In einem viel beachteten Rechtsstreit um Gefahren seiner Plattformen für Jugendliche ist Meta zu einer zusätzlichen Strafe verurteilt worden. Ein Richter im US-Bundesstaat New Mexico verhängte eine Strafzahlung von 567 Millionen Dollar gegen den Internetkonzern und ordnete erhebliche und sehr konkrete Veränderungen auf seinen Plattformen wie Instagram und Facebook an. Demnach darf Meta Nutzern unter 18 Jahren in dem Bundesstaat zwischen 22 und sieben Uhr keine automatischen Benachrichtigungen mehr schicken, an Schultagen auch nicht zwischen acht und 15 Uhr. Weiter muss der Konzern für unter Achtzehnjährige ein Zeitlimit für die Nutzung seiner Plattformen von 90 Stunden im Monat implementieren. Zudem soll für diese Nutzer die Zahl der „Likes“ neben Inhalten nicht mehr angezeigt werden.Meta sieht sich derzeit in den USA mehreren Tausend Klagen gegenüber, die sich um Risiken seiner Plattformen drehen. Der Fall in New Mexico war einer der ersten, die vor Gericht verhandelt wurden. Ende März verurteilten Geschworene das Unternehmen zu einer Geldstrafe von 375 Millionen Dollar. Die jetzt verhängte Strafe ist das Ergebnis einer zweiten Phase des Prozesses. Hier lag die Entscheidung nicht mehr bei einer Jury, sondern beim zuständigen Richter Bryan Biedscheid.„Eine Belastung für die Gesellschaft“Der Rechtsstreit geht auf eine Klage zurück, die 2023 von der Generalstaatsanwaltschaft in New Mexico eingereicht wurde. Sie warf Meta darin vor, auf seinen Plattformen nicht genug zum Schutz junger Nutzer vor sexueller Ausbeutung und Menschenhandel getan zu haben. Damit habe das Unternehmen gegen Verbraucherschutzgesetze in dem Bundesstaat verstoßen. Die Klage war das Ergebnis einer „Undercoveruntersuchung“ der Generalstaatsanwaltschaft, die auf Meta-Plattformen gefälschte Profile von Kindern im Alter von bis zu 14 Jahren anlegte. Ihren Angaben zufolge sei diesen angeblichen Nutzern ein „Strom von ungeheuerlichen, sexuell expliziten Bildern“ angezeigt worden, auch wenn sie keinerlei Interesse an ihnen signalisiert hätten. Dutzenden von Erwachsenen sei es ermöglicht worden, die jungen Nutzer zu kontaktieren und zum Teilen sexuell expliziter Fotos aufzufordern.Richter Biedscheid verglich die schädlichen Auswirkungen von Metas Plattformen mit der Umweltverschmutzung einer Fabrik und nannte sie „eine Belastung für die Gesellschaft“. Aussagen von Fachleuten in dem Prozess legten nahe, dass es eine „kausale Verbindung“ zwischen sozialen Medien und psychischen Schwierigkeiten junger Menschen gebe. Meta sei zwar nicht allein für diese „Krise“ verantwortlich, trage aber erheblich dazu bei.Meta teilte in einer Stellungnahme mit, gegen das Urteil Berufung einlegen zu wollen. Das Unternehmen sagte, es arbeite hart an der Sicherheit seiner Plattformen und sei transparent mit Blick auf die „Herausforderungen“, schädliche Inhalte zu entfernen.Meta-Vorstandschef Mark Zuckerberg sagt persönlich ausNeben dem Fall in New Mexico gab es in diesem Jahr auch einen Prozess in Los Angeles, in dem es um Suchtgefahren sozialer Medien für Jugendliche ging. Hier sagte Meta-Vorstandschef Mark Zuckerberg persönlich aus. Der Konzern wurde zu einer Zahlung von 4,2 Millionen Dollar verurteilt. In der kommenden Woche soll ein weiterer Prozess im kalifornischen Oakland beginnen. Bei der Vorlage seines Quartalsberichts hat Meta vor wenigen Tagen mitgeteilt, Kosten von 2,4 Milliarden Dollar für Rechtsstreitigkeiten verbucht zu haben. Das Unternehmen warnte, dass „jugendbezogene Angelegenheiten“ für weitere finanzielle Belastungen sorgen könnten.Die Rechtsstreitigkeiten beschränken sich nicht auf Metas amerikanischen Heimatmarkt. Die EU-Kommission leitete vor zwei Jahren ein Verfahren gegen den Konzern wegen Suchtgefahren seiner Plattformen ein. Vor wenigen Wochen teilte sie in einer als vorläufig beschriebenen Entscheidung mit, das „süchtig machende Design“ auf Instagram und Facebook stelle einen Verstoß gegen das Gesetz für digitale Dienste (DSA) dar. Die Kommission verlangte Veränderungen auf den Plattformen wie eine Deaktivierung des automatischen Abspielens von Videos.