liegen Orte, an denen der Lärm plötzlich verstummt. Auf dem ehemaligen Todesstreifen wird Roggen angebaut, hinter einer unscheinbaren Tordurchfahrt verbirgt sich ein fast vergessener Garten, und gegenüber dem Reichstag erinnert ein „Parlament der Bäume“ an Krieg und Teilung. Selbst mittelalterliche Klostermauern und die Überreste eines früheren Gefängnisses sind heute von Gras, Sträuchern und alten Bäumen umgeben. Fünf verwunschene Orte erzählen davon, wie sich Berlin seine Freiräume zurückerobert hat – und wie aus Schauplätzen von Gewalt, Zerstörung und Kontrolle stille Plätze zum Verweilen wurden. Vier davon liegen im Ortsteil Mitte, der Geschichtspark Zellengefängnis im benachbarten Moabit und damit ebenfalls im Bezirk Mitte. Der Besuch ist überall kostenlos.
Ein Mitarbeiter der Humboldt Universität erntet das Roggenfeld an der Kapelle der Versöhnung mit einem Parzellenmähdrescher ab.
© Sven Kaeuler/dpa
Das Roggenfeld im ehemaligen Todesstreifen
Zwischen Neubauten, Mauerresten und der Kapelle der Versöhnung liegt eines der ungewöhnlichsten Felder Deutschlands: Auf rund 2000 Quadratmetern wächst an der Bernauer Straße Roggen – genau dort, wo früher der Todesstreifen verlief. Das Feld entstand 2005 als Kunstaktion. Seit 2006 ist das Albrecht-Daniel-Thaer-Institut der Humboldt-Universität für Pflege, Aussaat und Ernte zuständig.







