Wenn sie eine Gruppe Fahrkartenkontrolleure sehen, greifen in diesen Tagen viele Berliner zu dem Handy und melden den Standort der Kontrolle. Die Popularität der App Freifahren wird nun zum Ärgernis für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). »Wer gezielt dazu beiträgt, das Fahren ohne gültigen Fahrausweis zu erleichtern, unterstützt aus Sicht der BVG ein unsolidarisches Verhalten, das zu Lasten unserer vielen ehrlichen Fahrgäste geht und einen hohen wirtschaftlichen Schaden verursacht«, teilte das Unternehmen mit. Zuvor hatte die »Berliner Morgenpost« berichtet.Die App ist seit ihrem Erscheinen erstaunlich schnell populär geworden: Laut Webseite haben schon mehr als 55.000 Nutzerinnen und Nutzer Kontrollen gemeldet, allein am Freitag sind bis zum Nachmittag mehr als 1000 Meldungen zusammengekommen. Anhand der Karte können Fahrgäste in Berlin Strecken mit aktuell hohem Kontrollrisiko erkennen.Der Tageszeitung »taz« sagte der Entwicker Johan Trieloff, dass »im Schnitt immer um die 100 Leute die App gerade geöffnet« haben. Trotz des Erfolgs der App hat die BVG aber keine Hinweise, dass weniger Menschen ohne Ticket erwischt werden.

Die Idee sei entstanden, nachdem er von den Tausenden Menschen gelesen habe, die jedes Jahr in einem deutschen Gefängnis säßen, weil sie ohne Ticket im Nahverkehr gefahren seien, sagte er der »taz«. »Das sind meist Menschen, die unter sehr prekären Umständen leben und in deren Leben viel schiefgelaufen ist.« Eigentlich müsste der Staat ihnen helfen. »Stattdessen errichtet er ein Kontrollregime im Nahverkehr, mit dem sie aktiv gejagt werden«, sagte Trieloff.Fahren ohne Fahrschein ist in Deutschland ein Straftatbestand, eine Initiative zur Entkriminalisierung scheiterte im Frühjahr im Bundestag. Immer wieder landen Menschen im Gefängnis, weil sie besonders oft ohne Ticket erwischt wurden oder das sogenannte erhöhte Beförderungsentgelt nicht bezahlen konnten. Meist beträgt dieses 60 Euro und fällt an, wenn jemand ohne Fahrschein in Bussen und Bahnen kontrolliert wird.