Ein Rentenmodell für die Zeit nach dem Tod des Partners und der Streit um einen früheren Ruhestand: Der Wirtschaftsweise Martin Werding verbindet beides mit einem weitreichenden Umbau der Altersvorsorge. Er schlägt vor, die Witwenrente abzuschaffen und durch ein Rentensplitting zu ersetzen. Zugleich warnt er davor, die geplante Rentenreform wegen des Streits über die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren aufzuschnüren.

Die Witwenrente sei nicht mehr zeitgemäß, sagte Werding der Rheinischen Post . »Heute können Frauen selbst vorsorgen. Das Familienrecht ist weiter als das Sozialrecht.« Werding gehörte der Kommission an, die Vorschläge für eine umfassende Reform der Alterssicherung vorgelegt hat.Rentenpunkte statt WitwenrenteNach Werdings Rechnung kostet die Witwenrente die Rentenkasse fast 50 Milliarden Euro im Jahr. Das entspreche einem Achtel der Gesamtausgaben, sagte er. Als Vorbild verwies der Ökonom auf Schweden. Dort sei die Witwenrente 1990 für alle Ehen abgeschafft worden, die danach geschlossen wurden. Für Deutschland müsse es bei einer solchen Reform Bestandsschutz und Übergangsfristen geben.

Als Ersatz schlägt Werding ein Rentensplitting vor. Dabei sollen die Partner alle Rentenpunkte aufteilen, die sie während ihrer gemeinsamen Zeit erworben haben: »Ein Rentensplitting sollte die Witwenrente ersetzen. Danach teilen sich die Partner alle in der gemeinsamen Zeit erworbenen Rentenpunkte auf«.Solange beide Partner leben, soll die Rente nach diesem Modell etwas geringer ausfallen als bisher. Stirbt einer von ihnen, soll der überlebende Partner dafür mehr als die Hälfte der gemeinsam erworbenen Rentenansprüche erhalten. Werding begründet den Vorschlag mit veränderten Lebens- und Familienverhältnissen. Frauen seien heute häufiger erwerbstätig und könnten stärker selbst für ihre Altersvorsorge aufkommen, lautet sein Argument.