Oliver König ist ein Hanauer Sportmanager. Er ist Präsident des ghanaischen Fußballklubs Accra Lions, der seit dem vergangenen Jahr mit der Eintracht kooperiert. Sein Mitgesellschafter in der ghanaischen Hauptstadt ist der ehemalige „Weltfußballer“ Lothar Matthäus, der die Lions zeitweise begleitete, als sie nun zwei Wochen in Frankfurt zu Besuch waren.Herr König, vor einem Jahr sagten Sie in der F.A.Z.: „Wir suchen den nächsten Yeboah.“ Haben Sie ihn schon gefunden?Das hatten Sie mir im vergangenen Jahr etwas suggeriert. Wir suchen Spieler, die das Potential haben, Profifußballer zu werden.Mit Ihrem Klub, den Accra Lions, waren Sie in den vergangenen Wochen bei der Frankfurter Eintracht zu Besuch. Wie lief der Aufenthalt?Wir wollten diese Reise so gestalten, dass auch diejenigen, die nicht Profifußballer werden, in 20 Jahren sagen: „Wow, das war cool damals in Deutschland.“ Und so war es. Insgesamt waren wir drei Wochen unterwegs, davon zwei in Deutschland und eine in Schweden.Haben Sie auch in Schweden Kontakte zu Klubs?Wir haben bereits einige Spieler nach Schweden transferiert. Die skandinavischen Märkte sind für junge Afrikaner sehr interessant, weil sie dort schneller in die erste Mannschaft kommen als in Deutschland. Und weil das Interesse der Scouts hoch ist.Hessischer Sportmanager: Oliver König (Zweiter von links) mit drei SpielernprivatIm Jahr 2024 waren Sie mit Ihrem Klub Vizemeister in Ghana. Nun haben Sie mit den Lions eine schwierige Saison hinter sich, kämpften zeitweise um den Klassenverbleib. Wie erfolgreich sind Sie aktuell?Wir haben eine schwierige Saison erwartet. Weltweit sind wir die jüngste Mannschaft im bezahlten Fußball. Seit 2024 haben 24 unserer Spieler Profiverträge in Europa unterschrieben, wir waren also etwas ausgeblutet. Wir haben die Abgänge mit Spielern aus unserem Entwicklungsteam ersetzt. Unser Altersschnitt war vor zwei Jahren 18,3 Jahre. In der vergangenen Saison lag er bei 16,4. Wir spielen jede Woche gegen 30 Jahre alte Profis.Mit Teenagern gegen erfahrene Profis: Ist man so konkurrenzfähig?Wir bewerten es kontinuierlich, ob die körperlichen Voraussetzungen überhaupt vorhanden sind, für eine solche junge Mannschaft 30 Spiele im Profifußball zu absolvieren. Wir sind Dreizehnter geworden, das war nicht unser Traum. Auch die Mechanismen des afrikanischen Fußballs sind nicht unkompliziert. Da weht ein etwas anderer Wind, damit müssen junge Spieler umgehen können.Wie meinen Sie das?Es gibt teilweise eine krasse Bevorteilung der Heimmannschaften durch Schiedsrichter. Wir glauben, es ist ein Vorteil, wenn ein junger Spieler früh lernt, mit einem solchen Druck umzugehen, auch vor vielen Zuschauern. Was den öffentlichen Druck angeht, ist es in Deutschland auch nicht anders: Nuri Sahin spielte für den BVB im Alter von 16 Bundesliga. Bei uns sind es eben elf Sahins.Noch mal zum afrikanischen Fußball: Bastian Schweinsteiger sorgte bei der WM für Aufsehen, als er den Spielstil auf dem Kontinent „wild“ nannte. Wie bewerten Sie die Aussagen?Schweinsteiger ist Fußball-Weltmeister. Ich maße mir nicht an, an seiner Kompetenz zu zweifeln. Ich denke, das Thema hat sich zu sehr hochgeschaukelt. Die Wortwahl in einem Live-Interview mag unglücklich gewesen sein. Wenn er mit „wild“ den intensiven Spielstil meinte, dann bestätigen die Zweikampfquoten beim Spiel Elfenbeinküste gegen Deutschland diese Thesen. Da hatte die deutsche Mannschaft den Kürzeren gezogen.„Die Wortwahl mag unglücklich gewesen sein“: Schweinsteiger zum afrikanischen FußballdpaGhana schied in der Vorrunde aus. Woran mangelte es dem Team?Im ghanaischen Verband gibt es große Probleme, auf die ich nicht näher eingehen möchte. Außerdem hat Mohammed Kudus gefehlt, Rechtsaußen der Tottenham Hotspur und der wichtigste Spieler im Land.Zurück zu den Lions: Sie testeten zweimal gegen die Eintracht. Gegen die U 19 gewann das Team 3:1, gegen die U 21 gelang sogar ein 4:1-Sieg. Wie bewerten Sie die beiden Spiele?Die gesamte Reise wird eine unvergessliche Erfahrung für unsere Spieler bleiben. Wir sind der Eintracht sehr dankbar dafür, Leistungsvergleiche auf diesem Niveau abhalten zu dürfen. Die Ergebnisse sind für uns erfreulich. Man sollte die Resultate solcher Freundschaftsspiele in der Vorbereitung einer Saison aber nicht überbewerten. Wir sind uns darüber im Klaren, dass wir viele außergewöhnliche Talente in unserem Klub haben, und es freut uns sehr, wenn sie ihr Potential in einem fremden Umfeld abrufen. Das hat man übrigens auch in Schweden gesehen, dort haben wir drei weitere Freundschaftsspiele gegen renommierte Klubs gewonnen.Ihr Kapitän Lawrence Setordjie wird in Deutschland bleiben, er wechselt zur Eintracht. Damit ist er der erste Spieler, der in der Folge Ihrer Kooperation nach Frankfurt kommt. Was sind Setordjies Stärken? Und wo kann er sich verbessern?Lawrence ist klein von Statur, was meiner Meinung nach im deutschen Fußball noch viel zu oft ein Ausschlusskriterium ist, denn seine technischen Fähigkeiten und seine fußballerische Intelligenz sind außergewöhnlich. Er verfügt über eine natürliche Spielübersicht und erkennt Räume und Lösungen, die anderen verborgen bleiben. Er trifft oft Entscheidungen, die man nicht antrainieren kann, sondern die auf einem außergewöhnlichen Spielverständnis beruhen. Sein Spiel gegen den Ball wird er in Deutschland anpassen müssen.Wie geht die Zusammenarbeit mit der Eintracht voran?Es ist für mich eine Riesenfreude. Am Anfang war ich skeptisch, dass eine Kooperation einem Bundesligaklub einen Mehrwert liefert. In der Vergangenheit hatte ich oft den Eindruck, dass solche Projekte von Bundesligisten Alibi-Projekte waren. Markus Krösche aber hat vom ersten Tag gesagt: Wir wollen das leben. Und so ist es. Wir profitieren immens davon, im technischen Bereich, beim Scouting, in der Sportmedizin. Die Eintracht war mit sämtlichen relevanten Abteilungen bei uns in Accra zu Besuch, vier-, fünfmal pro Jahr. Uns wurde ein Respekt gezollt, der uns sehr glücklich macht. Und auch stolz.Die Eintracht hat ein Vorgriffsrecht auf Spieler der Lions. Gibt es neben Setordjie weitere Talente, die interessant sind?Die Eintracht genießt natürlich einen besonderen Status bei uns. Aber letztlich kann ein Transfer nur dann erfolgen, wenn auch die Spielerseite damit einverstanden ist. Folglich kann nicht von einem Vorkaufsrecht gesprochen werden, sondern von einem besonderen Status aufgrund der gemeinsamen Kooperation.Bekannt sind die Lions auch wegen Ihres Mitgesellschafters, des ehemaligen Weltfußballers Lothar Matthäus. Wie läuft die Zusammenarbeit?Lothar ist für unsere Spieler ein großes Vorbild. Sie profitieren enorm von seinem Erfahrungsschatz und seiner Persönlichkeit. Als im Frühjahr einer unserer 16-jährigen Spieler für eine Kreuzbandoperation nach Deutschland reisen musste, war Lothar sofort zur Stelle und kümmerte sich mit großer Fürsorge um ihn. Solche Gesten bedeuten unseren jungen Spielern viel. Auch als Geschäftspartner ist er äußerst professionell. Mit seiner Erfahrung, seinem Netzwerk und seiner strategischen Perspektive hat er einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung unseres Vereins geleistet.