PfadnavigationHomeSportFußballUnruhe wegen Ex-MitarbeiterinBlitzkarriere, Top-Abfindung, MBA-Studium auf Verbandskosten – Infantino versetzt Uefa in AufruhrVon Tim Röhn, Tom Morgan, Claire Newell, Ben Rumsby, Katherine Rushto, Eric WilliamsStand: 13:49 UhrLesedauer: 4 MinutenUuefa-Präsident Aleksander Ceferin (l). und Fifa-Präsident Gianni InfantinoQuelle: Robert Michael/dpaVor seiner Zeit als Fifa-Präsident war Gianni Infantino Uefa-Generalsekretär. An seiner Seite machte damals eine Frau einen auffälligen Karrieresprung. Das Verhältnis zu seiner Mitarbeiterin kostete ihn offenbar fast die Karriere. Dann ging die Frau – und die Uefa zahlte.Es gibt neuen Wirbel um Fifa-Präsident Gianni Infantino (56). Der europäische Fußballverband Uefa zahlte einer engen Mitarbeiterin von Infantino zu dessen Zeit als Uefa-Generalsekretär bei ihrem Ausscheiden Ende 2011 mindestens eine sechsstellige Abfindungssumme und finanzierte ihr im Anschluss zusätzlich ein MBA-Studium an einer Business School. Das erfuhr der „Telegraph“, der wie WELT zum Axel Springer Global Reporters Network gehört. Die Uefa bestätigte auf Anfrage die Leistungen.Die Frau hatte zuvor während ihrer gemeinsamen Zeit mit Infantino einen auffälligen Karrieresprung gemacht. Ihr Gehalt soll um rund 30 Prozent auf etwa 160.000 Schweizer Franken gestiegen sein, was Fragen aufwirft: Handelte es sich um eine unangemessene Beziehung zwischen Infantino und der Mitarbeiterin?Die nun bekannt gewordenen Vorgänge und Zahlungen sorgen nach Informationen dieser Redaktion für erhebliche Unruhe in der Zentrale des europäischen Fußballverbands im schweizerischen Nyon. Dabei rückt auch Uefa-Präsident Aleksander Čeferin (58) in den Fokus. Der Slowene steht seit September 2016 an der Spitze des europäischen Fußballverbands. Was wusste Čeferin über die Zahlungen – und seit wann?Lesen Sie auchNach Informationen dieser Redaktion wird nun die Uefa ein internes Ermittlungsverfahren zu Vorgängen aus der Zeit vor Čeferins Amtsübernahme einleiten. Dabei soll unter anderem geklärt werden, wie die Zahlungen zustande kamen, wer sie genehmigte und auf welcher Grundlage die Uefa zusätzlich das MBA-Studium der Frau finanzierte.Es soll auch geprüft werden, was genau es mit dem Verhältnis zwischen Infantino und der Mitarbeiterin auf sich hatte und ob etwa seine besondere Nähe zu ihr bei Personal- oder Finanzentscheidungen eine Rolle gespielt hat.Frau stieg in deutlich besser bezahlte Führungsposition aufInfantino kam im Jahr 2000 als Jurist zur Uefa und arbeitete sich innerhalb des Verbands bis zum Generalsekretär hoch. Damit war er einer der mächtigsten Funktionäre des europäischen Fußballs. 2016 verließ er die Uefa und wurde kurz darauf zum Fifa-Präsidenten gewählt.Lesen Sie auchDie Frau arbeitete zunächst in einer administrativen Position. Später stieg sie in eine deutlich besser bezahlte Führungsposition auf. Infantino soll ihre Beförderung unterstützt haben. Der schnelle Aufstieg der Mitarbeiterin soll bereits damals innerhalb der Uefa Fragen ausgelöst haben.Infantino legt jedoch Wert darauf, sich kein Fehlverhalten erlaubt zu haben. In einer Stellungnahme der Fifa heißt es: „Jede Andeutung unangemessenen Verhaltens oder eines Verstoßes gegen Statuten oder Vorschriften ist verleumderisch.“Kein Mitarbeiter der Uefa oder der Fifa habe jemals eine Beschwerde über das Verhalten von Infantino erhoben: „Sämtliche Maßnahmen der Organisation im Zusammenhang mit Mitarbeitern, einschließlich Ausscheiden und Abfindungsregelungen, wurden stets von den zuständigen Führungskräften im Einklang mit allen geltenden Vorschriften genehmigt.“Allerdings soll der damalige Uefa-Präsident und Čeferin-Vorgänger Michel Platini (71) Infantino zur Rede gestellt haben. Brisant sind auch die Schilderungen darüber, wie das Verhältnis zwischen Infantino und der Mitarbeiterin damals innerhalb der Uefa wahrgenommen worden sein soll. Ein gut informierter Funktionär sagte dem „Telegraph“, die Angelegenheit habe Infantino damals beinahe seine Karriere gekostet. Innerhalb der Uefa hätten Mitarbeiter Platini aufgefordert, seinen Generalsekretär zu entlassen.Ein weiterer Insider schilderte die angebliche Konfrontation so: Platini habe Infantino sinngemäß vor die Wahl gestellt – „sie oder du“. Infantino soll daraufhin erklärt haben: „Sie wird gehen.“ Kurz darauf schied die Mitarbeiterin aus der Uefa aus.„Zahlung entsprach den damals geltenden Regelungen“, sagt ein Uefa-SprecherWas der konkrete Anlass für Platinis Intervention war und was ihm damals über das Verhältnis der beiden bekannt war, ist nicht geklärt. Fest steht inzwischen jedoch: Die Uefa zahlte der Frau bei ihrem Ausscheiden Geld und übernahm zusätzlich die Kosten für das MBA-Studium. Die Gebühren der Business School lagen bei rund 45.000 Pfund pro Jahr. Die genaue Gesamthöhe der Leistungen an die Frau ist bislang nicht bekannt. Ein Uefa-Sprecher erklärte: „Wir sind uns der Vorwürfe bewusst und können bestätigen, dass der betreffenden Person bei ihrem Ausscheiden eine Zahlung geleistet wurde, verbunden mit der Übernahme der Gebühren für einen MBA-Kurs an einer örtlichen Business School. Die Zahlung entsprach den damals geltenden Regelungen für ausscheidende Mitarbeiter.“Die Uefa erklärte außerdem, die Personalregeln seien seit 2016 verschärft worden. Die heutigen Vorschriften, die für sämtliche Uefa-Mitarbeiter unabhängig von ihrer Position gelten, entsprächen denen einer „modernen, öffentlich exponierten Organisation“.Das Axel Springer Global Reporters Network ist eine markenübergreifende Initiative, die Scoops, investigative Recherchen, Interviews, Meinungsstücke und Analysen globaler Relevanz veröffentlicht. Journalisten aller Axel-Springer-Marken – darunter POLITICO, Business Insider, WELT, BILD, Onet und Fakt – kooperieren bei großen Geschichten für ein internationales Publikum. 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